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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0134 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
| 私の中央アジア旅行における豊富な地理学的知見、1894-1897 : vol.1 |
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OCR読み取り結果
Über Wasch-schahri erfuhr Prchewalskij bei seinem ersten Besuch nur, dafs zwei
Tagereisen von Tjarkhlik auf dem Wege nach Tjertjen die Ruinen einer Stadt Gas-schahri
zu finden wären. Auch ich hörte in Tjarkhlik die Benennung „Gas" für die Gegend
Wasch-schahri, wo man aber nur den letztgenannten Namen benutzt. Die Namen Gas,
Kas, Khas, Koschun, Ghaschun &c. spuken oft auf alten und neuen Karten in dem Gebiet
südlich vom Lop-nor, ohne dafs wir genügende Anhaltepunkte für ihren gemeinsamen
Zusammenhang, oder inwieweit sie etwas miteinander zu thun haben, besitzen.
Über den See Kara-buran macht Prchewalskij folgende wichtige Mitteilung (S. 20—21):
„Der eigentliche See Kara-buran ist 30 bis 35 Werst lang und 10 oder 12 Werst breit.
Übrigens hängt die Gröfse des Sees stark von dem Wasserstande im Tarim ab: bei hohem
Niveau überschwemmt der Kara-buran weit seine flachen Ufer; bei niedrigem bilden sich
hier Salzmoore. Die Tiefe des Sees beträgt 3 bis 4 Fufs, oft noch weniger; hin und
wieder gibt es tiefe Stellen von 1 Faden und noch mehr. Die freie, nicht mit Schilfrohr
erfüllte Wasserfläche ist weit gröfser als beim Lop-Nor, besonders wenn man die viel ge-
ringere Ausdehnung des in Rede stehenden Sees berücksichtigt. Der Tarim verliert sich
in demselben nur auf eine kurze Strecke, im übrigen ist sein Bett deutlich zu erkennen.
Unmittelbar beim Einfall des Tarim in den Kara-buran mündet von Westen her ein anderes
Flüfschen in denselben: der Tschertschen-darja."
Aus einer Vergleichung zwischen Prchewalskijs und meiner Karte geht sogleich her-
vor, in welch grofsen Mafse dieses Seebecken in den 20 Jahren sich verkleinert hat.
Damals erstreckte sich der See bis in die Nähe von Abdal, jetzt war aber nur ein win-
ziger Rest desselben zurückgeblieben, und wir kreuzten auf dem Wege von Gyn-köjuk nach
Tjarkhlik den Alluvialgrund des Sees von Prchewalskij. Sonst ist seine Beschreibung sehr
zutreffend, und wir finden, dafs schon damals der Flufs ein deutliches Bett quer durch den
See gegraben hatte. Der Teil des Sees, welcher auf Prchewalskijs Karte nördlich vom Tarim
liegt, war bei meinem Besuch so gut wie ganz verschwunden, und die ausgedehnten Salz-
sümpfe, die er bis zur Hälfte des Weges nach Tjarkhlik sich ausbreiten läfst, waren jetzt
trocken. Der Kara-buran scheint sich in den 20 Jahren verhältnismäfsig mehr verkleinert
zu haben als der Kara-koschun. Er ist als ein Ufersce, nicht als eine Erweiterung des
Flusses zu betrachten. Auf Roborowskijs vorzüglicher Karte (1890) hat der See im ganzen
eine W—O-Länge von 27 Werst, eine N—S-Breite von 22 Werst, wobei jedoch zu bemerken
ist, dafs ungefähr die Hälfte von Schlamminseln des Tjertjen-Deltas erfüllt ist. Die gröfste
offene Wasserfläche des Sees, die mit den oben erwähnten Zahlen Prchewalskijs zu ver-
gleichen ist, war von W nach O nur 7 Werst, von N nach S 14 Werst.
Dann sagt er: „Beim Ausflusse aus dem Kara-buran ist der Tarim ein ganz ordent-
licher Strom, aber bald schrumpfen seine Massen wieder zusammen. Die Ursache hiervon
sind zum Teil die vielen Kanäle, durch welche die Eingeborenen das Wasser des Flusses
(des Fischfanges wegen) seitwärts ableiten. Anderseits erdrückt ihn die nahe Wüste, welche
immer mehr und mehr den bewässerten Raum beengt, mit ihrem glühenden Atem jeden
übrigen Tropfen Feuchtigkeit verschlingt und schliefslich den Tarim in seinem weiteren
Laufe nach Osten hemmt. Der Kampf ist beendet: die Wüste hat den Flufs besiegt, der
Tod das Leben überwunden. Aber noch vor seinem Ende bildet der bereits machtlose
Tarim durch die Erweiterung seiner letzten Wasser den ausgedehnten schilfireichen Morast,
der seit alter Zeit unter dem Namen des Sees Lob-Nor bekannt ist."
Obgleich Prchewalskij der erste europäische Besucher am Lop-nor war, hat sein scharf
beobachtendes Auge richtig aufgefaßt, welche hervorragende Rolle die Wüste gegenüber
dem See spielt, und wie dieselbe den bewässerten Raum mehr und mehr beengt, ganz so,
wie ich es für die nördlichen Seen gefunden habe. Schon vor 20 Jahren hat der See auf
den ersten Europäer nicht den Eindruck eines Sees, sondern vielmehr „eines ausgedehnten
schilfireichen Morastes" gemacht, was heutzutage noch mehr der Fall ist.
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