National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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der kleine Rest friert; auch im Winter strömt jedoch etwas Quellenwasser unter dem Eise.
Der Bostan-tograk soll drei Quellarme haben: der Ak-su ist der gröfste, welcher links
den Kovogo und rechts den Kotell aufnimmt. Nur im Sommer wohnen beim Kotell zwei
Hirtenfamilien, die sich im Winter nach den niedrigeren Gegenden begeben.
An der linken Seite klettern wir wieder auf die Konglomeratterrasse hinauf, wo wieder
ziemlich ebener Boden sich ausbreitet. Der Weg folgt hier eine Stunde lang eben dem
Rande des Abgrundes, wo der Flufs sein Bett wie ein Cañon eingeschnitten hat. Die Aus-
sicht über den Bostan-tograk ist von hier aus grofsartig, aber in nur ein paar hundert
Meter Entfernung vom Rande merkt man überhaupt nicht diesen mächtigen Einschnitt im
Boden. Von hier aus geht ein Pfad nach dem Kotell. Über das kleine Bett des Sändjär
erreichen wir die Gegend Kara-saj. Dieselbe war jetzt von 10 Familien bewohnt, von denen
jede an die Chinesen eine jährliche Steuer von 50 bis 100 „tenge", und zwar in barem
Geld, bezahlt. Sie hatten gegen 2000 Schafe, von denen eine gewisse Anzahl jedes Jahr
in Kerija verkauft wird. Hier kostet ein Schaf 5 bis 8 „tenge". Die Gerstenfelder sind
ziemlich ausgedehnt, und die Bewässerungskanäle werden vom Kara-saj-Bache hierher
geleitet. In dieser Gegend wohnen sie im Winter und Sommer und machen nur kurze
Wanderungen. Im Sommer halten sie sich nur auf den Feldern auf, sonst suchen sie die
höheren Weideplätze auf. Anfang März wurde die Gerste gesäet, und Ende August soll
sie reif sein. Reichlicher Niederschlag ist willkommen; wenn es nicht regnet, geht die
Ernte verloren; dieses Jahr war in dieser Beziehung sehr vorteilhaft. Im März war während
5 Tagen so viel Schnee gefallen, dafs eine grofse Anzahl Schafe verloren gegangen war.
Der südlich von Kara-saj gelegene Pafs Sarik-tus und die Gebirgsseen Dasch-köll und Hangeit-
köll wurden von der Pjewzowschen Expedition und von Dutreuil de Rhins besucht.
Auch hier wohnen die „tagliks" in Löfshöhlen, „subuk" (auch „suvug"
ausgesprochen) genannt. Ihre Lebensweise erinnert sehr an die der Kirgisen der Pamir;
der gröfste Unterschied ist, dafs diese sich in den Gebirgsthälern oder auf dem Plateau-
lande aufhalten, die „tagliks" aber in den Mündungen der Thäler, die sich zum Tarim-
Becken öffnen. Wir finden dieselben Geräte, dieselbe Schafzucht und die mit ihr in Ver-
bindung stehenden Beschäftigungen: das Umhertreiben mit den Schafen und Ziegen auf den
besten „jejlaus" im Laufe des Tages, und nachts das Hereintreiben der Herden in die
Hürden, welche von der Natur selbst, durch die Erosionsarbeit des Wassers in den weichen
Löfsterrassen gröfstenteils gebildet werden. Die Milch wird in derselben Weise zubereitet;
„kattik", saure Milch, ist die wichtigste Speise; „kajmak" ist Sahne, „meske" ist Butter &c.
Oft sieht man Gerichte, die ihre Tadschik-Herstammung verraten, und in der That kommen
auch Tadschik-Wörter (d. h. persische) in der hiesigen geographischen Nomenklatur vor,
z. B. „bostan" Garten und „kötell" (kotel) Pafs. Manche Wörter, wie Kara-muren, Kok-
muren und Kalmak-agil, stammen dagegen von früher hier ansässigen Mongolen.
Nur im Juni und Juli soll der Niederschlag in Form von Regen fallen, sonst als
Schnee. Die Gegend ist ziemlich windig; nördliche Burane kommen vor, jedoch ohne Staub
und Sand; sonst kommt der Wind vom S und W, nur selten aus O, was wohl haupt-
sächlich auf Täuschung wegen der Gestaltung der Thalmündung beruht.
Westlich von Kara-saj behält die Landschaft dasselbe charakteristische Aussehen wie
bisher; es ist derselbe lockere gelbe Löfs mit Steppenvegetation und nur in der Nähe der
„tjapps" kupiert, sonst ziemlich eben. Viele von diesen „tjapps" sind schon längst vom
Wasser verlassen und werden nicht einmal vom Regenwasser aufgesucht; man sieht dies
sogleich, weil ihr Boden bewachsen oder mit Sand und Staub bedeckt ist. Die „tjapps"
dagegen, in welchen temporäres Wasser strömt, haben immer steinige Betten. Die gröfsten
waren: Tjuguitmek-tjapp, Kokasch-Jung, Hadji-tjapp, Ak-mudur, Kutas-ölldi-tjapp, ein Name,
der uns vermuten läfst, dafs hier einst Jaks gehalten wurden und dafs das Klima oder die
Weide ihnen nicht passend war („ölldi" = gestorben); dann Jar-tjapp.
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