National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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schlag im Laufe des Sommers ziemlich ungleich verteilt. Die Schneemenge beläuft sich
höchstens auf 30 cm.
Auf dem Tagemarsch nach Nura (5. Juli) regnete es inzwischen fast ununterbrochen
den ganzen Tag. Nachdem man die Felder von Tjakkar passiert hat, führt der Pfad an der
rechten Konglomeratterrasse hinauf, wo der Abhang weniger steil ist, der Boden jedoch
bald hügeliger als bis jetzt. Rechter Hand wird die Landschaft durch dicke, dunkle Regen-
wolken versteckt. Wir haben eine Reihe von kleinen Pässen zu übersteigen, auf denen
der Boden ziemlich steinbedeckt ist, und reiten über kleine Furchen und Betten, von tempo-
rären Regenbächen ausgehöhlt. Tyschk-art ist ein solcher Pafs, höher als die übrigen.
Von dort steigen wir von den Konglomerathügeln herab und treten in offenes, recht gut
bewachsenes Steppentetrrain heraus. Der Boden besteht hier aus weichem, rotbraunem Löfs
ohne Schutt. Das Terrain ist auch hier sehr hügelig. Jetti-art ist eine Reihe kleiner
Pässe; von dem höchsten derselben sehen wir weit unter uns die Steppen von Julljun.
Julljun ist ein kleines Dorf mit 4 Häusern, von Gärten umgeben und recht weit vom
linken Ufer des Ullug-saj entfernt, von wo ein „arik" das Irrigationswasser herbeschafft.
Seine Pappeln sind in großer Entfernung sichtbar. Der Name Ullug-saj gehört eigentlich
dem oberen Theil des Thales, und dort liegt, eine Tagereise entfernt, das
Dorf Ullug-saj. Im steinigen Bett des Flusses strömten jetzt 7,3 cbm trübes Wasser in der
Sekunde. Am rechten Ufer steht eine 3 m hohe Konglomeratterrasse. Das Bett ist sehr
breit und steinig, und man sieht sogleich, dafs nach heftigem Regen die Wassermenge
sehr mächtig sein mufs. Der rotbraune Löfs ist also hier weggespült, und der Bach fliefst
auf der Oberfläche des unterliegenden Konglomerates. Auf der anderen Seite folgt fast
ebene Steppe, wo nur metertiefe Furchen zeitweilige Regenbäche andeuten. Der Weg ist
sehr gut. Linker Hand verlassen wir das Dorf Jallgus-bag und steigen nach SW zum
großen Dorf Nura ab; wir hatten nur noch 1 km zurückzulegen, als der Regen mit tropischer
Gewalt losbrach und den Boden peitschte. Die Häuser sind, wie gewöhnlich in dieser
Gegend, von Holz gebaut; vorzüglich, wenn es nicht regnet, aber bei Niederschlag tropft
es überall aus dem flache Dach. Wenig oberhalb des Dorfes steht in unserer Nähe eine
Gebirgspartie, Kok-ujek genannt, und ringsumher breiten sich grüne, prächtige Felder, von
„ariken" durchschnitten, aus.
Nura soll 50 „ujlik" zählen und hat 2 „jus-baschbis". Der Ackerbau verhält sich wie
in den beiden letzten Dörfern. Die Walnufs ist hier ziemlich allgemein, und der Maulbeer-
baum ist auf chinesischen Befehl eingeführt worden. Im Frühling werden die Felder mit
Wasser des schmelzenden Eises und mit Quellwasser bewässert. Der Boden soll im Winter
vier Monate gefroren sein, und zwar bis zu einer Tiefe von etwa 1½ m. Wenn die erste
Frühlingssaat gesäet wird, ist der Boden nur bis zu etwa 10 oder 15 cm aufgetaut. Im
Bett aufwärts kann man nur eine Tagereise, etwa 12 „potaj" vorwärts kommen, dann
wird jedes Vordringen durch „ak-kar-tjakkil", wilde Gebirge mit ewigem Schnee und Eis,
verhindert. Auch hier ist also der Kwen-lun unübersteiglieh.
In der Gegend von Nura bemerken wir, von W nach O, folgende Bäche: Nura, Utsch-
kulung, Lalung, Dalung, Kisil-su und Khan-jurt, von denen der Dalung am größten ist.
Sie vereinigen sich allmählich zu einem Bach, der nach Damaku fliefst. Durch „saj"
und Wüste führt an ihm entlang ein Weg nach diesem Dorfe, der zwei kleine Tagereisen
in Anspruch nimmt. Am Nura-Bache liegen zwei Dörfer: Nura und Atschma, welch letzteres
aus einem halben Dutzend Höfen besteht und ganz nahe auf der anderen Seite des Baches
liegt. Nicht weit vom Utsch-kulung liegt Saj-bag; andere Dörfer gibt es in dieser Gegend
nicht, wohl aber „bajen", 13 oder 14, mit je 400 bis 1000 Schafen; auch Jaks werden
gehalten, obgleich nur in geringer Zahl. Die nächsten Weideplätze liegen nur ein paar
„potaj" nach S entfernt. Hier wohnen die Hirten teils in Zelten, teils auch in Erdhöhlen.
Von Nura führt ein direkter Weg über den „saj" nach Kerija; da aber auf dieser Strecke
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