National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0262 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 262 (Color Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000262
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

welchen bisweilen die Dünen schon eingedrungen sind. Doch scheint im allgemeinen der
Wald diesem Vordringen eine Grenze zu setzen. Mitten zwischen dem Khotan-darja und
dem Jarkent-darja ist für eine Strecke der Sand an beiden Seiten vorherrschend und der
Wald nur sehr licht, aber dann gewinnt wieder der Wald Terrain, und der Sand hört
endlich ganz auf. Hier wächst dichter, üppiger Wald auf ebenem Staubboden, der nur selten
schwach gewellt ist. Auf der letzten Strecke wechselt Steppe mit Gegenden, wo Sträucher
auf Kegeln wachsen und lichter Wald vorkommt. Endlich erreichen wir den Jarkent-darja,
an dem wieder Hirten ihre Herden weiden. Sie erwarteten das Hochwasser etwa am
25. Juni; der Fluß ist hier beinahe 4 Monate gefroren.
Am 30. Mai kreuzten wir den Jarkent-darja. Die gewöhnliche Fähre des Sommer-
weges zwischen Khotan und Ak-su befindet sich weiter unten und zwar unterhalb der
Mündung des Ak-su-darja, von wo der Weg, welcher von den Karawanen benutzt wird, nach
Matan, also am linken Ufer des Ak-su-darja führt. Wir wählten den Awwat-Weg am
rechten Ufer. Oberhalb unserer Furt macht der Jarkent-darja einen scharfen Bogen, dessen
rechtes Ufer 2—3 m hoch und senkrecht ist; an der Furt sind dagegen beide Ufer flach.
Die Breite des jetzt wasserführenden Teils des Flusses betrug 77 m, die größte Tiefe
0,43 m, die Wassermenge 7,5 cbm. Ich hatte früher immer den Jarkent-darja als einen
riesigen Fluß kennen gelernt und glaubte deshalb, dafs wir jetzt nur einen Arm des
Flusses überschritten hatten, denn es war doch unmöglich, dafs der Fluß noch Ende Mai
nur 7,5 cbm Wasser führen könnte! Doch nein, es war der einzige jetzt vorhandene
Arm. Die Erklärung dieses Verhältnisses ist schon oben gegeben durch den Hinweis, dafs
noch um diese Jahreszeit die ganze Wassermenge des Jarkent-darja durch den künstlichen
Damm in das alte, nach Maral-baschi gerichtete Flußbett abgeleitet wird.
Linker Hand lassen wir dann den großen Flußbogen, rechts haben wir den Ak-su-darja,
obgleich derselbe noch nicht sichtbar ist. Dann folgt rechter Hand Wald und Steppe mit
Hirtenlagern; hier läuft ein anderer Weg nach Awwat, der später mit dem unsrigen
vereinigt. Im Westen, eine Tagereise entfernt, soll ein Sandgürtel anfangen, wohl nur
noch ein ganz kleines Wüstengebiet, welches sich also zwischen dem Jarkent-darja und dem
großen Karawanenweg von Kaschgar nach Ak-su ausbreitet.
Zwei alte Flußabetten, 1—2 m tief, liefen dem Jarkent-darja parallel; derselbe scheint
sich also auch in dieser Gegend nach rechts bewegt zu haben. Der Ak-su-darja, welchen
wir immer etwa 1 km entfernt haben, hat sich dagegen nach links, d. h. nach Osten,
bewegt. Lange Strecken reiten wir wie auf einer 2½—3 m hohen Terrasse und haben
dabei rechter Hand niedrige, mit jungem Wald üppig bewachsene Gegend; an einer Strecke
haben wir diese Terrasse links und gehen also an seinem Fuße entlang. Nachdem
wir einen kleinen „arik" aus dem Ak-su-darja passiert haben, ist die Landschaft wechsel-
weise offene Steppe mit zackigen Dickichten auf etwas salzigem Staubboden; Tamariaken
sind recht allgemein. Rechts geht ein Nebenweg nach dem Kischlak Jangi-jurt ab. Nur
ein paarmal sahen wir den Ak-su-darja in 200—300 m und dann in nur 50 m Entfernung;
Hirten lagerten an den Ufern. Der Fluß war in zwei Arme geteilt, welche eine niedrige
Alluvialinsel umschließen. Um 4 Uhr entstand ein heftiger NW-Sturm mit einigen Tropfen
Regen. Wir lagerten in dem kleinen Hirtendorfe Bag-tograk, das aus zehn Hütten besteht,
teils von Lehm, teils von Holz und Kamisch gebaut. Die umliegende Gegend wird Jangi-
abad genannt und soll etwa 400 Höfe zählen. Das Hochwasser des Ak-su-darja erwartete
man jetzt jeden Tag; dann wird etwas weiter unterhalb, bei Imam-Padschah, eine Fähre be-
nutzt. In dieser Jahreszeit sollen O- und NO-Winde und -Stürme äußerst allgemein
sein. Die Schneemenge des Winters soll sehr unbedeutend sein, selten schneit es
3 cm hoch.
Am 31. Mai ritten wir nach Awwat. Ein Kanal wird gekreuzt; dann führt linker
Hand ein Weg nach dem stark bewohnten Kischlak Jangi-māhälle. Am Fluß sind einige