National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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steht hier ein 4 m hoher Konglomeratwall, der senkrecht den Fluß im Osten begrenzt und
an dessen Fufs auch jetzt ein kleiner Wasserarm vorbeistöme. Diese scharf markierte
Terrasse ist durch die oben erwähnte Tendenz des Flusses, sich nach Osten zu bewegen,
auserodiert worden. Inzwischen reiten wir weiter nach Norden. Dolon-östäng ist ein
„arik", der nach Dolon und mehreren anderen Dörfern Wasser führt. In kurzer Entfernung
von beiden Ufern prangt jetzt üppige Vegetation. Über Igetje und an der chinesischen
Festung vorbei gelangen wir nach Jangi-schahr, der chinesischen Stadt an Ak-su, von
einer guten Mauer geschützt.
3. Juni. Zwischen Jangi-schahr und Kowna-schahr, dem mohammedanischen Stadtteil,
erhebt sich eine Löfsterrasse; ein bis 5 m tief eingeschnittener Weg führt auf dieselbe
hinauf. Auf der Terrasse ist der Weg sehr staubig, geht durch steriles Gebiet und schien
jetzt wenig benutzt zu sein; der große Weg geht nämlich etwas westlich davon, am Fuße
der Terrasse. Linker Hand haben wir hier die Dörfer: Sek-patja, Kurruk, Aral und Ak-jar;
dann gehen wir von der Terrasse hinab und gelangen wieder zum großen Weg, wo sich
der Kischlak Korol (Karaul) bis nach Ak-su erstreckt und die Gegend üppig kultiviert ist.
Dann haben wir die Löfs- und Konglomeratterrasse rechter Hand; dieselbe erhebt sich
senkrecht bis 8 und 10 m Höhe und ähnelt oft einer Festung mit Türmen, Mauer und Graben,
d. h. Rinnen der Regenbäche. Das Gebiet am Ak-su ist reich an Gärten und Feldern, und
da die Bewässerung so ungemein reichlich ist, steht hier der Ackerbau auf einer hohen Ent-
wickelungsstufe. Die Hauptprodukte sind: Reis, Weizen, Mais, Gerste, Baumwolle, Opium,
Früchte und Gemüse. Die Schafzucht des Distrikts ist ebenfalls hoch, die Wolle wird von
etwa 100 andischenschen Kaufleuten über den Bedelpafs nach Rufsland exportiert. Die Stadt
soll ungefähr 15 000 Einwohner haben; in dem ganzen Gebiete zählt man 50 000 Höfe
mit 2 bis 5 Einwohnern, eine Schätzung, die wohl übertrieben ist. Der Tao-taj wohnt
in Jangi-schahr im Gegensatz zu dem Tao-taj von Kaschgar, der in dem dortigen Kowna-
schahr wohnt.
Genau östlich von der Stadt erhebt sich die obenerwähnte Terrasse aus Konglomerat und
Löfsablagerungen, die aber hier 40 bis 50 m hoch ist und einer riesigen Mauer ähnelt. Auf
dem niedrigen Boden zwischen diesem und dem Flufs breitet sich Ak-su mit seinen Dörfern,
Gärten und Feldern aus. Die Erosionskraft des Flusses hat seiner Zeit diesen gewaltigen
„jar" ausgemeifselt. In einer Epoche hat sich also hier der Flufs von Osten nach
Westen bewegt, allein er hat jetzt das Bestreben, nach der Terrasse zurückzukehren, um
dort seine Arbeit und seinen, für eine Zeit unterbrochenen Druck nach Osten fortzusetzen.
Durch diese Laune des Flusses ist Ak-su, sowohl die neue wie die alte Stadt, in hohem
Grad bedroht. Um einer solchen verhängnisvollen Katastrophe vorzubeugen, errichten die
Bewohner einen Damm 3 „tasch" (etwa 25 km) oberhalb der Stadt, an einer Stelle Partja-
tasch genannt. Der Damm wird von Pappelstämmen gebaut und zwingt den Flufs nach
rechts. Er ist so solid, dafs er dem Sommerhochwasser widersteht, nur wird er jedes
Jahr von 1000 Arbeitern aus der ganzen Gegend repariert; in manchen Jahren, wie eben
jetzt, werden 3000 bis 4000 Arbeiter aufgeboten, um für die folgenden Jahre den Damm
zu befestigen. In der gegenwärtigen Epoche strebt mit einem Wort der Flufs nach Osten
zurück. Wir haben also gefunden, dafs die erwähnte Terrasse von Süden nach Norden immer
mächtiger wird; sie entspricht auch in dieser Beziehung genau dem Schuttkegel, den wir
am Nordfufs des Kwen-lun-Gebirges gefunden hatten und der besonders von den Strömen
der Gegend Kirk-sap und von dem Kerija-darja in derselben Weise wie der „jar" von Ak-
su durchschnitten worden war.
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