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0190 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 190 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000262
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aus, nur an den konvexen Krümmungen berührt man ihn. Bei Tugumen stehen am rechten
Ufer bewachsene Dünen. Oberhalb des Sees Abdullakil passieren wir die letzten Ausläufer
von einigen „ariken", die aus dem Dorfe Jangal-arik stammen sollen. Der Kumusch-agak-köll
ist wieder ein Sumpf. Bei Tamtjuk folgt der Weg dem Flufs, so dafs wir hier die Terrasse
unmittelbar rechts haben, und in der That ähnelt sie einer Mauer („tam"). Eine Sumpf-
gegend nördlich der Stadt wird Amban-tyschken genannt, und bald darauf erreichen wir die
Ausläufer einiger „ariken", die sich hier wieder mit dem Flufs vereinigen.

Tjertjen und Kapa.

Tjertjen ist ein alter Ort und wird schon von Marco Polo erwähnt; zu Prschewalkijs
Zeit war er ganz unbedeutend, ist aber in dem letzten Jahrzehnt wieder gewachsen und
unter chinesischem Schutze in einem Zustand des Aufblühens begriffen. Die Chinesen
bemühen sich, die Ortschaften des südlichen Weges wieder zu kolonisieren und zur Ein-
wanderung zu ermuntern. Die meisten Bewohner sind aus Kerija eingewandert. Die Stadt
zerfällt in zwei Teile, die durch den Flufs voneinander geschieden werden. Am rechten
Ufer wohnen 25 „ujlik" oder Familien; am linken Ufer etwa 100 „ujlik" von „jer-var-
adam", d. h. solche Familien, die ackerbaufähigen Boden besitzen. Der Boden wird nicht
nach Areal, sondern nach dem Ertrage von Getreide gerechnet, und dieser ist groſsen Wechseln
unterworfen. Das „ujlik" wechselt auch sehr; z. B. Mann und Frau mit einem bis fünf
Kindern, aber auch nur ein einzelner Mann wird als ein „ujlik" gerechnet, wenn er nur
festes Eigentum besitzt, wie unbedeutend dieses auch sein mag. Außer diesen fest ansässigen
Bewohnern gibt es auch ungefähr 100 „ujlik", meistens nur aus einem Mann bestehend,
die nicht ansässig sind, sondern nur für eine Zeit sich hier aufhalten, um verschiedene
Gewerbe und Handwerke zu treiben; es sind Schuhmacher, Bäcker, Barbiere und dergleichen,
die von Khotan und Kerija kommen, um, nachdem sie etwas verdient haben, zurück-
zukehren.
In Tjertjen gibt es ferner sechs andischanische Kaufleute, von denen vier aus Margelan,
einer aus Khodjent und einer aus Kokan ist. Sie haben auch Konkurrenten aus Kaschgar,
Khotan, Kerija und Korla; sie verkaufen russische Stoffe (baumwollene), Mützen, Stiefel,
Tjapanen, Khalaten, etwas Zucker &c. Diese Kaufleute sind ebensowenig ansässig wie die
Handwerker; sie halten sich hier auf, bis sie ihre mitgeführten Waren verkauft haben.
Als Bezahlung für diese erhalten sie nicht bares Geld, sondern Naturprodukte, wie
Weizen, Schafe, Rindvieh, Schafwolle, Häute vom Jak und Khulan und — vor allen
Dingen — Goldkörner und Goldstaub aus Kopa, Bokalik und Arka-tag. In einem so ent-
fernt und isoliert gelegenen Ort wie Tjertjen, wo kein Umsatz und kein Verkehr
herrscht, ist natürlich bares Geld eine groſse Seltenheit. Die einzige hier gangbare
Münze ist der chinesische kupferne „da-tien", „daltjin" oder „kisil-pul" genannt; weder
die kleinen „tenges" von Lop und Korla, wovon 20 auf einen „sähr" oder „liang" gehen,
noch die kaschgarischen und khotanischen „tenges" (resp. 16 und 8 auf einen „sähr") werden
von der Ortabevölkerung angenommen; wenn aber zufälligerweise diese silbernen Münzen durch
einen Reisenden sich hierher verirren, werden sie sogleich von den Kaufleuten aufgekauft,
für welche es natürlich ein groſser Vorteil ist, ihren Gewinn in so transportabler Form
wie möglich zu erhalten.
Unter den Bewohnern finden wir endlich ein bedeutendes Kontingent von sich zeit-
weilig in Kopa, Arka-tag und anderen Goldfeldern im Süden aufhaltenden Goldsuchern. Auf
den Goldfeldern verweilen sie während der warmen Jahreszeit, um im Winter sich nach