National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Täuschung wird durch die Wolken verursacht, die wie Nebel auf der Erdoberfläche
lagern.
Am 27. September konnten wir endlich eine nordöstliche Richtung einschlagen
und stiegen langsam auf hartem Boden nach dem Arka-tag hinauf. Mehrere fußtief ein-
geschnittene Betten wurden gekreuzt, die meistens jetzt trocken waren, nur in einigen standen
kleine, gefrorene Tümpel, oder es traten auch unter dem Schutte Quellen zu Tage. Dann
folgten wir dem wasserführenden Bach, der aus dem Paßthal herausragt und welcher nach
dem See Nr. 22 gerichtet zu sein scheint. Das Thal erstreckt sich nach NNO, ohne irgend-
welche scharfe Biegungen zu machen, und hinter uns verschwindet allmählich das offene
Längenthal des nördlichen Tibet, in dem wir anderthalb Monate gewandert waren. In der
Mündung des Thales tritt der Schiefer zu Tage, schwarz, grafitähnlich, unter 76° Fall
nach S 200° W.
Wir hatten nur 2 Stunden Marsch bis zum Paß; er ist bequem und kuppelförmig ohne
festen Fels und mit etwas Schnee am Nordabhang. Die Höhe beträgt 4939 m. Im N und
NO breitete sich ein Gewirr von Ketten und Kämmen aus, jedoch ohne mächtige Schee-
massive. Auf der Nordseite ist der Abhang vom Passe steil, aber kurz; dann folgten wir
einem nach NO gerichteten Thal, zwischen den Nordausläufern und Verzweigungen des
Arka-tag eingeschlossen, in dem ein kleiner Bach strömte. Nur der links stehende Arm
war etwas schneebedeckt. Weiter unten fällt der Boden nur äußerst langsam, der Bach
wächst zu etwa 2 cbm und die Breite des Thales zu 200 und 300 m; aus W 320° N
öffnet sich ein bedeutendes Nebenthal; der „saj" ist überall mit Schieferschutt bedeckt.
Jaks und Kulane sind in der Gegend sehr allgemein. Hin und wieder konnten die Spuren
eines Pfades beobachtet werden, obgleich wir nicht unterscheiden konnten, ob er von diesen
Tieren oder von Menschen herrührte. Im NO des Nebenthales steht ein Gebirgsmassiv ohne
„jilgas". Rechts öffnet sich ein mächtiges Nebenthal, das von der Gegend westlich des
Gipfels T₁ stammt; dieser dominierende Gipfel ist während der ganzen Zeit sichtbar.
Im untersten Teile unseres Thales verschwindet wieder allmählich der Bach, wahr-
scheinlich nur weil das Wasser unter dem Schutte strömt. Am NO-Ende der linken Kette
liegt der kleine See Nr. 23, den wir jedoch nicht besuchten; wir glauben aber, dafs er
noch ein abflußloses Gebiet bezeichnet, der See war nämlich auch im Osten von niedrigen
Hügeln begrenzt. Aus Westen mündet ein durch ein breites Thal strömender Bach in den
See aus. Am Ende der linken Kette fiel der Schiefer 49° nach S 220° W, und etwas
weiter oben im Thale 73° nach S.
Gerade östlich des Sees mündet unser „saj" in ein ausgedehntes offenes Muldenthal
mit für das Auge so gut wie horizontalem Boden aus, an allen Seiten, aber in beträchtlicher
Ferne von Gebirgsketten umgeben. An einem Punkt, wo Gras vorkam, machten wir Halt
(Lager Nr. XXXV). Nach O 95° S öffnet sich ein mächtiges Längsthal. In der Nähe
des Lagers strömte ein Bach in einem recht scharf ausgegrabenen Bette. Es ist dies
zweifelsolme die Fortsetzung des Baches, welchem wir vom Passe her gefolgt waren und der
hier unten wieder deutlich wird. Er strömt also nicht, wie man erwartet hatte, in den
See Nr. 23 aus, sondern läßt ihn in einer kurzen Entfernung linker Hand. Am Ufer
dieses Baches fanden wir die ersten deutlichen Spuren von Menschen, und zwar einige
Scheiben des in der Nähe anstehenden dunkel blaugrauen Schiefers, mit tibetanischen
Schriftzeichen vollgeschrieben. Dicht nebenbei waren auch die Spuren eines Zeltlagers
deutlich; offenbar war diese Gegend kürzlich von mongolischen Nomaden besucht gewesen.
Am 29. September gingen wir nach NO, in welcher Richtung der Thalboden fällt.
Am Fuße des hier das Muldenthal abschließenden Gebirges erreichten wir einen großen
Bach. Wie oben erwähnt hatten wir geglaubt, dafs die Gewässer des Muldenthales in den
See Nr. 23 strömten und dafs auch dies ein abflußloses Gebiet sei, fanden aber jetzt, dafs
dieser Fluß aus dem See kam und nach O strömte; es ist also ein Durchgangssee mit süßem
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