National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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uns mit seinem lauten Brausen. Nur bei Krümmungen, wo wir in die unmittelbare Nähe
kommen, ist er sichtbar, sonst scheinen die beiden Ufer zusammenzulaufen, und man ahnt
nicht die Gegenwart eines Cañons.
Tyschk-masar ist ein unbedeutendes Heiligengrab am rechten Ufer, an dem auch das Dorf
Lajka mit seinen Gärten und Äckern liegt; auch hier wird Weizen gebaut, sonst lebt
man von Schafzucht;
auch am rechten Ufer
führt ein Pfad nach
den Weideplätzen im
Gebirge, wo mehrere
Hirten leben. Wenig
oberhalb von Lajka
werden die Konglo-
meratwände immer
niedriger und ver-
schwinden endlich un-
terhalb dieses Dorfes,
so dafs der Flufs im
gleichen Niveau mit dem umliegenden Boden fließt. Gleichzeitig breitet sich der Flufs aus
zu fünf- und siebenmal der Breite, welche er in seiner korridorähnlichen Enge hatte, und
strömt jetzt in mehrere Arme geteilt durch sein steiniges Bett. So kreuzen wir zwei
Punkte, an denen „ariken",
die das Wasser nach den
Dörfern am Kerija führen,
beginnen. Man würde sie
kaum wahrnehmen, wenn
man nicht besonders da-
rauf aufmerksam gemacht
wird, oder man würde
jedenfalls nicht ahnen, dafs
es sich um „ariken" han-
delt. Wo z. B. das Bett
breit und steinig ist, geht ein Zweig nach links ab; nachdem wir diesen Arm gekreuzt haben, glauben
wir uns auf einer Insel im Bette zu befinden, d. h. dafs der Arm sich bald wieder mit dem
Flufs vereinigen wird. Wir finden aber, dafs dieser Arm sich mehr und mehr vom Flufs
entfernt, und wir ließen ihn bald außer Sicht; er bildet mit dem Flufs einen spitzen
Winkel, aber weiter unterhalb kann seine Entfernung vom Flufs recht beträchtlich sein.
Wenn er irgendwo in seinem Laufe die Neigung verraten sollte, sich wieder nach dem
Hauptflufs zu wenden, so errichtet man dort Dämme und Wälle aus Stein und Erde, um
ihn zu zwingen, seine Richtung nach den Dörfern, für welche sein Wasser bestimmt ist,
beizubehalten.
Jetzt haben wir niedrigen Sand mit lichter Steppe an beiden Seiten. Tograk-lenger,
das in der Nähe des Flusses gelegen ist, bekommt sein Wasser aus einem kleinen Lokal-
kanal. Das Dorf besteht aus 18 „ujliks" oder Familien, von denen 10 „lengertjis" und
„karaultjis" sind; es ist ihre Aufgabe, den Weg nach Pulur zu beobachten und nachzu-
sehen, dafs niemand, der nicht mit besonderem chinesischen Pafs versehen ist, sich über
Pulur nach Indien begibt. Dagegen haben sie nichts mit der Verteilung des Wassers in
den „ariken" zu thun; dies ist die Aufgabe der „mir-abs" oder Wasserchefs. Hauptsächlich
wird hier Mais gebaut, aber auch Weizen, Gerste, Melonen, Aprikosen, Maulbeeren, Trauben,
Äpfel und Gemüse, dagegen keine Walnüsse und Birnen. Schon jetzt war der Flufs seit
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