National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0234 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 234 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000262
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

bequem und steigt zu einem kleinen Pafs in dem Hauptkamm dieses Teiles des Masar-
tag. Östlich vom Passe stand eine dunkle, dichte, an kalkigen Bindemitteln sehr reiche
Grauwacke in 8° W 280° N. In der Nähe des Passes steht ein feinkörniger, schwarzer
Diabasporphyrit, der beim Hammerschlag einen metallisch klingenden Laut gibt. Der Pafs
selbst befindet sich in einem grünlichen, epidotreichen Gestein, vielleicht einem Schalstein
(umgewandelter Diabastuft), in 8° N 45° O zerspalten; beim Schlag zerklüftet sich dieses
Gestein nach allen Richtungen. Die Porphyritgänge, die es durchkreuzen, sind härter und
erheben sich deshalb an der Oberfläche über das durchsetzte Gestein. Beim Abstiege vom
Passe gegen W kommt der Diabasporphyrit auch in Gängen vor, darauf folgt ein dunkles,
kalkspatfreies, schieferiges Gestein in 10° O 110° S. In dem kleinen Gebirge sind alle
Schluchten, Erosionsfurchen und Schuttkegel durch flieſsendes Wasser gebildet, und doch
verdanken sie ihre Bildung nur seltenen, unbedeutenden Regengüssen und dem Schmelzwasser
des Schnees, dessen Menge gering ist; das Regenwasser ist auf den Sommer beschränkt.
An der Westseite des Gebirges fällt der sterile, von Regenbachfurchen durchzogene
Boden langsam zum Ufer des Sees Schor-köll, der, obgleich der Name „Salz-See" bedeutet,
vollkommen süfses und gutes Wasser hatte und noch gefroren war. Die weiße Oberfläche
scheint sich so weit nach Westen zu erstrecken, wie das Auge reicht. An den Ufern
finden sich einige ganz niedrige Inseln, aber in der Mitte des Sees erheben sich ein paar
isolierte Felseninseln. Der See schmiegt sich ziemlich nahe dem Gebirgsfuße an, so dafs nur
ein schmaler Ufergürtel übrig bleibt, auf dem hin und wieder Pappeln wachsen und Gebüsch
ziemlich allgemein ist. Eine recht lange Strecke steht hier ein in 27° S 230° W gespaltener,
frischer und ziemlich unverwitterter, mittelkörniger Granit an (nicht, wie ich beim ersten An-
blick geglaubt hatte und in meiner Reisebeschreibung ausgeführt habe, Syenit). Das Ge-
birge ist hier sehr steil. Von der Felswand sind große Blöcke heruntergefallen, die am
Gebirgsfuße mehr der Verwitterung ausgesetzt sind, so dafs sie alle möglichen Formen an-
genommen haben, wie Köpfe, Hälse und schalenförmige Aushöhlungen, und an der Oberfläche
sind sie äufserst verwittert und porös. Weiter nach N geht der See allmählich in Sümpfe
über und ist überall aufserordentlich reich an Kamisch, nur in der Mitte sind offene Wasser-
flächen sichtbar. In der Hochwasserperiode wird alles in einem großen See verwandelt;
auch dieser wird vom Kodaj-darja gebildet und ist also ein typischer Ufersee. Hier
halten sich im Sommer die Dolonen auf in eben solchen Kamischbütten, wie die Lopliks.
An der Westseite des Gebirges hatte sich kein Flugsand angehäuft, ein Verhältnis, das
vielleicht mit dem hier vorherrschenden Ostwinde im Zusammenhang steht. Es ist, wie
ich weiter unten noch werde zeigen können, ein physisches Gesetz bei den kleinen Ge-
birgsgruppen des Masar-tag, dafs an ihrer Westseite immer ein See oder Sumpf gebildet
ist, wogegen der Sand an der Ostseite liegt. Die kleinen Seen sind natürlich durch Über-
schwemmungswasser des Jarkent-darja gebildet, und sie stehen nur in der Hochwasser-
periode mit dem Flufs in direkter Verbindung. Am Ufer des Sumpfes liegt ein recht
großer Begräbnisplatz; weiter nördlich grenzt der Granit wieder an Diabasporphyrit, der
anfangs die Lagen 21° SW 7° WNW hat, dann fast vertikal steht.
Am 27. Februar machte ich einen Ausflug über den „örtäng" von Tjahr-bag (Tjawak
ausgesprochen) nach Tumschuk. Der schlechte Weg führt über die Kischlaks Masar-alldis
nach N. Tjahr-bag ist ein großes Dorf mit einem Bazar am großen Ak-su-Wege. In
dieser Gegend ist der Kaschgar-darja in mehrere Arme geteilt, die sehr reich an Kamisch
sind und auf kleinen Brücken gekreuzt werden. Wenn das Hochwasser eintritt, so vereinigen
sich mehrere Arme, um eine seeähnliche Erweiterung zu bilden. Der Boden ist auch jetzt
ziemlich feucht. Alles Eis war verschwunden. Der Weg führt hauptsächlich nach Osten.
Es wehte ein kräftiger Ostwind, und die Luft war mit feinem Staub gesättigt. Aus
dem Nebel trat linker Hand die kleine Gebirgsgruppe Akhur-masar-tag hervor, mit ihren
wie von schwarzen Bändern gestreiften Seiten. Der Berg bestand aus einem dichten, gelb-