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0297 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 297 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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Erosionsthal hinab. Auf dem Passe stand der gewöhnliche Schiefer, der unter 74° nach
S 200° W fällt.

Im allgemeinen sind, wie wir schon bis jetzt gesehen haben, diese Gebirge außer-
ordentlich reich an weichem Material, ihre Plastik ist abgerundet, ihre Abhänge sind mit
sehr fein zerfallenen Detritusmassen und Verwitterungsmaterial bedeckt. Vergebens sucht
man die tief eingeschnittenen, steilen Thäler und die nackten, bizarren Felsenformen der
peripherischen Gebiete: fast nur an den Kämmen ist das Gestein entblößt. Sehr oft gehen
von einem flachen, abgerundeten Massiv mehrere ebenso flache und sanft abfallende, rosetten-
förmige Ausläufer und kleine Kämme aus, welche alle mit weichem Material bedeckt sind.
Selten findet man auf dem Boden Schutt, nur in den Betten der Flüsse und Bäche kommt
Geröll vor, aber auch hier sein verteilt. An den Uferrändern der Wasserzüge wächst bis-
weilen Moos, sonst sind spärliches Gras und „jappkak" die einzigen Vertreter der Vegetation.
Der Boden bekommt auch nur die Farbe des in der Nähe anstehenden Gesteins, die Vege-
tation ist zu arm, um ihm einen grünlichen Anstrich zu verleihen. Eine sehr gewöhnliche
Erscheinung ist die, dafs die Bäche, wo sie aus den Gebirgsabhängen austreten, keine per-
manenten Betten zu bilden vermögen, sie verschwinden einfach in dem lockeren, staubigen
Boden, der eben deshalb sehr oft feucht ist. Wahrscheinlich treten jedoch diese Bäche
irgendwo weiter unterhalb oder am Rande der größeren Bäche als Quellen wieder zu Tage.

Am 17. August ritten wir von dem sekundären Pafs wieder abwärts und erreichten
nochmals ein Längsthal, welchem wir fast gerade gegen O folgten. Auch dieses Thal ist
von bedeutenden Gebirgsarmen eingeschlossen. Es liegt in einer Linie mit dem Längs-
thale, welchem wir am 16. August gefolgt waren; allen hier strömte das Wasser gegen O.
Die Wasserscheide befindet sich eben in der Fortsetzung des kleinen Kammes, auf dem
das Lager VII errichtet worden war. Im Thalboden bildet diese Wasserscheide eine kaum
sichtbare Schwelle.

Das neue Längsthal empfängt von der im S, rechter Hand, stehenden Gebirgskette
eine ganze Reihe von Nebenbächen, die aus mehr oder weniger ausgeprägten Querthälern
heraustreten. Die meisten führten etwas Wasser, so dafs der Bach des Hauptthales all-
mählich größer wurde. Für alle die von uns bis jetzt gesehenen Längsthäler zwischen den
Parallelketten des Arka-tag gilt als Regel, dafs die meisten, längsten und größten Neben-
thäler und „tjappa" (Querthäler) mit ihren Bächen aus S, also vom Hauptkamm des Arka-
tag kommen; die wenigsten, kleinsten, ja oft gar keine dagegen aus N. Weiter bemerken
wir, dafs in jedem Längsthal, gleichviel, ob dieses nach O oder W abfällt, der Bach immer
gegen den Fufs der nördlichen Gebirgskette preßt. Der nördliche Gebirgsabhang des Längs-
thales ist deshalb steiler und auch reicher an nacktem Fels, als der südliche (d. h. als der
Nordabhang des an der Südseite des Längsthales stehenden Gebirges), der auch einen ver-
hältnismäfsig sanfter abfallenden Abhang hat. Dagegen ist die südliche Kette höher als
die nördliche.

Alle diese Gesetze gelten auch für das Thal, in welchem wir uns jetzt befanden.
Rechter Hand, im S, haben wir zwei mächtige, teils schneebedeckte Gipfel, von welchen
ein großes Nebenthal stammt; der Bach dieses Thales hat sich tief in den Boden ein-
geschnitten; er vereinigt sich mit dem Bach unseres Längsthales, und in der spitzen Ecke,