国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

> > > >
カラー New!IIIFカラー高解像度 白黒高解像度 PDF   日本語 English
0159 Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1
中央アジア秘宝発掘記 : vol.1
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 / 159 ページ(白黒高解像度画像)

New!引用情報

doi: 10.20676/00000198
引用形式選択: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR読み取り結果

Man brachte mich in einem sauberen, aber ziemlich ärmlichen
Serai (hier heißen sie dän) unter, dessen Türen keine Verschluß-
möglichkeiten boten. Als ich mich gelegt hatte, erschien plötzlich
eine hochgewachsene junge Frau, im chinesischen Jäckchen und
prächtig bestickten Unterkleidern. Sie brachte das „Tischtuch"
(dästärchän) mit; ihre Dienerinnen, hübsche junge Mädchen, klim-
perten niedliche Melodien auf langgehalsten tambür genannten
Saiteninstrumenten, und alle drei richteten sich häuslich ein. Auf
genaueres Befragen erfuhr ich dann, daß die Schönheit eine be-
rühmte Halbweltdame war, die dem fremden Herrn ihre Dienste
anbieten wollte. Ich kaufte ihr ein Paar schöne Ohrringe ab, die
ich sehr reichlich bezahlte, und entließ sie, freilich ziemlich ge-
kränkt.
Bei den Osttürken ist dieser Beruf ein Beruf wie jeder andere,
und viele dieser Frauen werden in Liedern gefeiert, die im ganzen
Lande gesungen werden.
Auch sieht man oftmals die Damen der Halbwelt im vertrauten
Verkehr mit den Frauen der ehrsamen Ackerbürger und Hand-
werker.
Leider fand sich auch in dieser Gegend keine einzige Ruine, die
meinen Erwartungen entsprochen hätte, und so kehrte ich mit
negativen Ergebnissen zur Expedition zurück.
Inzwischen hatte der Mirab allerhand Erkundigungen eingezo-
gen und verriet mir die Lage zweier wichtiger Siedlungen in der
Umgegend des Dorfes Kirisch im Nordosten von Kutscha. Ich
machte mich mit einem Beg des Landrats von Kutscha auf, pas-
sierte den merkwürdigen, turmartigen Stüpa, östlich von Kutscha
in der Nähe der alten Stadtmauern des alten Kutscha gelegen, und
erreichte nach einem Ritt von ca. 22 km den Flecken Kirisch. Im
Nordosten von Kirisch liegt in einem wilden Tale eine ziemlich
große Siedlung von Höhlenklöstern, die zum Teil mit altem Schutt
gefüllt waren. Sie führt den Namen Sim-sim = Sesam, vielleicht
in Erinnerung an die Erzählung von Ali Baba in „1001 Nacht".
Darauf ritten wir nach einer anderen, im Süden von Kirisch
gelegenen Anlage, namens Atschigh Iläk = Zusammenfluß der
bitteren (Wasser), wo wenige, aber interessante Tempel in anschei-
nend guter, trockener Lage zur Grabung einluden.
Später führte ich Professor Grünwedel nach Sim-Sim, wo wir
nur wenige Tage arbeiteten¹. In Atschigh Iläk ist erst von der vier-