National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Ruinen zu verschütten. Die Einwohner hatten jedoch Muße genug, um sich nach Süden
zu begeben. Wir finden noch mehrere Dörfer in den Oasen am Südrande des Tarimbeckens,
die nächsten Nachbarn des am weitesten gegen Süden vorgedrungenen Sandes, die von
demselben Schicksal ernsthaft bedroht sind.
Ohne Zweifel breitet sich der Triebsand nach gewissen Gesetzen und Richtungen aus,
getrieben durch die vorherrschenden Winde. Diese sind jedoch zu wenig bekannt, und
die Nachrichten, welche von den Eingeborenen geliefert werden, sind nicht immer zuver-
lässig. Am unteren Jurun-kasch, von Iltji nach Tavek-kel, wurde mir überall gesagt, dafs
Westwind vorherrschend sei. Aber auf meiner Reise von Tavek-kel nach dem Kerija-darja
zeigte die Orientierung der Dünen, dafs sie vorwiegend vom Ostwind angetrieben waren.
Dies kann natürlich nichts anderes beweisen, als dafs nur in der letzten Zeit, im
Spätsommer oder Herbst, östliche Winde geherrscht hatten. Am 25. Januar hatten wir
den ersten, doch nicht besonders kräftigen Buran des Jahres, und zwar eine südwestlichen,
der in 45 Minuten einen Dünenkamm 11,9 cm nach NO bewegte; als aber in der Nacht
der Wind sich um 180° drehte, kehrte der Kamm in 9 Stunden 91 cm in entgegengesetzter
Richtung zurück. Um aber die Komponente der verschiedenen Windrichtungen und des
Bewegungsverlaufes der einzelnen Dünenindividuen zu finden, dazu gehören natürlich jahre-
lange Beobachtungsreihen, die uns nicht zu Gebote stehen. In Ordan-Padschah erzählten
mir die Schejken, dafs die Dünen, welche die Häuser des Heiligengrabes bedrohen, sich
im Mittel pro Jahr etwa 4 m vorwärts bewegen. Am unteren Kerija-darja scheinen
nordöstliche Winde vorherrschend zu sein. Offenbar haben die verschiedenen Jahres-
zeiten ihre verschiedenen Windrichtungen. Das von mir heimgeführte Material wird von
Dr. Nils Ekholm bearbeitet und veröffentlicht werden, und nachdem dieses Material
gruppiert sein wird, wird man hoffentlich daraus gewisse Schlußfolgerungen und Gesetze
ableiten können.
Der Abschnitt zwischen Lager VI und VII führte wieder durch hohen, sterilen Sand.
Die Dünen erreichten zuerst 15 m Höhe, und wir hatten hier acht nord-südliche „davanen"
zu kreuzen. Die Spuren eines Fuchses deuteten jedoch darauf hin, dafs der Kerija-darja
nicht weit entfernt sein konnte. Auch hier passierten wir einen Streifen (N-S) von Tama-
risken, wie gewöhnlich auf Kegeln thronend und von ringförmigen Dünen umschlossen. Auf
der östlichen Seite eines hohen „davans" war der Sand in einer von Süden nach Norden
sich erstreckenden Depression verhältnismäfsig eben, niedrig und nur schwach gewellt; die
Dünen erschienen hier wie in ebenen Sand eingebettet, und nur die Kämme waren sichtbar;
die Depression ähnelte einem ganz versandeten Flußbett. Der letzte „davan" erreichte eine
Höhe von 25 m; auf der östlichen Seite erreichten wir jedoch noch eine lebende Tama-
riske, wo der gewöhnliche Brunnen gegraben wurde. Er führte durch schwach mit Staub
gemischten Sand, der bis in die Nähe der Erdoberfläche feucht war; 0,85 m tief 5,01°;
in 1,87 m Tiefe stand das Wasser mit 9,27°; verriet also die Nähe des Flusses.
Die letzte Tagesreise durch diese Wüste führte insofern eine unerwartete Veränderung
der Geländeverhältnisse herbei, als der Sand immer höher wurde; wir hatten neun „davane"
zu kreuzen; sie lagen parallel miteinander und folgten einander mit einer unglaublichen
Regelmäfsigkeit; sie waren ganz steril, nur in den dazwischenliegenden Depressionen wuchsen
sporadisch Tamarisken und Kamisch. Die steilen Seiten der Dünen lagen immer gen
Westen oder Süden mit einem Fallwinkel von im Mittel 35°. Die zwei letzten „davane"
hatten eine Höhe von 30 resp. 40 m. Östlich vom letzten wurde die Vegetation mit einem
Mal reichlicher, Spuren von Hasen, Füchsen, Antilopen wurden ganz allgemein. Die Luft
war nach dem letzten Wind mit Staub gesättigt, und wir befanden uns nur 1 km vom Wald
des Kerija-darja, als derselbe erst sichtbar wurde. Die östliche Dünenreihe fiel langsam
gegen die nur 350 m breite Ufersteppe des Flusses, welche mit Kamisch dicht bewachsen
war. Die Steppe war streckenweise durch Pappelwald unterbrochen.
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