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0339 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 339 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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Am 28. Oktober führte der Pfad nach OSO am Südufer entlang; in dieser Richtung
wird der See allmählich schmäler, und die offenen Wasserflächen werden wegen des Schilfes
immer kleiner und seltener. In dieser Beziehung ähnelt der See dem Lop-nor. Rechter
Hand haben wir, zuerst in ein paar Kilometer Entfernung, dann in der unmittelbaren Nähe
eine hohe, wie es scheint, vollkommen ebene Terrasse, die jedoch steil zu den Ufer-
niederungen abfällt. Zweifelsohne ist dies eine alte Uferterrasse, wie wir sie noch jetzt
beim Tossun-nor gefunden hatten; allein, der Kurlyk-nor hat sich, wie so viele andere zentral-
asiatische Seen, verkleinert und vom Fuße der Terrasse zurückgezogen. Solche Terrassen
hatten wir beim Lop-nor vergebens gesucht, zum Teil weil dieser See eine so neue
Bildung ist. Nur am Ufer giebt es einen Gürtel spärlicher Vegetation, die Oberfläche der
Terrasse ist ebenso steril und öde, wie südlich vom Tossun-nor. Am Ostende geht der See
allmählich in Sümpfe über, und hier mündet der Alikhani-gol aus, jedoch ist seine Mündung
wegen des dichten Schilfes ganz unsichtbar. Der Platz, an dem wir lagerten, etwas südlich
von Alikhani-gol, wurde einfach Barun-kövve, „das Südufer", genannt. Der Boden war
sumpfig; weiter südlich hatten sich kleine Dünen gebildet. Hier lagerten einige
Mongolenfamilien.
30. Oktober. Der Winter näherte sich jetzt mit großen Schritten, die Nächte waren
kalt, klar und ruhig; so kalt wie hier hatten wir es niemals auf dem tibetanischen Hoch-
plateau gehabt — die letzte Nacht —22,6°. Die südliche Koko-nor-Kette wurde hier ein-
fach Tsun-ula, „das nördliche Gebirge", genannt.
Östlich vom Lager bestand der Boden aus schwach mit Tamarisken bewachsenem grobem
Sand und Schutt; dann folgt eine ausgedehnte, isolierte Thonterrasse, die sich im N nach
dem Südufer des Alikhani-gol erstreckt. Der gewöhnliche Weg nach Sorgotsu-namaga führt
nördlich von dieser Terrasse, wir gingen aber südlich davon. Hier hatte der Boden dasselbe
Aussehen, wie wir ihn oft in diesen Gegenden gesehen hatten; auch im S setzte sich die
erwähnte Terrasse nach O fort, und zwischen beiden erstreckte sich vollkommen ebener
Schlammboden, wo sich nach Regen ein See zu bilden scheint. Er ähnelte einem sehr
flachen, 1—2 km breiten Thal und sah stellenweise wie ein trockenes Flußbett aus. Wahr-
scheinlich strömte hier früher der Alikhani-gol, obgleich jetzt die deutlichen Spuren
eines Flusses verwischt worden sind. Nach etwa 14 km hört aber die linke Terrasse auf,
und dann folgt bis zum Flußufer Kamischsteppe. Der Weg kreuzt nun sandigen Boden,
auf welchem wir hin und wieder kleinere Dünen sehen. Die rechte, südliche, Terrasse
entfernt sich allmählich von unserem Wege. Rechter Hand erheben sich dann beträchtliche
Sanddünen in der Montsuk genannten Gegend. Jenseits eines Salzsumpfes erreichen wir
den Alikhani-gol, und hier vereinigt sich der erwähnte nördliche Weg mit dem uns-
rigen. Dann folgen wir eine Strecke lang dem Fluß, der etwa 12—15 m breit ist, eine
Breite, die nur selten wechselt. Er gehört demselben Typus an wie der Khara-ussu. Die
Wasseroberfläche, auf der Eisschollen schwammen, befindet sich fast in demselben Niveau
wie der umliegende Boden. Die Tiefe soll nach einer Beschreibung etwa 2 m betragen, so
daß der Fluß auch jetzt unpassierbar war. Die Stromschnelligkeit betrug 0,3 m. In der
Hochwasserperiode muß der Fluß seine Ufer weit und breit überschwemmen; hier wächst
dichter Kamisch und Geblüse. Dann verlassen wir den Fluß, der aus NO kommt, wogegen
unser Weg nach O läuft. Auch hier standen zwei mongolische Zelte, und große Herden
von Pferden, Schafen, Ziegen und Rindvieh weideten ringsherum. Nördlich des Alikhani-
gol strömt der kleine Bajan-gol, der von unserem Weg aus nicht gesehen werden konnte.
Der letzte Teil des Tagemarsches führte durch Weideplätze mit üppigem Gras. Bei Sor-
gotsu-namaga befindet sich eine Quelle mit sehr gutem Wasser, das sich in einem offenen
Bassin („namaga") ansammelt. Im NNO sehen wir jetzt das Thal, aus welchem der Ali-
khani-gol herausströmt. Am Gebirgsfuße waren Kulane allgemein.
31. Oktober. Die Weideplätze hören bald auf, und dann folgt licht bewachsene Steppe.