National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Frühlings wird über die Weizenäcker verbreitet, dann erst über die anderen. Ist die
Wasserzufuhr reichlich, so werden alle Felder gleichzeitig bewässert. Die Saat ist sehr
vom Regen abhängig; wenn dieser ausbleibt, geht die Ernte nicht selten ganz und gar
verloren. Von Früchten werden nur Walnüsse, Pfirsiche und Äpfel gebaut; Aprikosen
und Maulbeeren in sehr geringer Menge. Der Boden ist während 5 Monate ungefähr 1 m
tief gefroren. Man hat diese Beobachtung nicht bei dem Ackerbau, sondern bei der Be-
stattung von Leichen im Winter gemacht. Bisweilen schneit es hier so, dafs der Schnee bis zu
den Knieen reicht. Regen fällt im Frühling, Sommer und Herbst, doch meistens im Juli.
Jetzt hatte es hier drei Tage geregnet. Das warme Halbjahr ist windig, am Tage gibt es
auch nördlichen, in der Nacht südlichen Wind.
Das Dorf zerfällt in nur zwei „kents", der obere heißt Djaj-tus, der untere Atschma.
Der Masar wird von einem besonderen Schejk bewacht. Wie in Nura gibt es auch hier
keinen Bazar, aber alle 10 Tage kommen aus Khotan oder Kerija Kaufleute. Der Masar
wird auch Tjahr Imam (persisch: 4 Imamen) genannt. Vom Dorfe konnte man im Süden
vier hervorragende, dominierende Gebirgspartieen beobachten; östlich des tiefen Pulur-Ein-
schnittes erhob sich der Lusch-tag über seine Nachbarn.
Am 8. Juli herrschte wieder schönes Wetter, die Berge zeigten wieder ihre Umrisse,
nur in den höchsten Regionen schwebten Wolken; der Niederschlag erreichte uns jedenfalls
nicht, da wir uns jetzt wieder niedrigeren Gegenden näherten. Zuerst gehen wir eine
kleine Strecke nach Norden; wobei wir den Masar mit seinem Garten rechter Hand
lassen, schlagen aber dann eine nordöstliche Richtung ein, welche wir fast den ganzen Tag
beibehalten. Einige Erosionsbetten zwischen Hügeln werden Jetti-tjapp genannt, „die
sieben Furchen", ein allgemeiner Name, da eben „jetti" die Mehrzahl, d. h. „eine Menge"
bezeichnet. Der Ara-tjapp führte ein wenig Wasser. Westlich von einem Hügel wird die
Gegend Mejdan-tus genannt; es ist eine Sandsteppe, die allmählich gegen Norden abfällt.
Hier liegt das Dorf Kojnak.
Am östlichen Fulse des Hügels fließt der Bach Kara-su in einem breiten, steinigen
Bette mit jetzt nur 2,4 cbm Wasser; das ganze Bett war noch feucht nach dem letzten
Regen. Das Dorf Kara-su haben wir linker Hand, nicht weit vom Wege; es soll von
8 Familien bewohnt sein, liegt in herrlich grünen Gärten und besitzt einen Masar,
Imam Maleki Ijesch. Eine ganze Tagereise ist der Boden weich, entweder Sand oder
Löß, und überall wachsen Gras und Steppenpflanzen. Der Weg führt über eine Reihe von
wenig steilen Hügeln, auf denen der Boden noch feucht war und frische Regenfurchen sich
gebildet hatten. Eine der größten wurde Oj-tjapp genannt; dann heißt die Gegend Jirik-
tasch und später Dawun-teppe (Pafs-Hügel), eine unbedeutende Bodenschwelle; wenig unter-
halb derselben vereinigt sich mit unserem Wege von Pulur, und dieser Punkt
wird Joll-arisch (Bifurkation des Weges) genannt.
Bei Tikken-tasch erreichen wir den Kerija-darja. Dieser zeigt hier gerade dieselben
Eigenschaften wie Mölldja, Bostan-tograk &c. Es ist eine sehr schmale, tief eingeschnittene
Riesenrinne mit senkrechten Wänden und steinerfülltem Boden, in welcher der tiefe, mächtige
Flufs seine trüben graubraunen Wassermassen dahinwälzt, den ganzen Boden der Rinne er-
füllend. Er hat sich hier 60—80 m tief durch die Konglomeratlager eingesägt; diese Ab-
lagerungen bestehen meistens aus großen und mittelgroßen, runden Granitstücken, die von
Sand und Erde zu einer festen Masse zusammengehalten werden. Zwischen Pulur und Lajka
ist das Bett noch wenig tief in den Boden eingeschnitten, erst unterhalb von Lajka schneidet
es sich durch diese mächtigen Konglomerate. Auf der ganzen Strecke ist es natürlich
unübersteigbar. Ein gedachtes Querprofil des cañonähnlichen Bettes würde etwa wie das
umstehende Bild aussehen. Auf beiden Seiten breiten sich ziemlich eben abfallende Sand-
steppen mit spärlicher Vegetation aus. Am westlichen Ufer wird dieselbe Kiomak-kum
genannt. Wir folgen dann dem linken Ufer und haben rechter Hand den Flufs tief unter
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