National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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NW, der dann bis Sonnenaufgang andauerte. Der Schnee fällt hier entweder körnig und
hart oder fein wie Staub; Hagel und Regen kamen nicht mehr vor. Die Wolken kommen
immer aus W und NW, auch wenn es an der Erdoberfläche aus O weht. Der Nieder-
schlag war hier reichlicher als in der westlichen Hälfte des Längsthals. Im Winter ist
alles fest und gefroren, im Juli erreichen gewiß die Bäche ihr Maximum.
Um 5 Uhr nachmittags wurde die Temperatur des Bodens untersucht; die Luft-
temperatur betrug 3,6°. In 21 cm Tiefe zeigte das Thermometer 2,9°, in 29 cm 1,5°,
in 50 cm 1,05°, in 70 cm 0,5° und in 88 cm 0,4°. Bis 70 cm Tiefe bestand der Boden
aus feinem, gelbem Sand und Staub, von Graswurzeln durchzogen; darunter folgte
blauschwarzer Moder und Humus, außerordentlich reich an verfaulten Pflanzenteilen von
unangenehmem Geruch. Durch die erwähnte Messung, die ohne Schwierigkeit aus-
geführt wurde, konnte also nicht nachgewiesen werden, ob in einer gewissen Tiefe bei dieser
Jahreszeit der Boden gefroren ist oder nicht. Wahrscheinlich ist jedoch, dafs unterhalb
1 m Tiefe die Temperatur wieder langsam steigt. Schon jetzt gefriert jede Nacht eine
Oberflächenschicht von ein paar Centimeter Mächtigkeit, die aber bald nach Sonnenaufgang
wieder auftaut. Wegen der kräftigen Insolation dauert es wohl noch einen Monat, bis der
Boden definitiv für den Winter gefriert.
Vom Lager Nr. XXIX steuerten wir am 20. September nach SO quer über das Längs-
thal, wobei wir eine Reihe Bäche kreuzten, die dem Gebiete des See Nr. 19 angehören.
Sie waren jetzt gefroren, aber unter dem Eis strömte Wasser. In der Erosionsschlucht
eines derselben fanden wir endlich festes Gestein und zwar grünen feinkristallinischen
Schiefer mit 59° Einfall nach N. Von der Wasserscheide hatten wir weite Aussicht:
vom Arka-tag geht nach S ein Gewirr von Kämmen und Ausläufern aus, alle abgerundet
wie gewaltige kuppelförmige Hügel, aus weichem, gelbem Staub bestehend und nur mit
Moos bewachsen. Gerade im N war der Kamm des Arka-tag etwas niedriger als im W und O
davon und hatte nur wenig Schnee. In ONO sahen wir unterhalb des Schneegipfels Q₁
einen großen See. Der NO-Abhang des Passes war bedeutend steiler und länger als auf
der westlichen Seite; das Längsthal südlich des Arka-tag fällt also stufenweise nach O.
Passe ein Bach, dessen Bett allmählich immer bedeutender wird, da es von den Seiten
beträchtliche Nebenbäche empfängt; auch hier lag Schnee und Eis. An beiden Seiten
erheben sich flache Hügel, deren Oberfläche am Morgen hart gefroren war, aber im Laufe
des Tages auftaute und wie gewöhnlich weich wurde. Jaks, Kulane und Murmeltiere
kommen vor; von Vögeln nur Raben. Von W her mündet ein mächtiges Bett und von
S her noch eins, das als Hauptpulsader der Gegend betrachtet werden kann. Hier machten
wir Halt; Lager Nr. XXX in 4596 m Höhe. Gerade im NO erhebt sich die Gruppe Q₁.
Von hier aus strömt der vereinigte Bach nach ONO und O; das Bett ist breit, sein Boden
sehr eben und die umgebenden Höhen flacher.
Am folgenden Morgen kreuzten wir den vereinigten Bach und fanden, dafs er der
größte war, den wir südlich des Arka-tag entdeckt hatten. Er war 22 m breit, hatte eine
mittlere Tiefe von 0,6 m bei einer Maximaltiefe von 1 m und eine mittlere Geschwindigkeit
von 1 m in der Sekunde, enthielt also nicht weniger als 13 cbm Wasser, und doch war dies
gewiß die Zeit des Tages, wo er sein Minimum hat. Ganz frische Wassermarken zeigten,
dafs er noch am vorigen Tage wohl doppelt so mächtig gewesen war. Das Wasser war
halbklar. Offenbar sammelt dieser Bach das Wasser eines sehr ausgedehnten Gebietes;
die Hauptmasse kommt jedoch hier von der südlichen Gebirgskette. Das Bett war mit
Schutt bedeckt, sehr breit und mit Erosionsterrassen an den Seiten versehen; es läuft
ziemlich gerade, und das Wasser war, so weit wir sehen konnten, nicht in Arme geteilt.
Wir ritten nach ONO über die flachen Hügel, die am linken Ufer gegen den Bach
hinabfallen und von mehreren Nebenbächen durchschnitten sind. Der Boden ist hier hart
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