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Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0388 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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den zahlreicheren und gröfseren Bronziteinsprenglingen zurück. Der Bronzit ist im Schliff
farblos und in dieser Probe ganz frisch; er tritt in scharfbegrenzten Kristallen auf,
während die einsprenglingssartig vorkommenden Plagioklase oft gerundet sind. Die Grund-
masse besteht aus einem innigen Gewebe von Feldspatleistchen, Pyroxenstengelchen und
wenigen Erzkörnchen, von einem braunen Glase durchtränkt. Von den Pyroxenstengeln
der Grundmasse zeigte kein einziger schiefe Auslöschung oder hohe Interferenzfarben, wes-
halb sie sämtlich aus Bronzit bestehen müssen.
Eine zweite Probe ist ähnlich, nur hat das Gestein eine mehr bräunlich-schwarze
Farbe, was wohl damit zusammenhängt, dafs es weniger frisch ist: so ist das Glas der
Grundmasse der eben beschriebenen Varietät hier in dunklere und hellere Staubkörnchen
zerfallen. Die Feldspateinsprenglinge sind in diesem Gestein etwas reichlicher, dagegen
kommt auch hier weder unter den Einsprenglingen noch in der Grundmasse monokliner
Pyroxen vor, sondern nur Bronzit.
Eine dritte Probe ist dunkelgrau und, wie die vorigen, reich an kleinen ausgewalzten
Blasen. Unter dem Mikroskop sieht man nur kleine und wenige Plagioklaseinsprenglinge,
dagegen zahlreiche Einsprenglinge von monoklinem Augit in oft grofsen, chagrinierten
Körnern oder bisweilen in Aggregaten von kleinen Stengeln. Von Bronzit sieht man nur
wenig, bisweilen ist es ein grofser Kristall, im Rande in dunkelbraunen Iddingsit über-
gehend, welch letzterer auch in zahlreichen selbständigen Kristallen vorkommt. Die Grund-
masse besteht aus kleinen Feldspatleistchen mit winzigen Erzkörnern und Pyroxenmikro-
lithen in etwas Glas eingebettet.
Das Gestein enthält kleine, rundliche Fragmente eines fremden Gesteins, das ein ge-
prefster, quarz-feldspatführender Hochgebirgsschiefer gewesen zu sein scheint. Oft sieht
man davon nur vereinzelte Quarzkörner mit breiter Umsäumung von Pyroxenstengeln. Es
ließe sich denken, dafs die Abweichung des zuletzt besprochenen Gesteins von den beiden
vorigen in der Mineralzusammensetzung durch die teilweise Einschmelzung des fremden
Gesteinsmaterials hervorgerufen wäre, in welchem Falle an dieser Stelle unter den nor-
malen Gesteinen nur eine Varietät vorkommen würde.
Die von den einschlussfreien Gesteinsproben repräsentierte Gesteinsvarietät ist als ein
B r o n z i t a n d e s i t zu bezeichnen und trägt als besonderes Charakteristikum die voll-
ständige Abwesenheit des monoklinen Pyroxens, indem aller sowohl intratelluriach als
während der Effusionsperiode auskristallisierter Pyroxen rhombischer Pyroxen ist, und
zwar nach seiner Farbe als Bronzit zu bezeichnen. Da das Gestein nicht viel Glas ent-
hält, ist diese Eigentümlichkeit des hier beschriebenen Gesteinstypus von Interesse als
grofse Seltenheit. Einen so ausgeprägten Bronzitandesit habe ich in der Litteratur nicht
erwähnt gefunden. Auch das Vorkommen von rhombischem Pyroxen als wesentlicher Be-
standteil der Grundmasse ist recht ungewöhnlich.
Eine mit der zuerst beschriebenen, frischesten Gesteinsprobe ausgeführte Analyse ergab
im Mittel:
SiO₂ . . . . . . . 61,45
TiO₂ . . . . . . . 1,57
Al₂O₃ . . . . . . . 14,96
Fe₂O₃ . . . . . . . 2,75
FeO . . . . . . . 4,61
MgO . . . . . . . 2,72
CaO . . . . . . . 4,84
Na₂O . . . . . . . 3,86
K₂O . . . . . . . 3,75
H₂O . . . . . . . 0,67
100,21
Nach dieser Analyse würde dieses Gestein die folgende quantitative Mineralzusammen-
setzung gehabt haben bei vollständiger Auskristallisation (unter effusiven Erstarrrungs-
bedingungen, als Tiefengestein könnte es vielleicht ein biotitführender Diorit geworden sein):
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