National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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wüste liegt, aber auch darauf, dafs der Jarkent-darja ungleich mächtigere Wassermassen
führt, welche eine reichlichere Vegetation oder jedenfalls einen breiteren Vegetationsgürtel
hervorlocken, und somit der Dünenbildung hinderlich ist. Dazu kommt noch der Tienab-
darja, der, wie es scheint, recht weit nach N fliefst. Wie früher beim Jarkent-darja fanden
wir auch wenige Kilometer westlich vom Khotan-darja die Spuren eines alten, jetzt
gröfstenteils versandeten Flufsbettes, welches deutlich als eine von S nach N sich er-
streckende Vertiefung mit reichlicher Vegetation kenntlich war. Auch dieser Flufs hat
das Bestreben, sich nach O zu verschieben.
Der Jarkent-darja ist die Hauptpulsader von Ostturkestan und enthält immer strömendes
Wasser, obgleich die Wassermenge mit den Jahreszeiten sehr grofsen Schwankungen unter-
worfen ist. Der Khotan-darja ist dagegen nur ein Nebenflufs desselben, und führt nur im
Sommer Wasser. Als wir am 29. Mai bei Sil den Flufs verliefsen, war das Bett so gut
wie trocken, und bis hierher gelangt wohl kaum die Sommerflut vor Ende Juni oder An-
fang Juli, vielleicht noch später. Oben (S. 27) habe ich erwähnt, dafs der Jurun-kasch
und der Kara-kasch im Laufe des Juni mit jedem Tage stiegen, aber erst am 21. Juni
(1896) die eigentliche Sommerflut kam, und Ende des Monats die beiden Flüsse etwa
850 cbm Wasser führten. Von diesem Quantum geht hier weniger Wasser durch Seiten-
arme, Lagunen, Uferseen und Sümpfe verloren als im Jarkent-darja, um so viel mehr aber
durch Verdunstung und Einsickern in den Boden, welche beide Faktoren um so kräftiger
wirken, weil das Bett sehr breit und seicht ist und durch sandiges Gebiet führt. Der
Khotan-darja fliefst ziemlich gerade nach N, und das Hochwasser gelangt in verhältnismäfsig
kürzerer Zeit nach Sil, als das des Jarkent-darja auf einer Strecke von derselben Länge, weil
dieser Flufs reicher an Uferseen ist, die zuerst gefüllt werden müssen. Inzwischen können
wir voraussetzen, dafs das erste Hochwasser nicht früher als Mitte des Sommers nach Sil
gelangt, und dafs nur eine verhältnismäfsig unbedeutende Wassermenge die ganze Strecke
von Khotan nach Sil zurückzulegen vermag. Im Frühling, Mai und den gröfsten Teil des
Juni, ist also das Bett am trockensten. Dann kommt allmählich die Sommerflut, um das
Bett zu füllen, und im Juli ist der Flufs sehr mächtig; im August wird er schon, unter-
halb Khotan, etwas niedriger, fällt dann im Herbst, bis der letzte im Bett vorhandene Rest
gefriert. Nur wenig Wasser wird aber den ganzen Winter als ein gefrorener Streifen stehen,
und dieser Eisküchen soll nicht bis nach Buksem (Lager XXIII) reichen. Im Frühling
schmilzt das Eis und verursacht die erste Frühlingsflut, nach welcher das Bett fast ganz
trocken liegt — mit Ausnahme der Tümpel („köll"), die in tieferen Depressionen des Bettes
zurückbleiben, und an welchen die Karawanen und Reisenden auf dem Wege zwischen
Khotan und Ak-su rasten.
In den meisten von diesen „kölls" halten sich Fische auf. General Pjewzow hat mir
mitgeteilt, dafs er eben hierin einen Beweis dafür findet, dafs das Flufswasser auch im
Frühling und Vorsommer in gewisser Tiefe (im Niveau der Oberfläche dieser Tümpel)
wenn auch freilich langsam nordwärts sich bewege. Er glaubt, dafs, wenn dies nicht der
Fall wäre, das Wasser in den Tümpeln allmählich faulen müfste und die Fische darin
nicht leben könnten. In der That ist aber das Wasser vollkommen frisch und gesund.
Ich halte diese Theorie Pjewzows für sehr wahrscheinlich, und wir haben schon etwas
ähnliches beim Kerija-darja gefunden, wo der Flufs unterhalb der Stadt, jedoch als Quelle,
wieder zu Tage tritt. Wir können in derselben Weise annehmen, dafs im N der Kerija-
darja sich unterirdisch eine gute Strecke fortsetzt, wo man mit Leichtigkeit auch Brunnen-
wasser bekommt.
Ich habe schon oben darauf aufmerksam gemacht, dafs an den ostturkestanischen
Flüssen die Wege fast immer am linken Ufer laufen. Ausnahmen von dieser Regel gibt
es jedenfalls nur wenige, z. B. an einem Teil des Kisil-su (Kaschgar-darja) und von
Merket nach Jarkent, wo aber der Weg am rechten Ufer nur in der Hochwasserperiode
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