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0305 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 305 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000262
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diesen „saj" und stiegen an den Hügeln des linken Ufers aufwärts, und zwar auf eine neue
kleine Bodenschwelle, auf der auch ein Bach nach Osten fließt. Die Höhenunterschiede sind
hier im allgemeinen so unbeträchtlich, dafs die Aneroide ganz unberührt bleiben. Oft
kann ihre Gegenwart nur durch die Verteilung des Wassers konstatiert werden. Von
beiden Seiten, Norden und Süden, mündet eine Reihe kleiner Rinnsale in den Hauptbach;
die meisten sind jetzt trocken. Hier lag im Bette des Baches ziemlich grober Schutt, so
dafs der Boden hart und vorteilhaft zum Reiten war. Die Wassermenge betrug etwa
⅓ cbm. Alles ist weich, fester Fels nicht zu sehen; nur Gips ist im Boden allgemein.

Dann wanderten wir auf den Nordabhängen einer niedrigen, im Süden gelegenen
Gebirgskette, die mehrere Rinnsale nach dem nördlich unserer Route gelegenen See Nr. 5
entsendet. Auch der Bach, dem wir gefolgt waren, mündet am südlichen Ufer des Sees,
wo er am ebenen, sandigen Ufergürtel ein Schlammdelta gebildet hat; Deltabildungen sind an
den hiesigen Bächen eine sehr gewöhnliche Erscheinung. Weiter östlich liegt in ein paar
hundert Meter Entfernung vom Ufer eine Lagune, die wohl mit dem See in unterirdischer
Verbindung steht; in diese Lagune mündet ein von Osten kommender Bach, dessen Bett
breit und von sanft abfallenden, teilweise grasbewachsenen Hügeln umgeben ist. Morpho-
logisch ist dies die Fortsetzung des Längsthales, obgleich das Wasser in entgegengesetzter
Richtung strömt. Zwischen dem Thal und dem See erhebt sich ein Gebirgsarm aus lauter
weichem Material. Die Grasvegetation war verhältnismäfsig reichlich und Kulane allgemein.
Nur von Süden empfängt der Hauptbach Zuflüsse.

Am östlichen Ende des Sees Nr. 5 überschritten wir den nördlichen Gebirgsarm und
ließen rechter Hand einen kleinen Salzsee mit zwei nach Osten weit ausgezogenen Busen;
in den einen mündet ein von N kommender Bach, dessen Gebiet wir dann in nordöstlicher
Richtung kreuzten. Der Boden war hier wieder sehr weich und feucht. Vom Kul-
minationspunkt dieser Hügel fällt dann der Boden ziemlich steil nach NO zu einem sehr
breiten „saj", wo ein Bach nach N, NW und W strömt; am Fuße der Hügel hatte sich
ein kleiner Tümpel gebildet. Im NO sehen wir ein Gewirr von Gebirgskämmen ohne
Schnee, die südlichen Ausläufer des Arka-tag; von hier aus empfängt der „saj" einen recht
bedeutenden Nebenbach. Hier wurde Lager XV aufgeschlagen in einer Höhe von
4947 m; rings herum erhoben sich relativ niedrige, ziegelrote Berge aus lauter weichem
Material.

Am Mittag des 30. August hatte der Bach eine Wassermenge von kaum ⅓ cbm; auf
dem fast ebenen Boden des breiten „sajs" war die Stromgeschwindigkeit nur 0,2 m in der
Sekunde. Vom Lager strömt der Bach fast gerade nach Westen und mündet in eine lang-
gestreckte Lagune, die mit dem See in Verbindung steht. Das Seewasser ist bittersalzig,
auch das Lagunenwasser hat einen deutlichen Salzgeschmack. Dies beruhte aber offenbar
auf dem heftigen Westwind, der das Seewasser nicht nur in die Lagune hineintrieb,
sondern auch eine kürzere Strecke in das Delta des Baches, dessen Arme an der Mündung
deshalb mächtig angeschwollen waren. Am nördlichen Ufer des Sees erstreckt sich ein Ge-
birgsarm von ein paar hundert Meter Höhe. Am östlichen Ufer lag feiner, aus den grünen
krystallinischen Schiefer stammender Schutt, der an der Uferlinie einen niedrigen Wall bildet,
wahrscheinlich von Wellenschlag oder Eisgang emporgetrieben. Innerhalb dieses Walles
befanden sich mehrere langgestreckte Tümpel; 2 m über dem jetzigen Wasserspiegel waren
die Marken eines höheren Wasserstandes sichtbar. Es ist ja möglich, dafs der Wasserstand
mit den Jahreszeiten wegen reichlicheren Niederschlags und Schneeschmelzens und deshalb
gröfserer Wasserzufuhr der Bäche schwankt. Jetzt war jedenfalls die Wasserzufuhr sehr
gering; die Form der Betten verrät jedoch, dafs zeitweise die Wassermenge recht beträchtlich
sein kann.

Der Bach am Lager XV wird also von zwei Seiten gespeist, teils, wie erwähnt, aus NO,
vom Arka-tag, teils aus SO; der letztgenannte Bach fließt ganz in der Nähe des Sees Nr. 7, etwas