National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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5 Tagen erreicht und sollte noch 15 Tage strömen, wonach der Kanal weiter westlich
gesperrt wird. Die Mühlen arbeiten also nur 20 Tage jedes Jahr. Noch zwei alte, deut-
liche Flußbetten wurden gekreuzt, von denen das größte 75 m breit, mäandrisch wie der
Jarkent-darja war und sehr gut erhaltene Uferlinien hatte. Der Boden des Bettes war voll-
kommen eben und steril; an den Ufern, die 1,5 m höher lagen, kam aber spärliche
Steppenvegetation, Kamisch und Tamarisken, vor. Sonst besteht der Boden aus feinem,
hartem Sand. Der öde, seichte, 5 „potaj" lange See Baj-khan-köll mit salzhaltigem, klarem
Wasser wurde rechts von unserem Weg gelassen. Er wird von den Kanälen aus Jangi-
hissar gebildet, und das überschüssige Wasser erreicht die Mühlen von Tokkus-tybb. Im
Winter ist er am größten, aber im Frühling und Sommer wird er immer kleiner. Die
teilweise kamischbewachsenen Ufer sind feucht und weich. Die Wasserzüge der Ges-darja
und der Jangi-hissar-Gegend erreichen also den Jarkent-darja nicht, sondern versiegen weit
westlich vom Flusse.
In der Gegend Kisil-dji-khanem gibt es einen Masar und einen recht ausgedehnten
See mit salzigem Wasser und Kamisch an den Ufern. Auch dieser See wird von Über-
schußwasser aus Jangi-hissar gebildet. Über einen schmalen Arm des Sees oder Sumpfes
führt eine Brücke. Von hier aus geht der Weg nach SSW. Hier beginnt der Sand, erst
in vereinzelten, auf feuchtem, hartem Boden stehenden, bis 8 m hohen und offenbar durch
NW-Wind gebildeten Dünenindividuen. Solche Gegenden, in denen die Dünen noch
sporadisch stehen, werden „ala-kum" oder bunter (d. h. unterbrochener) Sand genannt.
Wo die zusammenhängende Wüste, „sor-kum", anfängt, lag der kleine Gasthof Lenger,
mit ein paar jetzt unbewohnten Häusern. Die Dünen waren von SSW nach NNO aus-
gezogen.
Das Dorf Ordan-Padschah war jetzt von 25 Familien bewohnt. Der Hauptscheik ist
auch Chef von Hasrett-Begim und wohnt entweder in Jangi-hissar oder im nahe liegenden
Dorfe Sajgan. Man behauptete, dafs im Winter 10- bis 12000 Pilger sich nach dem Grab
begeben, im Sommer, wegen der Hitze und Wassermangel, im Sommer nur 5000. Die Pilger bringen
Geschenke in natura mit, um die Grabdiener zu erhalten. Wenig nördlich vom Dorfe
bildet auf dem harten Boden zwischen ein paar Dünen eine Süßwasserquelle, Tjävätt-khanem,
ein Bassin; eine andere Quelle hat salziges Wasser, welches nur benutzt wird, wenn die
Pilgerzahl sehr groß ist. Beim Dorfe wachsen ein paar Pappeln, sonst gibt es keine Vege-
tation. Augenblicklich wird das Dorf von einer mächtigen Düne bedroht, deren Leeseite
29° abfiel, wogegen die Luvseite 18° Winkel hatte. Die Dünen sind hier etwas unregel-
mäßig geformt, offenbar, weil verschiedene Winde in verschiedenen Jahreszeiten herrschen.
Die acht Häuser, von denen der „khaneka" und der „kasan-khane" die wichtigsten sind,
sind auf ebenem Thonboden aufgeführt, und zwar zwischen zwei 160 m voneinander ent-
fernt liegenden Dünen. Die Einwohner behaupteten, dafs der „khaneka" (Gebethaus) vor
25 Jahren dieselbe Lage gehabt hätte; die übrigen Häuser wären vor 22 Jahren aufge-
führt worden. Ein älteres „kasan-khane" (d. i. Kesselhaus, wo die Küche für die Pilger
sich befindet) war vor einigen Jahren von Sand verschüttet worden; der neue „kasan-
khane" war deshalb vor nur zwei Jahren aufgebaut; allein auch dieser ist bedroht, denn
die nächste Düne ist nur 4 m davon entfernt. Die Dünen scheinen in diesem Teil der
Wüste hauptsächlich nach SO zu wandern.
Am 1. April 1874 begab sich Bellew von Jangi-hissar über Sajgan in OSO-Richtung
durch die Wüste nach Hasrett-Begim und Ordan-Padschah. Am Wege fand er einige
salzige Brunnen. Er sagt, dafs die Dünen von NW nach SO fortschreiten und von nörd-
lichen und nordwestlichen Winden getrieben werden. Er erwähnt ein paar Gebäude,
deren Versandung große Fortschritte machte; es sind gewiß dieselben, deren Ecken jetzt
aus der nächsten, im NW stehenden Düne hervortreten. Die übrigen Häuser fand er, wie
auch ich, auf sandfreiem Boden zwischen den Dünen aufgeführt. Bellew sah voraus, dafs
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