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0336 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 336 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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Von Tsakha-tsak hatten wir am 26. Oktober beinahe 40 km nach NNO zum Tossun-
nor. Die Landschaft war sehr eigentümlich; die nächsten Hügel bestanden aus einem
äußerst weichen, lockern, porösen, ganz trockenen und sterilen Thongestein, fast wie Löfs
aussehend. Eine wasserlose Erosionsfurche führt aufwärts zu einem unbedeutenden Pafs mit
einem „obo", der aus zwei runden Steinscheiben besteht. Nördlich von diesem Pafs breitet
sich eine wenig ausgedehnte Thonebene aus, so eben wie die Oberfläche eines ruhigen Sees,
der gelbe Thon ist in kleine Kuchen zerborsten, die wie die Scherben eines Lehmkruges
aussehen. Aus dem ebenen Boden erheben sich jedoch einige Thonhöhen, die an kleine
Inseln erinnern. Es ist dies ein abflußloses Gebiet im Kleinen. Nur nach lokalen Regen
soll sich hier ein sehr ephemerer See bilden. Die Gegend wird Säkhin-gadser genannt. Auf
dem Weitermarsch folgen noch mehrere solcher kleinen Becken, welche durch Thonhügel
voneinander geschieden sind. Nördlich des zweiten Beckens stand ein stark verwitterter,
poröser, an der Oberfläche abgerundeter, feinkörniger, gelbröthlicher Sandstein an, jedoch
hier und da in Scheiben und Dächern vorspringend und 9° nach O 170° S einfallend.
Im Laufe des Marsches trat er nur ein paarmal zu Tage. Auf diesem Sandstein sind die
Thonschichten abgelagert und haben dieselbe Lage wie der Sandstein. Auch der Thon ist
schieferig, so dafs hin und wieder Platten und Scheiben vorspringen. Die Lagerung ist
sehr deutlich, und die Gebirgsseiten sehen wie gestreift aus. Von Regen, Bächen und
Winden sind diese Thonhügel in oft sehr phantastischer Weise modelliert worden. Von
Tieren war keine Spur zu sehen, aber eigentümlicherweise mit Tamarisken und Saksaul
nicht selten; trockene Wurzeln und abgestorbene Stämme sind ebenso allgemein. Flugsand
kommt vor, ist aber nirgends reichlich; nur an den Seiten der Tamariskenkegel bildet er
ganz kleine Dünen. Durch den Sand wird bei Sturm der Pfad verwischt, und die Mongolen
haben deshalb an kritischen Stellen Wegweiser aus Tamarisken- und Saksaulzweigen er-
richtet. An einigen Punkten lag an der Oberfläche des Bodens eine dünne Schicht von
schwarzem Schieferschutt. Aus dem Boden treten hin und wieder flache Sandsteinschollen
hervor. Die Tamarisken und der Saksaul wachsen auch hier oft auf Kegeln.
Wir hatten noch sechs kleine Pässe zu überschreiten; einige von ihnen sind wegen
ihrer Steilheit und des hier oben recht mächtig angehäuften Sandes ziemlich beschwerlich.
Die Pässe liegen also in einem System von parallelen Kämmen oder Graten, die von
WNW nach OSO streichen. Der letzte Kamm war niedrig und flach und bestand aus
grobem, hartem Sand ohne festes Gestein; er wurde Undur-kökö genannt. Die Aussicht
nach N ist von hier aus sehr ausgedehnt. Der Pfad wendet sich über eine schwach ge-
wellte, mit hartem, groben Sand bedeckte Wüste, nur selten kommt etwas Schutt vor. Nörd-
lich einer unbedeutenden Erhebung des Bodens breitet sich wieder ein mit feinem Schlamm
bedecktes trockenes Becken aus; es heißt Mo-schackschick und wird nur nach Regen mit Wasser
gefüllt. Stunde auf Stunde reiten wir durch diese äußerst öde Gegend, die nur selten von
armseligen Tamarisken oder Steppenpflanzen etwas belebt wird; Tiere fehlten aber ganz.
Endlich erreichten wir das Südufer des Tossun-nor; erst als wir uns in der unmittel-
baren Nähe befanden, wurde die schöne, blaue Fläche des Sees sichtbar. Sein Becken liegt
nämlich recht tief unter der allgemeinen Oberfläche des Bodens, und rings herum ist er
von terrassenähnlichen Thonhügeln um-
geben, die steil gegen den See abfallen.
Von hier geht der von Prschewalskij be-
nutzte Weg aus. Auf dem eben be-
schriebenen Wege von Tengelik zum Tos-
sun-nor sind vor mir Carey und Dalgleish gereist. Sie hielten sich westlich des Tos-
sun-nor und Kurlyk-nor. Um jetzt zu untersuchen, in welchem Zusammenhang diese beiden
Seen miteinander stehen, entschloß ich mich, dem Westufer des Tossun-nor zu folgen, um
dann zwischen den beiden Seen nach Osten zu gehen.