National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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„dschigiten" oder Kurieren, welche die Post zwischen Jarkent und Maral-baschi (weiterhin
Ak-su und Urumtj) befördern. Anfang April wird der Mais gesäet, Ende August oder
Anfang September reift er; der Weizen wird im Herbst gesäet. Nur fünf von den Fa-
milien haben Kühe und Schafe; Kamele werden in der Gegend gar nicht gehalten, und
Kamelkarawanen sind sehr selten; dagegen sind Pferde- und Eselkarawanen allgemein, ebenso
auch der Warentransport auf „arabas". Der Winter ist sehr kalt, es gibt aber Brennholz
in Menge. Es schneit nur selten, und der in der Nacht gefallene Schnee verschwindet im
Laufe des folgenden Tages; höchst selten wird der Schnee 10 cm hoch. Wenn die Winter-
kälte aufgehört hat, beginnen die Burane, die besonders im April und Mai kräftig sind,
im Hochsommer aber seltener und schwächer werden; der vorherrschende Wind ist östlich.
Um die Erntezeit fällt etwas Regen.
Jetzt befand sich das Dorf etwa 700 m vom Jarkent-darja entfernt; in der Hoch-
wasserperiode steigt aber der Fluß bis in die unmittelbare Nähe des Dorfes, das jedoch
wegen seiner verhältnismäßig hohen Lage (etwa 2 bis 3 m über dem Hochwasser) gegen
Überschwemmungen immer geschützt bleibt. Vor zwei Jahren strömte der Fluß auch während
des Niedrigwassers unmittelbar am Dorfe vorbei; er hat sich also ein wenig nach Osten
verschoben. Ein fünzigjähriger Bewohner des Ala-ajgir erzählte mir, dafs schon in der Zeit
seines Großvaters der Fluß östlich des Dorfes strömte, als Ala-ajgir dieselbe Lage ge-
habt hätte wie jetzt; die östliche Verschiebung scheint also periodisch oder schrittweise
vor sich zu gehen. Jetzt war der Fluß unpassierbar, weil das Aufgehen des Eises eben
die erste Hochwasserperiode des Frühlings verursachte. Es gibt jedoch 3 „potaj" weiter
oben eine Fähre, welche das linke Ufer mit dem rechten gelegenen Weg nach Jan-
taklik und Merket in Verbindung setzt. Anfang April kann man auch ohne Fähre an
vielen Stellen den Fluß kreuzen.
Auf der Strecke von Ala-ajgir nach Sarik-bojar wächst hochstämmiger, schöner Pappel-
wald; die ganzen Stämme der Bäume sind bis zum Boden von Zweigen und Parasiten
bedeckt. Sarik-bojar ist von einem halben Dutzend kaschgarischer Familien bewohnt.
Jenseits des Dorfes hört allmählich der Wald auf, der Boden ist dann mit Dickicht und
Kamisch bewachsen. Der Weg führt nach SW und WSW. Nach einer Fahrt von 6 „potaj"
haben wir links das Dorf Okkur, rechts das Dorf Jaren-patti, in etwa 2½ km Entfernung
vom Flusse. Der Boden ist oft sehr feucht, so dafs die Räder der „arabas" tief ein-
sinken; große Strecken des Landes werden auch hier alljährlich überschwemmt.
Der nächste „örtäng" und Kischlak, Mejnet, besteht aus 15 dolonischen Familien, die
aus Jantaklik eingewandert sind; nur zwei von diesen besitzen Vieh- und Schafherden.
Auch hier wird der Mais Anfang April gesäet; Anfang September ist der „ak-konak"
(weißer Mais) reif, Anfang Oktober der „kisil-konak" (roter Mais). Gartenbau gibt es nicht.
Der vorherrschende Wind ist O und NO. Wenn während 4 Tagen „Maral-baschi-schamal"
geweht hat, folgt ein schwacher „Jarkent-schamal" oder Wind aus Jarkent. Der erste
Buran dieses Jahres war Mitte Februar eingetreten. Regen fällt im Juni und im Herbst.
Im vorigen Jahre wurde der Weizen dadurch verdorben. Auf dieser Breite war schon
das Eis aufgegangen, und nur ein wenig Treibeis kam noch vor; die Wassermenge war
bedeutend und der Fluß ohne Fähre nicht passierbar. In der Hochwasserperiode ist der
Fluß hier ½ „potaj" breit. Die Strömung soll so reißend sein, dafs man während
20 Tagen im Juni und Juli den Fluß auch mit der Fähre nicht passieren kann. Die
Verbindung zwischen den beiden Ufern wird also eine Zeitlang unterbrochen. Gleich-
zeitig ist gewöhnlich auch der Weg nach Ala-ajgir wegen Überschwemmungen unpassierbar.
Solche Überschwemmungen sollen auch am rechten Ufer vorkommen, wo Wald, Dickicht
und Kamisch allgemein sind. Hier strömt jetzt der Fluß in einem Bette und in weiten
Mäandern. Wenn das Hochwasser kommt, verschwinden diese, und alles wird in eine
breite Wasserstraße verwandelt. Der Vegetationsgürtel scheint in dieser Gegend nicht
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