National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0187 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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erheben sich hohe, bewachsene Dünen. Hier und da kommt „köttek" vor, also mufs der
Wald durch den Sand vernichtet worden sein. Aus dem zuletzt Gesagten ersehen wir also
teils, dafs dichter Wald zusammen mit hohem Sand nicht vorkommt, oder höchstens, dafs
beide sich an ihren Grenzen berühren, d. h. mit andern Worten, dafs der Wald den Sand-
dünen keine freie Entwickelung gestattet, — teils dafs doch hin und wieder „köttek"
oder abgestorbener Wald unter hohen Sanddünen vorkommt, d. h. dafs hier der Sand die
Herrschaft erobert hat. Da wir schon bewiesen haben, dafs die Wüste älter sein mufs als
der Flufs mit seinem Vegetationsgürtel, kann es beim ersten Anblick Wunder nehmen, dafs
doch der Wald Gelegenheit gehabt hat, sich hier mitten in der Wüste zu entwickeln
und zu gedeihen. Aber auch dies ist leicht erklärlich. Bei so beweglichen und ver-
änderlichen Elementen wie fliesendes Wasser und Treibsand dürfen wir keine konstanten,
unveränderlichen Erscheinungen erwarten. Wie bei den anderen Flüssen von Ostturkestan, ist
es sehr wahrscheinlich, dafs auch der Tjertjen-darja in seinem jetzigen Laufe Veränderungen
und Verschiebungen, besonders eben durch die andringende Wüste hervorgerufen, unter-
worfen sein mufs. Dafs dies in der That beim Kerija-darja nie der Fall ist, fanden wir
z. B. durch die Existenz des Ak-ilek, eines Seitenarmes des Flusses. Ein ungewöhnlich mäch-
tiges Hochwasser kann gewifs auch genügen, um jedenfalls gewisse Gebiete an den Ufern
zu verändern und grofse Sanddünen wegzuspülen; auf dem Alluvialboden solcher Über-
schwemmungen breitet sich dann der Wald aus, und es braucht der Sand eine geraume
Zeit dazu, um wieder auf solchem Boden festen Fufs zu fassen; es gelingt jedoch endlich,
und der Wald, der inzwischen kräftig geworden ist, wird vernichtet. In dieser Weise kann
die Gegenwart von „köttek" mitten im hohen Sande am Ufer erklärt werden.
In der Gegend von Tjiganlik-tokaj war der Wald schön und der Kamisch dicht. In
Kitjik-tal-tokaj hatten sich in einiger Entfernung vom Ufer zwei seichte Tümpel gebildet,
und rings herum stand kräftiger Kamisch. In Jiggdelik-tokaj ist der „jiggde" (Eisagnus)
allgemein. Jenseits dieses Waldes kommen wir wieder in hohen sterilen Sand hinauf und
haben eine endlose Aussicht über die Wüste im Norden. Man bekommt den Eindruck,
als ob man sich auf einer bedeutenden Höhe befände, denn das ganze Sandmeer liegt offen
vor unseren Blicken. Es ist dasselbe Phänomen, welches wir auch am linken Ufer des
Kerija-darja wahrgenommen hatten, dafs die dem Flusse am nächsten gelegenen Sand-
erhöhungen am höchsten sind. Dasselbe hatten wir auch am Ostufer des Ilek und der
nördlichen Lop-Seen gefunden: wo das Wasser ein Hindernis in den Weg stellt, türmt
sich der Sand am höchsten auf und die regelmäfsig vorrückende Entwickelung der Dünen
wird gehemmt. Hier finden wir auch am Flusse einen Gürtel von Tamariskenkegeln, die
dem Flusse am nächsten stehenden noch lebend; die ferneren im Verhältnis zum Abstand
vom Flusse mehr oder weniger vertrocknet. Also ist es auch hier deutlich, dafs die Sand-
dünen, die an einem Ufer stationär geworden sind und nur in die Höhe wachsen, von den
Tamarisken als Ansiedelungspunkte erwählt werden; durch die Wurzel der Pflanze wird
dann die Düne in einen Kegel verwandelt. Wenn sich nun der Flufs etwa entfernt,
bleibt doch der Kegel stationär, aber seine Flügel setzen ihre Wanderung fort. Im Norden
konnte man hier mehrere solche verlassene und verstorbene Dünen sehen. Auf einer
Strecke, wo die Pappeln sehr selten waren, wuchsen die Tamarisken auf dem ebenen Boden
ohne Kegel.
Der gerade in dieser Gegend vorspringende Ausläufer des Sandes wurde Ajagi-jaman-kum
oder „unterer Teil des schlimmen Sandes" genannt; weiter oben folgen Aralik-jaman-kum
und Baschi-jaman-kum, „mittlerer und oberer Teil des schlimmen Sandes".
Jetzt wird aber der Boden ebener, den hohen Sand haben wir rechts, und links am
Flusse üppige Kamischfelder. Hier liegt am Ufer die Station Jaman-kum-aralik-lenger mit
5 armseligen Hütten, wo die Moskiten in wirklichen Wolken die Luft erfüllten. Die Atmo-
sphäre war jetzt wieder in vollkommenem Gleichgewicht; im Laufe des Tages konnten nur
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