National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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auch der Ostwind ist schwach. Hier sind also die Windverhältnisse ganz andere als weiter
unterhalb in den Wüstengegenden.
Westlich von Tokkus-davan führen zwei von den Eingeborenen vorzugsweise benutzte
Pässe über das nördliche Randgebirge des Kwen-lun-Systems. Um den einen von ihnen,
den Tjokkalik, zu untersuchen, machte ich am 1. August dorthin eine Exkursion. Der Pfad
steigt sehr steil an den aus weichen Erdschichten bestehenden und mit Gras gut bewachsenen
Hügeln, welche die nördlichsten Ausläufer des Gebirges darstellen, aber dann reiten wir in
dem steinigen „saj"-Boden des Dalai-kurgan-Baches, zuerst nach SO, dann nach SSW. In
der Mitte dieses Bettes finden sich hin und wieder kleine Inseln, immer gut mit Gras-
vegetation versehen. Bis zum kleinen, sekundären Pafs Dalai-kurgan-art, welchen wir nach
drei Stunden erreichten, ist der Pfad deutlich und wird offenbar ziemlich oft von den
„tagliks" benutzt. Der Pafs ist sehr bequem und hat eine unbedeutende relative Höhe,
die absolute ist 4367 m. Es gibt dort hin und festes Gebirge, lauter weiche Erdschichten,
Schutt und Sand; auf dem Kulminationspunkt ist ein Steinhaufen errichtet worden. Von
hier aus sehen wir im SSW die Ebene von Lama-tjimin und südlich davon eine gewaltige
Gebirgskette. Die Ebene wird vom Mitt-Flusse durchschnitten, welcher sich nach Westen
wendet.
Auf der südlichen Seite des Passes biegen wir in spitzem Winkel nach O um, wonach
wir den überschrittenen Gebirgskomplex linker Hand und den Thalboden von Lama-tjimin
rechter Hand haben. Jetzt öffnet sich auch im S das breite Querthal, durch welches der
Mitt strömt. Die Mündung des Sarik-kol-jilga, in dem etwas Wasser vorhanden war, lassen
wir linker Hand. Das Terrain ist fast überall weich und mit Gras bewachsen, nur strecken-
weise steinig; festen Fels sieht man nur an den Kämmen und Gipfeln. Von der Ecke,
wo der vom Dalai-kurgan-Passe nach S abfallende kleine „jilga" in das große Lama-tjimin-
Thal ausmündet und wo wir nach OSO steuerten, um dem Hauptthal zu folgen, steigt das
Gelände wieder gleichmäßig und langsam und ist sehr bequem, harter Erdboden, reich an
„jejlaks". Das Lama-tjimin-Thal ist im S und N von mächtigen Gebirgskämmen, jetzt jedoch
ohne Spur von Schnee, begrenzt, und in der Mitte seines östlichen Teiles strömt ein kleiner
Bach. Linker Hand lassen wir das kleine Querthal Tjirak-tikkan, welches, mit guten Weide-
plätzen versehen, steil zu einem Pafs in derselben Kette wie der Dalai-kurgan-art (Pafs)
hinaufsteigt; weiter östlich wurde ein ähnliches Thal Jess-saj genannt. Die Steigung nimmt
allmählich zu, ist jedoch noch verhältnismäßig unbedeutend; endlich wird das Thal etwas
mehr kupiert und eng. Hier war der Bach sehr wasserreich und trübe; es war offenbar
das Schmelzwasser vom Mittag, das erst am Abend so weit gekommen war; es strömt dann
große Strecken unter dem Schutt und Geröll des Thalbodens. An unserem Lagerplatze
traten einige kleine Quellen zu Tage, die auch von Bächen herrührten und am Fuße des
Schuttkegels hervorquollen. Das Wetter war den ganzen Tag herrlich gewesen, nur auf
dem Passe hatte ein kräftiger NO-Wind geweht. Abends und nachts wurde der Bach
immer kleiner. Er vereinigt sich weiter unterhalb mit dem Mitt-Flufs gerade an der Mün-
dung des erwähnten südlichen Querthales.
Unser Lagerplatz hat keinen besonderen Namen; die ganze Gegend wird dagegen
Tjokkalik genannt, weiter unterhalb, wie erwähnt, Lama-tjimin. Im Winter liegt der
Schnee bis zu 2 Fufs hoch, und hält sich dann niemand hier auf. Die Weideplätze von
Lama-tjimin dagegen werden jeden Sommer besucht, allein in diesem Jahre hatte es so
wenig geregnet, dafs das Gras nur sehr spärlich vorhanden war, und deshalb hatten die
Hirten andere Gegenden aufgesucht. Nur die Jakherden von Musar Bek hatten sich hier
aufgehalten, waren aber vor einigen Tagen nach dem nördlichen Sarik-kol-Thal getrieben
worden. Wilde Jaks und Kulane (Wildesel) kommen hier nicht vor; die einzigen Tiere,
die wir sahen, waren: Hasen, Füchse, Murmeltiere und Raben. Das Murmeltier („sur"
oder „sugur") ist hier überall außerordentlich allgemein; überall, wo nur der Boden aus
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