National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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und wieder hat sich der Weg durch den Verkehr einen bis ein paar Meter tief in den-
selben eingemeifselt. In vielen Gegenden an den Ufern des Flusses sieht man die Vege-
tation in kleinen Partien wie auf Terrassen, Plateaus oder Kegeln, zwischen welchen nie-
driger, ebener, vegetationsloser Boden sich ausbreitet, weil der Staub dort nicht durch die
Wurzeln gebunden, sondern den Winden frei preisgegeben ist. Die Sandwüste ist in dem
ganzen Lande ein gefährlicher Nachbar des anbaufähigen Bodens, und an mehreren Punkten
hat sie auch auf Kosten desselben Terrain gewonnen.
Der nördliche Masar-tag und Masar-alldi.
Am 25. Februar 1895 machte ich einen Ausflug nach Osten von Maral-baschi, um die
Gegend des Masar-tag zu besuchen. Von der Stadt rechnet man 8 „potaj" nach dem
Dorfe Tjahr-bag auf dem grofsen Wege nach Ak-su; schon nach 4½ „potaj" verlassen wir
aber die Chaussee linker Hand und fahren auf einem südlichen Nebenweg nach O. Die
Äcker von Maral-baschi werden durch „ariken" aus dem Jarkent-darja berieselt; dieser Flufs
ist also hier etwas höher als der Kaschgar-darja gelegen. Über die Kanäle führen kleine
Brücken. Wenig auſserhalb der Stadt hört die Baumvegetation auf, und wir gelangen
wieder in öde Steppen hinaus. Nach einer Fahrt von 3 „potaj" tritt der Berg Masar-tag mit
seinem zackigen, nach N immer niedriger werdenden Kamm aus dem Staubnebel hervor. An
den Seiten des grofsen Weges sind einige „kischlaks" gelegen. Der Weg ist wie gewöhnlich
staubig, der Steppenboden sonst hart und mit verschiedenen Steppenpflanzen und Kamisch
bewachsen. Endlich gelangen wir in die Berge, zwei isolierte Partien, von denen die linke
niedrig und klein ist, während auf der rechten sich zwei Gipfel erheben, von welchen Kämme
und Verzweigungen nach allen Richtungen ausgehen. Beide haben die Charakterzüge der für
Winderosionen, Spaltenfrösten und grofsen Temperaturwechseln in einem trockenen
Klima ausgesetzten Gebirge, also mit zackigen, ziemlich steilen Gipfeln und rauhen, ver-
witterten Seiten, die meistens mit lockerem Verwitterungsmaterial bedeckt sind. Am Fuſse
des nördlichen Berges tritt jedoch festes Gestein zu Tage, fast senkrechte Felsenwände
bildend, die jedoch etwas höher hinauf unter den Detritusmaassen verschwinden. Das Ge-
stein ist dunkelgrauer, etwas zersetzter Diabasporphyrit, in 83° N 60° O¹). Der südliche
Berg besteht dagegen aus rötlichem, feinkörnigem, feldspatführendem Kalksandstein. Am
Fuſse der nördlichen Gruppe stand eine kleine, noch gefrorene, von Quellen gespeiste
Wasseransammlung. Zwischen den beiden Bergen breitet sich ebene, harte Steppe, mit etwas
Gras und Kamisch bewachsen, aus. Flugsand ist hier nicht zu sehen.
Dann haben wir links das aus nur einem Hof und einem Garten bestehende Dorf
Gäddebaschi und jenseits desselben Ajsa-tjekke mit 12 Höfen. Rechts, zwischen ein paar
kleinen Bergarmen liegt der zerfallene Begräbnisplatz von Kallagatj. Am NO-Fuſse des süd-
lichen Berges finden wir das Heiligengrab Ullug-masar, bei dem ringsumher Pappeln wachsen.
Etwas NO davon liegt das Dorf Ara-mähälle. Von Ullug-masar aus sieht man den
höchsten Gipfel des Berges in S 186° W. Jenseits des Masars liegt der Kischlak Masar-
alldi, ein Name, der auch für die ganze Gegend gebraucht wird.
Über die hydrographischen Verhältnisse der Gegend wurde mir folgendes mitgeteilt.
Südlich vom Berge, welcher nach dem erwähnten Heiligengrab Masar-tag genannt wird,
teile sich der Jarkent-darja in zwei Arme, von denen der kleinste nur 4 „potaj" entfernt
sei, der gröfste 6 „potaj"; zwischen beiden sei der Boden feucht und weich. Der kleine
Arm soll sich 2 „potaj" weiter unten in einen See ergieſsen, wo auch der gröfste Teil
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