国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

> > > >
カラー New!IIIFカラー高解像度 白黒高解像度 PDF   日本語 English
0108 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
私の中央アジア旅行における豊富な地理学的知見、1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / 108 ページ(カラー画像)

New!引用情報

doi: 10.20676/00000262
引用形式選択: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR読み取り結果

engen Kanal mit ziemlich kräftigem Strom in Verbindung. Quer über diesen Kanal waren
dicht an der Mündung eine Reihe vertikal im Boden eingeschlagene Stangen angebracht, in
denen Netze ausgesetzt waren; dies soll eine vortreffliche Stelle zum Fischfang sein.

Dann rudern wir auf den groſsen, offenen Nias-köll aus, wo wir eine abenteuerliche
Kreuzung hatten. Die gemessenen Tiefen betrugen 1,90, 1,50, 3,00, 1,80, 2,10, 0,30, 0,40
und 1,55 m, aber oft war der See so seicht, daſs die Männer zu Fuſs gehen und das
Kanoe mit Seilen schleppen muſsten. Eine gewaltige sterile Sanddüne bildet eine gegen
Westen vorspringende Halbinsel, die natürlich älter sein muſs, als der jetzige See. Enten,
Gänse und andere Wasservögel sind überall häufig. Lange Strecken stehen die Tamarisken-
kegel unzählbar in Reihen an den Ufern. Als wir in Lee an den hohen Dünen des öst-
lichen Ufers vorbeırudern, sind wir einem wirklichen Regen von Sand aus den Dünen-
kämmen ausgesetzt, der vom kräftigen Wind weit in den See hinaus geführt wird. Wenn
man diese dichten Sandwolken sieht, kann man sich vorstellen, wie der Seeboden, wo sie
herunterfallen, sich schnell aufhöhen muſs, und wie das Wasser deshalb an einer anderen
Stelle seine erosive Kraft steigern muſs. In der Fortsetzung der Dünenflügel erstrecken
sich auch flache Sandbänke weit in den See hinaus, die wir in weiten Bogen umgehen
muſsten. Die Landschaft ist öde und einförmig, der Kamisch wächst selten an den Ufern,
mehr in der Mitte des Wasserweges; Tamariskenkegel sind sehr allgemein.

Endlich wurden die Seebecken kleiner und schmäler, und das Wasser bildet wieder
einen Ilek, den wir jedoch links verlassen, um einem nur 2 m breiten Kanal mit schneller
Strömung zu folgen, der durch dichten Kamisch führt; er ist zum Teil künstlich gegraben
und immer rein und offen gehalten, und auch hier werden Fischnetze ausgesetzt. Nur
ein paar Mal erweitert er sich zu kleinen Bassins, sonst ähnelt er mehr einem Korridor, der
in Kamisch eingeschlossen ist. Der Sand an den Ufern wird jetzt immer niedriger und mehr
bewachsen, endlich werden die Dünen ganz rudimentär. Ein Teil dieses Wasserweges ist
natürlich und ziemlich breit, mit zahlreichen Tamariskenkegel-Inseln angefüllt, aber der
letzte gegrabene Teil ist so eng, daſs er nur für ein Kanoe Raum bietet. Der er-
wähnte Hauptarm dieses Ilek führt ein wenig östlicher nach Schirge-tjappgan. Auch auf
unserem Kanal kann man dorthin gelangen, es ist dies aber ein Umweg, und wir machten
deshalb an drei Hütten Halt, um uns über Land die kurze Strecke nach der erwähnten
Niederlassung zu begeben.

Schirge-tjappgan besteht aus 5 Hütten, von 4 Familien bewohnt, und liegt in einem
frischen, schönen Pappelwald, wo man keine Spur von abgestorbenem alten Wald entdeckt.
Die hier wohnenden Lopliks waren nicht seſshaft, sie hatten sich überhaupt erst 2 Jahre
bei Schirge-tjappgan aufgehalten und waren dieses Jahr vor 5 Monaten angelangt, um
noch 3 Monate hier zu bleiben, worauf sie nach Tjarkhlik zurückkehren. Sie bringen also
zwei Drittel des Jahres hier zu und ein Drittel in Tjarkhlik — und zwar den Spätsommer
und Herbst. In der Tjarkhlik-Gegend säen sie Weizen, bleiben dort bis zur Ernte-
zeit, um auf der Rückreise nach den Seen einen Vorrat von Mehl mitzubringen. Die
Alten und die Kinder bleiben immer bei Schirge-tjappgan zurück; nur die arbeitskräftigen
Männer begeben sich nach Tjarkhlik. Sie waren im allgemeinen wohlhabender als die
Lopliks, die wir höher hinauf getroffen hatten. Sie hatten ein Dutzend Kühe, eine An-
zahl Hühner, einige Schafe, aber keine Hunde; sie sind halbe Nomaden, da ihre Wande-
rungen nur zwischen zwei Punkten vor sich gehen. Ackerbau und Viehzucht spielen bei
ihnen eine wichtigere Rolle als bei den nördlicheren Lopliks; der Fischfang liefert jedoch
die Hauptnahrung.

Die windige Jahreszeit trat gerade jetzt ein, es wehte fast immer aus Osten, selten
und schwach aus anderen Himmelsrichtungen. Im Sommer fällt bisweilen etwas Regen;
man sagt, daſs es niemals gleichzeitig in Tjarkhlik und Schirge-tjappgan regnet. Schnee
ist sehr selten.