National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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OCR Text
Boden steril gewesen; zum Lagerplatz wählten wir deshalb die Ufer eines Baches, an dem
etwas Gras vorkam. Dieses dicht am Ufer gelegene Lager Nr. XXII hatte eine Höhe von
4947 m. Eben hier hatte das Ufer eine eigentümliche Form. Es springt nämlich eine Land-
zunge gerade gegen O vor, wobei sie sich allmählich vom Ufer entfernt; sie ist nur einige
Meter breit und 10 oder 20 cm hoch, aber ein paar Kilometer lang und endigt mit einer
Spitze. Auf der inneren Seite hat sie zwei ebenfalls nach Osten gerichtete Trümer.
Sie besteht aus Schlamm und hat offenbar etwas mit dem Delta des Baches zu thun, der
eben in den Busen innerhalb der Landzunge ausmündet. Sonst hatte ich bemerkt, dafs
solche Ausläufer der Uferlinie gewöhnlich östlich von
der Mündung irgendeines Baches lagen, und dafs sie
immer wie Finger nach Osten zeigen; dies ist
zweifelsohne das Resultat der Wirkung des westlichen
Windes.
Auch dieser See, Nr. 16, war bitter salzig und
wie sämtliche früheren abflußlos. Die Wasserscheide
im Osten schien aber sehr niedrig zu sein. Östlich
von den Arka-tag-Gipfeln C₁ und D₁ schien ebenfalls
diese Kette niedriger als bis jetzt zu werden. Diese Gipfel bilden, wie das I-Massiv der
südlichen Kette, gewaltige Anschwellungen oder Berggruppen. Ihre Form kann man sich
als abgerundete Kalotten denken, von lauter Schnee und Eis bedeckt, und aus diesen
Kuppeln erheben sich die spitzen Gipfel, an deren Seiten hier und da schwarze, klippige
Partien hervortreten; zwischen ihnen liegen stumpfe, breite, schneebedeckte Gletscherzungen. Der Gipfel O der südlichen Kette ist viel niedriger als I, hat aber auch Schnee-
bedeckung; zwischen beiden gibt es keine Schneegipfel, die Kette scheint hier relativ niedrig
zu sein.
Am 9. September ging es weiter nach Osten. Am Ufer lagen mehrere von W nach
Osten ausgezogene Salzlagunen, in welche temporäre Bäche münden, deren Betten jetzt
trocken waren; auch diese Lagunen waren von höheren Uferlinien umgeben. Unmittelbar
am südlichen Ufer erhebt sich ein kleiner Gebirgsausläufer, P, der eine runde Halbinsel
bildet; an seinem westlichen Fuße entsteht dadurch ein ziemlich tiefer Busen. Wir er-
reichen nun das recht stumpfe Ende des langen Sees. Rings um die Lagunen bestand
der Boden aus hartem Sand; jetzt wanderten wir aber eine Strecke auf asphalthartem
„schor"-Boden aus feinem Schlamm mit weißen Salzkrystallen auf der Oberfläche. Hier
mündet ein recht bedeutender Bach, etwa 2½ cbm, aus, mit trübem Gletscherwasser, offenbar
von den Gipfeln C₁ und D₁ stammend. Jenseits des letztgenannten taucht jetzt der
Gipfel G₄, pyramidenförmig und scharf gezeichnet, auf. Südlich vom Gipfel C₁, dessen Süd-
abhang von Schnee reingefegt ist, erstreckt sich eine bedeutende, runde, stumpfe, kurze
Gletscherzunge nach SW. Ihre Front ist sehr abrupt abgeschnitten, schmutzig und von
mehreren Randspalten durchkreuzt. Ufermoränen sind aber nicht sichtbar, wahrscheinlich
weil sie von dem jetzt täglich wachsenden Schneeniederschlag bedeckt sind. Das Firn-
becken des Gletschers liegt an den Seiten und südlich des Gipfels C₁. Westlich von diesem
Gipfel sind noch drei kleinere Gletscher sichtbar. Die Gletscherform nähert sich hier dem
norwegischen Typus; lange, schmale Gletscherzungen, die bis zum Thalboden reichen,
kommen dagegen nirgends vor.
Als wir den See hinter uns gelassen hatten, stiegen wir sehr langsam nach der nächsten
Wasserscheide hinauf und kreuzten dabei acht Bäche, die von der Gegend der Gipfel C₁ und
D₁ zu stammen scheinen und nach WSW fließen, um in den See Nr. 16 auszumünden.
Bevor sie den See erreichen, vereinigen sie sich zweifelsohne nach und nach zu einem
größern Bach. Der letzte, größte, der gewiß von den erwähnten Gletschern kommt, hatte
jetzt 1½ cbm Wasser und hat sich ein breites Bett mit groben Schutt auf dem Boden aus-
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