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0307 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 307 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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östlichen Seite des flachen Passes hatte sich ein Quelltümpel gebildet, wo gelagert wurde
(Nr. XVII).

Am 2. September gingen wir von der Wasserscheide hinab; die Bäche der Gegend
strömen nicht wie sonst gewöhnlich nach Osten, sondern durchbrechen die niedrige Kette,
die wir linker Hand haben, wahrscheinlich um sich zum See Nr. 11 oder irgend einem
von hier aus unsichtbaren See zu begeben; die Wasserscheide ist wohl also nur sekundär.
Gegen Osten liegen kleine Tümpel und Sümpfe im Thal zerstreut. Der Boden ist ziemlich
hart, Schutt von grünem Schiefer und Tuff kommt vor, nirgends aber fest anstehend. Die
Tuffstücken sind vielleicht die letzten Fragmente kleiner tuffbedeckter Sandsteinberge von
dem früher erwähnten Typus. Jaks, Antilopen, Füchse, Nager, Schwalben, Lerchen und
Bachstelzen waren die Repräsentanten des Tierlebens. In den kleinen See Nr. 12 mündeten
drei Rinnsale aus. Im Süden des Sees weist die südliche Kette eine breite Lücke oder
Unterbrechung auf. In der Mitte dieser Lücke erhebt sich jedoch ein isolierter, kuppel-
förmiger schneebedeckter Berg (E). Westlich von diesem Berge passierte die Expediton
Bonvalots und des Prinzen von Orleans (1889—90); hier findet sich, wie auch von meiner
Route wahrgenommen werden konnte, ein bequemer Pafs.

In den See Nr. 13 münden aus SW und SO kommende Bäche aus, die ein aus-
gedehntes Delta am Südufer des Sees bilden. Das Gelände des Thalbodens ist hier weit,
offen und ziemlich eben. Rechter Hand haben wir jetzt in der Nähe die südliche Haupt-
kette. Das nächste abflußlose Gebiet breitet sich um den kleinen See Nr. 14 aus, in
welchen nur einige Rinnsale münden. Am westlichen Ufer machten wir Halt, Lager XVIII,
5078 m hoch.

Am 3. September wurde der See Nr. 14 näher untersucht. Die Ufer sind niedrig
und bestehen aus Sand und Schutt von Tuff, welcher jedoch auf Schlamm oder Thon ab-
gelagert ist, und hier sinken die Pferde so tief ein, dafs man nur zu Fufs und mit größter
Vorsicht dem Ufer nahe kommen kann. Sechs kleine Bäche münden hier aus, die mittags
etwa anderthalb Kubikmeter Wasser zusammen führten. Dazu treten am Ufer mehrere
Quellen zu Tage; im Verhältnis zu seiner Größe empfängt also dieser See ziemlich viel
Wasser. Das Merkwürdige ist aber, dafs der See eine konstante Wassermenge zu haben
scheint, und dafs das Wasser vollkommen süfs ist (14,2° Temp. um 3 Uhr Nachmittags).
Er mufs deshalb einen unterirdischen Abflufs haben und steht wahrscheinlich in dieser
Weise mit dem nächsten östlichen See in Verbindung; die Uferlinie des Sees bezeichnet
somit den Umfang eines schalen- oder löffelförmigen, impermeablen Thonbeckens. Durch
den darüber gelegenen Sand und Schutt kann aber das Wasser ungehindert übersickern.
Rings umher erheben sich abgerundete Hügel, wo die gewöhnlichen Tufffragmente zerstreut
liegen. In diesem schwarzen, porösen, schlackenähnlichen Tuff finden wir ohne Zweifel
Bonvalots „volcan et plateau de laves" wieder. Es sind gewiß isolierte, kegelförmige Berge,
an deren Fufs er solche Tuffstücken gefunden hat, die Bonvalot für recente Vulkane ge-
halten hat.

Am 4. September gingen wir nördlich des Sees nach ONO und dann nach O. Es ist
ein schwach unduliertes Terrain, selten grasbewachsen, der Boden ist gewöhnlich sehr
weich, Tuffstücke sind immer allgemein, die meisten auf der Oberfläche so glatt poliert,
dafs sie wie Kanonenkugeln aussehen. Zwischen den Seen Nr. 14 und 15 erstreckt sich
eine deutliche, flache Thalsenkung ohne merkbaren Fall und ohne Erosionsbett. In ihrem
Boden gibt es dagegen mehrere Sümpfe und Tümpel, alle, wie der See Nr. 14, mit süfsem Wasser;
auch Quellen treten am Fuße der Hügel zu Tage; das ist offenbar das Überschufswasser
des Sees Nr. 14. Hasen und Wölfe kommen in der Gegend vor; die letzteren waren
durch ein paar am vorhergehenden Tag geschossene Jaks hingelockt worden.

Vom Lager XIX gesehen erhob sich in O 126° S ein mächtiges schneebedecktes Ge-
birgsmassiv der südlichen Kette mit einem dominierenden Gipfel, welcher König Oscar-Berg