National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0233 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 233 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000262
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

des Kaschgar-darja ausmündet. Dieser See heifst Tjong-köll, ist 3—4 m tief, im Winter
gefroren, wird im Frühling am kleinsten, wobei mehrere niedrige Schlamminseln ent-
stehen, bis endlich das Hochwasser kommt, um ihn so grofs zu machen, dafs man einen
ganzen Tag braucht, um ihn zu umreiten; er soll sehr fischreich sein. In seiner Nähe
finden sich die kleineren Seen Köll-ullug und Syssuk. Der gröfsere Arm des Jarkent-darja
strömt dagegen direkt nach der Lop-Gegend. SW von Masar-tag liegt der Süfswassersee
Schor-köll am linken Ufer des Jarkent-darja.
Auch südlich vom Jarkent-darja setzt sich der Masar-tag nach SO fort; allein der Teil
dieser kleinen Gebirgskette, welcher zwischen dem Kaschgar-darja und dem Jarkent-darja
gelegen ist, soll der höchste sein. In der Gegend von Masar-alldi wurde die grofse Sandwüste
Takla-makan genannt, sonst auch Dekken-deka. Östlich von diesem Teile des Masar-tag
erstreckt sich ein Sandgürtel, Sapp-kum genannt, mit recht bedeutenden sterilen Dünen, die in
etwa 1 km Entfernung parallel dem Gebirgsfuße laufen. Der Sandgürtel scheint ganz isoliert
zu sein, östlich desselben liegt ein See und westlich ein Sumpf, der durch den kleinen Jarkent-
Arm Kodaj-darja gespeist wird und im Sommer beträchtlich wächst. Zwischen dem Sand-
gürtel und dem Masar-tag ist sonst der Boden hart, steinig und sehr vegetationsarm.
Der Pfad kreuzt endlich einen kleinen Ausläufer des Masar-tag, in dem wieder der röt-
liche, feinkörnige, feldspatführende Kalksandstein ansteht und zwar in der sehr deutlichen
Lage 18° S 240° W. Es ist eine ziemlich isolierte Partie mit steilem Abfall nach W. Die
Ostseite ist dagegen gröfstenteils mit Detritus bedeckt, welcher die Schichtköpfe des Kalk-
steins in Tafeln zu Tage treten läfst und im allgemeinen hier die Gebirgsseite schwarz
streift. Der oben erwähnte Sumpf erstreckt sich bis zum Fufse des kleinen Berges; eben
hier scheint der Kodaj-darja teilweise mit dem Sumpf in Verbindung zu stehen; der Ge-
birgsfufs war nämlich bis 4 m Höhe über den jetzigen Wasserstand kräftig ausgerodiert und
fällt senkrecht zum Wasserspiegel ab. Der Sumpf ist reich an Schlamminseln, Kamisch
und Uferlagumen, an seinem Ufer hatte der Kalksandstein die Lage 5° S 240° W.
Die Hauptmasse des Kodaj-darja strömt dagegen östlich des Sapp-kum. Wo wir diesen
Flufs erreichten, hatte er etwa 110 m Breite und war mit schwachem, porösem Eis bedeckt,
das nur an den Ufern eine schmale Rinne von offenem, trübem, kaum merkbar strömendem
Wasser liefs, mit 1 Fufs Tiefe. In der Mitte des Bettes soll die Tiefe bedeutend sein.
Ringsherum besteht der Boden aus feinem Sand und Alluvionen. Westlich der kleinen
Gebirgspartie erstreckt sich ein anderer Ausläufer des Berges weiter nach Süden.
Von hier aus rechnet man 3 „potsj" bis zum Hauptflufs des Jarkent-darja; aus dem
Wald an seinem Ufer holen die Dolonen Brennholz und Kamisch. Nach 4 Monaten, d. h.
Ende Juni oder etwas später, kommt das Hochwasser, welches die beiden Flufsarme
zu einer seeähnlichen Erweiterung ausdehnt, in deren Mitte nur ein schmaler Streifen
trocknen Bodens übrig bleibt. Das Wasser steigt dann bis zum Gebirgsfufs, und die ganze
Gegend wird überschwemmt. Das Hochwasser soll hier etwa zwei Monate dauern; auf
dem flachen, überschwemmten Gebiet ist die Strömung sehr langsam. Anfang oder Mitte
April begeben sich die Dolonen von Massr-alldi nach dem rechten Ufer des Kodja-darja,
wo sie sich 6 bis 7 Monate aufhalten und in provisorischen Kamischhütten wohnen, die
natürlich nur an solchen Stellen aufgeführt werden, die vom Hochwasser unerreichbar sind.
Sie sind also zur Hälfte Nomaden und nennen die Sommeraufenthaltsplätze „jejliks". Von
Maral-baschi begeben sich im Sommer die Dolonen nach dem Schor-köll, hauptsächlich an
das Westufer.
Anstatt den Masar-tag im Süden zu umgehen, kreuzte ich ihn auf einem kleinen
Pfade, der uns nach Westen führte. Über eine niedrige Schwelle erreichen wir eine
gewellte Ebene, die nach einem südlich vom Pfade gelegenen Sumpf abfällt und von mehreren
divergierenden Furchen durchzogen ist, welche jetzt trocken, offenbar von zufälligen
Regen gebildet sind und in den Sumpf ausmünden. Der Pfad wird dann ziemlich un-