National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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einen von Süden kommenden breiten Sand-„saj" ohne Vegetation, aber mit etwas Wasser
in seinem östlichen Teile. Rechts lassen wir in etwa 5 km Entfernung zwei scharf markierte,
steile Gipfel hinter uns, der eine mit Schnee auf dem NO-Abhang. Sie waren kegelförmig
und ähnelten Vulkanen. Die Hauptkette des Arka-tag ist immer nur weit im Osten sicht-
bar, wohin auch dieses Längsthal die Aussicht öffnet. Der breite „saj" erstreckt sich nach
NNO, vereinigt sich wohl weiter unten mit dem nächsten und gehört zu irgend einem der
Quellflüsse des Tjertjen-darja. An der linken, nördlichen Seite wird das große Längsthal
von einer nicht unbedeutenden Kette begrenzt. Von Süden mündet dann noch ein mäch-
tiger, tiefer und breiter „saj" in das Längsthal hinaus. Seine bedeutenden Dimensionen
zeigen, daß er ein ausgedehntes Quellgebiet haben mufs. An seinem linken, steilen Ufer
stand wieder roter Sandstein an, der, wie in der ganzen Umgebung, unter 28° nach O
130° S einfällt und stellenweise tafelförmig wie Schiefer ist; die ganze Landschaft hat
auch hier eine ziegelrote Farbe.
In dem breiten Bette, in dem jetzt ein in mehrere Arme geteilter Bach vollkommen
krystallklaren Wassers von 1½ cbm Mächtigkeit strömte, lag hart zusammengepreßt feiner
Schutt aus grünem krystallinischen Schiefer, Granit und dunkelgrünem Porphyr mit kleinen
runden weißen Krystallen. Diese Gesteinsarten stammen aus den im Süden befindlichen
Bergen, die auch in dunklen, vorzugsweise grünen Nuancen spielen. Wie der früher er-
wähnte „saj" stammt also auch dieses Thal aus dem Arka-tag, durchbricht in einem Quer-
thal die Kette, welche wir linker Hand haben, und schient dann in einem rechten Winkel
wieder umzubiegen, um einem neuen, großen Längsthal, parallel mit dem unsrigen,
zu folgen, in dem das Wasser also wahrscheinlich nach Osten fließt. Dies ist von unserer
Route aber nicht sichtbar. Vielleicht durchbrechen die von Süden kommenden Ströme alle
die von W nach O ausgezogenen Gebirgszüge nach und nach in Querthälern. In solchem
Falle enthalten die Längsthäler nur kleine Nebenbäche, die in die von S nach N gerichteten
Hauptbetten ausmünden. Nördlich des mit dem unsrigen parallelen Längsthals erhebt sich
eine dunkle, mächtige, schneelose Kette, welche südlich des Tokkus-davan liegt. Der
Arka-tag scheint hier in der That aus einem System von W—O streichenden Parallel-
ketten zu bestehen. Weiter östlich münden noch zwei von S nach N gerichtete Betten
aus, welche die rechts gelegene Kette durchbrechen, sonst aber in Konglomeratablageningen
eingeschnitten sind; an dem einen standen einige Konglomeratpartien isoliert wie Horste
im Bette. Auch diese Betten durchbrechen in ziemlich engen Querthälern die Kette, die
wir links haben.
Unser Längsthal steigt jetzt sehr langsam nach Osten, aber jenseits des letzten „saj"
wird die Steigung auch für das Auge bemerkbar. Wir gingen am Fuße des rechten Ge-
birges und hatten eine Menge kleiner „tjepps" zu kreuzen. An einem größeren, etwa
10 m tief in Konglomerat eingeschnittenen „saj"-Bett machten wir Halt. Der Bach des
„sajs" führte etwa 2 cbm Wasser; Grasvegetation kam in der Nähe vor, wie immer, sehr
spärlich und licht. Auch dieses Bett durchbricht die nördliche O—W streichende
Kette. Mit westlichem Wind kam auch heute ein äußerst heftiger Hagelschauer. Der
„saj", an dem wir lagerten, scheint in seinen höheren Regionen eng, steil und mit Geröll
gefüllt zu sein; am Morgen des 16. August führte er nur ¾ cbm Wasser. Das Längs-
thal ist immer von zwei recht bedeutenden Parallelketten eingeschlossen; der Boden ist
uneben; hier und da stehen kleine, runde, isolierte Hügel. An einem Punkt hatte das
Schmelzwasser der angrenzenden Berge einen kleinen, seichten See von nur 250 m Durch-
messer gebildet, wo ein Dutzend Gänse schwammen. Gras kommt nur in sporadischen
Flecken vor, wird aber allmählich seltener. Hier wird das Längsthal von einem Bach durch-
flossen, welcher sich mit dem „saj" am Lager VI vereinigt. So erreichen wir endlich den
Anfang des Längsthales, eine flache Wasserscheide mit einer kleinen Depression, deren
roter Thonboden jetzt allerdings trocken war, doch offenbar zeitweilig Wasser enthalten mufs.
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