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0236 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 236 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000262
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war. Die Messungen, die er ausführte, sind interessant. Die Breite berechnete er
zu 40 „saschen" (85 m) und die Stromgeschwindigkeit zu 6 Fufs (1,83 m) in der Sekunde.
Die mittlere Tiefe betrug etwa 2 „saschen" (4,27 m), aber an kräftig auserodierten Stellen
des Bettes, die sich immer durch Wasserwirbel kennzeichneten, 5 „saschen". Nach dieser
Berechnung hat der Flufs schon Ende Juni eine Wassermenge von 667 cbm in der Sekunde,
und besitzt also kolossale Dimensionen. Auf der Weiterreise stromaufwärts beobachtete
Pjewzow, wie die Wassermenge mit jedem Tage zunahm. Mit dem Wasser trieben unauf-
hörlich Zweige und ganze Bäume stromab, und zwar mit einer Schnelligkeit von 4 bis
5 Fufs in der Sekunde. Die größte Wassermenge erwartete man etwa Mitte Juli.

Weiter unten werden wir sehen, dafs der Masar-tag in der That im SO eine Strecke
lang sich fortsetzt und dafs der Jarkent-darja also hier durch eine breite Pforte zwischen
zwei Gebirgegruppen strömt. Der jetzt beschriebene Masar-tag befindet sich zwischen dem
Kaschgar-darja und Jarkent-darja, wo der Boden sonst vollkommen eben ist. Noch weiter
im SO erhebt sich der von Prschewalskij und Carey gesehene Masar-tag am linken Ufer
des Khotan-darja. Alle diese kleinen Berge erheben sich wie Felseninseln aus dem Wüsten-
meere, sie sind die letzten Ruinen einer alten Gebirgskette, die diesen Teil von Ost-
turkestan diagonal durchkreuzt hat. Dafs sie noch so lange erhalten geblieben sind, be-
ruht auf der Härte des Diabasporphyrits.

Von Maral-baschi nach Lajlik.

Der Weg von Maral-baschi nach dem Dorfe Schamal führt durch vollkommen unbe-
wohnte Steppe, hin und wieder schwach gewellt durch mit Gebüsch bewachsene Sandhügel.
Nur an ein paar Stellen stehen kleine Gruppen von Pappeln. Unmittelbar an der Stadt
kreuzen wir einige „ariken"; nach 3 „potaj" lassen wir rechter Hand, im Westen, drei
kleine, gefrorene Wasseransammlungen. Das jetzige Schamal oder Schamaldi war auch
früher bewohnt, aber als die Wasserzufuhr aufhörte, wurde es verlassen. Im Jahre 1887
kam aber das Wasser zurück, und 20 Familien aus Kaschgar und Maral-baschi siedelten
hinüber. Sie bauen Weizen und Mais. Der Winter soll hier sehr streng sein, die Schnee-
menge aber unbedeutend. Der in der Nacht gefallene Schnee verschwindet am folgenden
Tage. Im Sommer fällt etwas Regen. Das Dorf liegt 2½ „potaj" vom Jarkent-darja, der
hier in einem Bett strömt. Man unterscheidet auch hier zwei Hochwasserperioden; die
erste, kleinere, sollte jetzt bald eintreten infolge des Aufgehens des Eises; die zweite tritt
im Hochsommer ein, wobei der Flufs große Strecken an den Ufern überschwemmt. Nach
der ersten Periode ist der Wasserstand so niedrig, dafs man an mehreren Stellen mit Leich-
tigkeit zu Pferde den Flufs passieren kann. Das Dorf bekommt seinen Wasserbedarf aus
einem vom Jarkent-darja gegrabenen Kanal. Das Dorf soll sehr windig sein, deshalb
der Name (Schamal = Wind).

Der 3. März. Der Abschnitt des Weges nach Aksak-maral führt durch Dickichte von
Gebüsch und Kamisch, in denen Wildschweine allgemein sind; auch Tiger sollen zeitweise
vorkommen. Wald tritt wieder auf, und zwar Pappeln in kleinen Gruppen; hin und wieder
kreuzen wir kleine Ausläufer der westlichen Wüste, und oft breiten sich Sümpfe aus, deren
Eis eben jetzt aufzugehen anfängt. Der erste Sumpf lag 3 „potaj" südwestlich von Schamal
an beiden Seiten des Weges, der auch selbst stellenweise überschwemmt war. Kleine
Brücken führen über schmale Stellen des Sumpfes und über den Wasserarm, der vom Jarkent-
darja nach Maral-baschi geht. Im allgemeinen ist dieser Weg besser als derjenige von
Kaschgar nach Maral-baschi, und der Staub ist weniger reichlich, offenbar weil hier der