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0113 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
私の中央アジア旅行における豊富な地理学的知見、1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / 113 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000262
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Tjeggelik-uj liegt dicht am Ufer und besteht aus einer langen Reihe von Kamisch-
häusern. Hier wohnen ständig acht Familien, und im Winter kommen noch 15 Acker-
bauer-Familien aus Tjarkblik hinzu. Der Weg nach Tjarkblik geht über Lop, eine Nieder-
lassung an der Mündung oder vielmehr im Delta des Tjertjen-darja mit 18 Familien.
Gegen Westen soll der hohe, sterile Sand anderthalb Tagereisen entfernt liegen. Es wurde
mir erzählt, dafs westlich von Tjeggelik-uj ein altes, trockenes Flußbett liegt, das Ettek-
tarim genannt wird. Ein 70jähriger Mann erzählte, dafs zu seines Urgroßvaters Zeit der
Hauptflufs von Schirge-tjappgan gegen Osten floß. Diese Betten sollen jetzt mehr oder
weniger versandet sein.

Nach Osten zu gibt es hier keinen hohen Sand; von Schirge-tjappgan südwärts tritt er
zurück. Der Weg nach Abdal (zwei kurze oder eine lange Tagereise) soll nur kleinere
Ausläufer des Sandes kreuzen, passiert aber nur unbewohnte Einöden. Wir finden also,
dafs heutzutage der hohe Treibsand noch nicht bis hierher gelangt ist. Der alte Lop-nor
war seinerzeit ein Hindernis, welches den Sand aufgehalten hat. Jetzt, da dieses Hindernis
beseitigt worden ist, kann der Sand sich ungehindert ausbreiten.

Die Bewohner von Tjeggelik-uj hatten Kühe, Schafe und Hühner, leben aber wie sämt-
liche Lopliks gröfstenteils von Fischen. Die Lebensweise des Lop-Volkes hat sich in den
20 Jahren, seit Prschewalskijs erstem Besuch, wesentlich geändert. Damals lebten sie fast
ausschließslich vom Fischfang, jetzt zum Teil auch von Ackerbau und Viehzucht. Diese
Veränderung steht mit dem Zusammenschrumpfen des Sees und mit dem Aufblühen
Tjarkbliks in Verbindung.

Ende Februar und in der ersten Hälfte des März kommt bei Tjeggelik-uj das erste
Hochwasser, welches vom schmelzenden Eis stammt; dann sinkt es wieder allmählich und
ist im April bis Juni am niedrigsten, besonders aber Ende Juni, wo das Minimum eintritt.
Im August und September kommt das Hochwasser des Sommers, welches Ende September
sein Maximum erreicht. Die Seen gefrieren Ende Oktober, der Flufs Mitte November.
Auf dem Flufs steht das Eis 100 Tage, auf den Seen 130 Tage. Der Unterschied dieser
beiden Werte wird stromabwärts immer kleiner; weiter oberhalb stand das Eis in den Seen
doppelt so viel Tage, wie auf dem Flufs. Es beruht dies natürlich auf der gegen unten
immer langsamer werdenden Strömung.

Die windige Zeit tritt besonders im April und Mai ein, aber auch vor und nach
dieser Zeit können heftige Winde wehen. Die Burane kommen fast immer aus O und
ONO, aus den anderen Himmelsrichtungen nur schwache Winde. Es ereignet sich nicht
selten, dafs ein Buran 15 Tage und 15 Nächte dauert; sonst sind drei- und fünftägige
Burane allgemein. Zwischen solche kleineren Burane fallen nur ein paar ruhige Tage.
Man kann sich vorstellen, dafs ein solcher Sturm eine ungemein große Transportkraft be-
sitzen mufs, und in der That verschwindet die Landschaft während desselben wie im Nebel.
Die Kamischhütten liefern natürlich einen sehr ungenügenden Schutz gegen den Sturm,
der Sand wirbelt hinein, Rufs und Staub fällt von dem Dache hinab, um alles zu bedecken.
Um 5 Uhr nachmittags des 17. drehte sich der Sturm nach Süden; die Strombewegung des
Flusses verschwand gänzlich unter den vom Winde aufgewühlten Wellen; ein kleiner
Ufersce am linken Ufer stieg bedeutend. Der Wind kehrte aber bald wieder nach Osten
zurück.

So weit zurück sich die Einwohner erinnern konnten, lag Tjeggelik-uj immer auf
demselben Platz; die gegenwärtigen Verhältnisse sind also 50 bis 60 Jahre alt, und der
Flufs hat wenigstens im großen und ganzen dieselbe Lage hier gehabt. Den Kamisch für
die Häuser finden sie ein wenig nördlicher bei den dortigen Seen, das Pappelholz zu Geräten,
Brennholz u. dgl. in den nächsten Waldpartien im Norden. Das beste Pappelholz für
Kanoes holen sie aber, wie mir der Häuptling Kuntjekkan Bek mitteilte, von den Ufern
des Kara-köll. Die Bewohner von Tjeggelik-uj fischen teils in der Gegend von Schirge-