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0298 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 298 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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wo die beiden Betten zusammentreffen, steht die gewöhnliche, scharfeckige und energisch
auserodierte Konglomeratterrasse. Hier stand auch der allgemeine grüne Schiefer in dünnen
Tafeln mit Einfallen 39°
nach S 200° W. In dieser
Gegend herrscht überall
dieses Gestein vor, jedoch
ist es stark gefaltet, steht
stellenweise vertikal, bildet
Sättel und Gewölbe, gerade
dort am deutlichsten sicht-
bar, wo der Fufs der Ge-
birgsseite durch die Wasser-
züge entblöfst worden ist.
Der Schiefer ist hier hell-
grün, zerfallen und verwittert. Es ist oft sehr schwierig, mit den Karawanentieren solche
tief eingeschnittene Betten mit ihren fast vertikalen Wänden zu kreuzen. Um die Ein-
schnitte der Nebenthäler zu vermeiden, gingen wir auch jetzt in das Hauptbett hinab.
Es ist breit, fällt langsam und gleichmäfsig nach O, sein Boden ist mit feinem Schiefer-
schutt bedeckt, es hatte etwa 1 cbm krystallklares Wasser, erweitert sich bisweilen zu
einer Breite von ein paar hundert Meter, und in der Mitte windet sich der Bach wie ein
schmales Silberband. Das Bett ist bis 20 und 25 m tief in den Schiefer eingeschnitten; es
ist eins der mächtigsten, die wir bis jetzt gesehen hatten. Es wird uns klar, dass die
bei Kara-buran doch so erbärmlich endigende Tjertjen-dorja bei der Stadt Tjertjen ein
mächtiger Flufs sein kann, — wenn wir dieses Labyrinth von Längs- und Querthälern mit
ihren „sajen" und „tjapps" sehen, von denen viele offenbar in der Hochwasserperiode
mächtige Wassermassen führen können.

Dann macht der Bach eine scharfe Biegung, in fast rechtem Winkel, um in einem
Querthal die nördliche Gebirgskette zu durchbrechen, dessen grüner Schiefer also an meh-
reren Punkten entblöfst wird. Gerade in der Ecke erhebt sich ein kegelförmiger Gipfel,
von welchem mehrere wasserlose, kleine „tjapps" ausgehen. Von hier aus steigt das Längs-
thal gegen O, ist von bedeutenden Ketten umgeben und von einem Bach mit 1½ cbm Wasser
durchströmt, der sich mit dem unsrigen vereinigt, um zusammen die nördliche Kette zu
durchbrechen. Auf der rechten Uferterrasse des Hauptbettes, wo wir reiten, ist der Boden
weich, aus Thon, der oft in sehr regelmäfsige Hexagonen zerborsten ist. Eine solche Bil-
dung entsteht da, wo der Niederschlag in den Boden einsickert, ohne Bäche zu bilden;
wenn dann der Boden trocknet, entstehen die hexagonalen Figuren. An einem Punkt des
linken Ufers, wo die Abhänge sanft und mit spärlichen „jejjlaks" bewachsen waren, wurde
Lager Nr. VIII aufgeschlagen. In nur 1 km Entfernung nordöstlich von diesem Lagerplatz
hatte Littledale auf seiner letzten Reise gelagert. Die absolute Höhe des Lagers Nr. VIII
war 5055 m.

Überall in der Nähe stand dunkler Schiefer, stark gefaltet, mit allen möglichen Fall-
richtungen, Auskeilungen und Verwerfungen. Schichten von verschiedener Härte wechseln
miteinander ab und sind gewöhnlich nur 10 cm mächtig, selten bis 1 m. Die vorherrschenden
Schichten bestehen aus einem weichen, dunklen Schiefer, der auf einen Schlag in papier-
dünne Blätter zerfällt, und aus einem sehr harten, feinkörnigen, krystallinischen Schiefer.
An den hier 10—12 m hohen, vertikalen „saj"-Wänden ist der Fels entblöfst, sonst sehen
wir hier festes Gestein nur weiter oberhalb an den Abhängen und am Kamme. Im
nachstehenden Bild sind die schwarzen Partien fester Fels, sonst ist alles mit weichem
Verwitterungsmaterial bedeckt.

Nachdem der Bach, an dem wir lagerten, den aus O kommenden Bach, dessen „saj"