National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0114 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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tjappgan; teils an den weiter südlich gelegenen Seen; auf dem Flusse selbst wird kein
Fischfang betrieben.
Der Begräbnisplatz des Dorfes liegt ein paar hundert Meter westlich, zwischen rudi-
mentären Sanddünen und Tamariskenkegeln. Die Kennzeichen der verschiedenen Gräber
bestehen teils aus einfachen hohen Stangen mit „tugha" aus Pferdeschwänzen, teils aus
einem Stacket von Stangen, teils auch aus einer Hecke von liegenden Tamariskenzweigen.
Übrigens breitet sich nach Westen, so weit das Auge reicht, eine öde Steppe aus, welche
überall mit kleinen Erdkegeln übersäet ist.
Am 17. und 18. April beobachteten wir ein recht seltenes Phänomen: es regnete
nämlich, zwar nur wenige Minuten jedesmal, aber doch ziemlich dicht, und am Morgen des
18. war der Boden überall feucht; um Mittag desselben Tages mußten wir sogar gegen
einen sehr heftigen Regenguß für eine Stunde in einem Dorfe unterwegs Schutz suchen.
Wie oben erwähnt, ist sonst der Sommer die eigentliche Regenzeit.
Am Morgen des 18. maß ich die Wassermenge des Flusses bei Tjeggelik-uj. Die
Breite des Flusses war hier 45,90 m, die größte Tiefe 4,85 m, die mittlere Stromgeschwin-
digkeit 0,52 m und die Wasser-
menge 71,6 cbm in der Sekunde,
d. h. ebenso viel wie im Kontje-
darja bei Korla, der doch nur
ein Nebenfluß des Tarim ist.
Die Maximaltiefe befand sich in
der Nähe des linken Ufers, das auch vom Wasser scharf markiert war. Die Strömung
war jetzt, bei der ruhigen Luft während des Regens, deutlich sichtbar, das Wasser so
trübe, dafs auch die Sandbänke, die sich bis in die Nähe der Wasseroberfläche erhoben,
nicht sichtbar waren.
Die Karawane wurde wieder überland direkt nach Abdal geschickt, ich aber setzte
die Reise mit zwei Lopliks in einem 6,3 m langen Kanoe zu Wasser fort. Zuerst ruderten
wir eine Stunde auf dem Fluß, der immer regelmäßig gebaut ist und ziemlich gerade nach
Süden fließt. Wenig unterhalb von Tjeggelik-uj geht ein kleiner Kanal, der mehrere
kamischreiche Sümpfe bildet, nach der Niederlassung Lop ab. Sollak-arik ist ein kleiner,
künstlich gegrabener „arik", durch welchen Weideplätze des Beks von
Tjeggelik-uj gelangt. Der Höhenunterschied zwischen dem Boden und der Wasseroberfläche
des Flusses ist also hier so unbeträchtlich, dafs eine solche Bewässerung mit besonderen
Schwierigkeiten nicht verbunden ist. Ungefähr zehn 15jährige Pappeln standen am Ufer, die
letzten Vorläufer des Waldes, der offenbar ein Bedürfnis hat, sich allmählich nach Süden
auszubreiten; und der es wohl auch mit der Zeit thun wird. Sonst kommt Kamisch vor,
doch niemals so dicht, dafs nicht die Ufer sichtbar sind. Im allgemeinen ist hier das linke
Ufer 2 m hoch, das rechte nur ¹⁄₃ m. Nur niedriger Sand liegt zwischen den Tamarisken-
kegeln.
Dann verlassen wir auf rechter Hand den Eski-tarim oder alten Fluß, der vor sieben
Jahren vom Tarim aufgegeben wurde, als derselbe den Jangi-tarim bildete; auf diesem rudern
wir noch eine kleine Strecke; das Bett ist undeutlich, breit und seicht, an den Ufern
breiten sich ausgedehnte Sümpfe aus, Land und Wasser scheinen in einem und demselben
Niveau zu liegen. Bald verließen wir auch ihn und kamen nach einigen kleinen, seichten
Seen, die an der rechten Seite des Hauptflusses gelegen sind; auch diese Seen sollen sieben
Jahre vor meinem Besuch durch den Eski-tarim gebildet sein. Sie sind auf großen
Strecken ungemein seicht, 10 bis 15 cm tief, so dafs das Kanoe wieder wie ein Schlitten
über den Sand- und Schlammboden geschleppt werden mußte; sonst versuchten wir soviel
wie möglich uns auf den „tiefen" Teilen zu halten, d. h. wo wenigstens 30—40 cm Wasser
hatten. Zuerst war der Kamisch sehr spärlich gewesen, nur war oft auf den Sandbänken
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