National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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ein; so hatten wir am 10. Februar in Kaschgar einen sehr frischen Ostwind gehabt.
Von Mitte Februar bis Mitte März soll jedes Jahr die Atmosphäre mit Staub gesättigt sein,
wie es auch jetzt der Fall war; alles verschwindet im Nebel, die Aussicht wird gehindert,
die Beleuchtung ist eigentümlich diffus und traurig, und von der Sonne sieht man keine Spur.
Der nächste „örtäng" (Station) ist Jangi-abad, ein großes Dorf mit Karawanserei und
Medresse; die Häuser liegen weit und breit zerstreut; in der Umgebung weiden große Vieh-
herden. Bei Kara-juigun passiert man auf einer Pfahlbrücke den Kaschgar-darja, der hier sehr
schmal ist; in der Nähe liegt das Dorf Lun-kul. Konak-engesi ist das erste Dorf am linken
Ufer. Beim Dorfe Jas-bulak ist das Flußbett sehr wenig ausgeprägt, und wie schon der
Name (Sommerquelle) andeutet, überschwemmt hier der Fluß im Sommer große Gebiete
des umliegenden Landes, so daß man zu dieser Jahreszeit einen weiten Umweg einschlagen
muß. Auch jetzt, im Winter, breiteten sich hier ausgedehnte, gefrorene Wasseransamm-
lungen aus; das Wasser war ein wenig salzig; hier gedeiht eine üppige Vegetation von
Kamisch, und die ersten Pappeln treten auf. Hier und da sieht man Rinnen und trockene,
verlassene Flußarme. Über Tjikkendelik erreichen wir Ordeklik mit „örtäng" (auch „män-
sil" oder „robat" = Gasthaus).
Der nächste Tagemarsch führte durch Pappelwald, der jedoch noch hin und wieder
unterbrochen ist, über die Station Tungan-masar nach dem kleinen Dorf Kara-kurtjin (auch
kultjin, kiltjin und kirtjin ausgesprochen). Die Station Tjyrge, die etwa 7 km vom Kasch-
gar-darja entfernt liegt, besteht aus vier Höfen und bekommt Wasser durch einen Arm
des Flusses, der im Frühling sehr wasserreich sein soll. In der Nähe bildet dieser Arm
des Flusses einen kleinen, jetzt gefrorenen Sumpfsee. Die Regenzeit tritt in dieser Gegend
im Sommer ein, jedoch regnet es selten mehr als ein paar Stunden; es genügt jedoch, um
zeitweise den Boden weich und schlüpfrig zu machen. Der Frühling ist windig, und die
Staubstürme gehören dem Vorsommer an. Im Winter fällt wenig Schnee, die Kälte ist
dagegen sehr scharf. Bei Tolla-schor kreuzt der Weg wieder den Kaschgar-darja, dessen
Bett hier beinahe trocken war, mit Ausnahme von einigen Eisschollen; das Bett zieht hier
ganz unbedeutend aus und ist wenig tief im Boden eingeschnitten; die Brücke hatte nur
etwa 10 m Länge; der Lauf des Flusses ist mäandrisch. Über das Dorf Tjako erreichen
wir die kleine Stadt Maral-baschi oder Dolon mit chinesischer Festung, Garnison, Amban
und etwa 1000 Höfen, wenn die umliegenden Dörfer mit gerechnet werden. Die Einwohner
nennen sich Dolonen.
Wir hatten gefunden, daß der ganze Weg zwischen Kaschgar und Maral-baschi über
sehr weichen Staubboden führt, wo die Füße des Wanderers, die Räder der „arabas", tief
einsinken und wo jede Karawane Wolken von feinem, gelbem Staub in die Luft hinauf-
wirbelt. Im Frühling und Sommer ist die Luft nur sehr selten ganz klar, ein ganz
schwacher Wind genügt, um die feinen Staubpartikel in Bewegung zu setzen, und sie
steigen auch, dem Gesetze der Schwere trotzend, mit dem aufsteigenden warmen Luftstrom
aufwärts. Auch jetzt im Winter war die Luft trübe, und man erkennt leicht, daß je näher
der Erdoberfläche, die Luftschichten desto mehr mit diesem Staub gesättigt sind; oft
können nämlich die Stämme und unteren Teile der Bäume ganz und gar wie im Nebel
verschwinden, während ihre oberen Teile sichtbar bleiben. Solcher Staubboden kommt in
Ostturkestan immer mit der Vegetation in Verbindung vor. Wir finden ihn um Kaschgar,
Jarkent, Khotan, auf dem Wege zwischen Jarkent und Kargalik, wo die Dörfer mit ihren
Alleen in einer ununterbrochenen Reihe liegen, dann in den Wäldern an den Flußläufen,
wo er jedoch mit Sand gemischt ist, und endlich in jeder kleinen Oase. Sonst ist der
Boden entweder harte Sand- und Steinwüste oder auch mit Teibsanddünen bedeckt. Diese
Bodenart steht also mit der Vegetation in einem engen Zusammenhang; wo er vorkommt,
kann man immer durch Bewässerung den Boden anbaufähig machen. Solche Lößlager scheinen
am Kaschgar-darja wenigstens streckenweise ziemlich mächtige Schichten zu bilden; hin
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