国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0199 |
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 |
| 中央アジア秘宝発掘記 : vol.1 |
引用情報
OCR読み取り結果
Auf diesem Weg passiert man einige kleinere Flußläufe, die vom
Norden herunterkommen. Sie haben alle ein tiefes mittleres Bett,
das auf beiden Seiten von breiten Steinhalden eingefaßt ist. Diese
Strombetten muß man vormittags, jedenfalls meist vor 2 oder
¹⁄₂3 Uhr nachmittags passieren. Um diese Zeit erreicht nämlich
das Wasser der Gletscherschmelze im Hochgebirge diesen Teil der
Ebene. Es kommt brüllend mit rasender Geschwindigkeit in braun-
roten Massen dahergetobt, und wer im Strombett, selbst auf den
Steinhalden, von dieser Flut gepackt wird, hat wenig Aussicht,
mit dem Leben davonzukommen.
In Kutscha angelangt, war ich sehr zufrieden, meinen Diener
Egämbärdi, der wegen Krankheit dort zurückgeblieben war, an-
zutreffen. Ich brauchte jetzt Bedienung und besonders einen Koch,
denn ich war sehr geschwächt durch das erwähnte Übel.
Egämbärdi kochte vortrefflich, und besonders das Reiswasser
(conjee), das er ganz schmackhaft zuzubereiten wußte, tat mir gut.
Hier erwartete ich meinen Wagen und erneuerte in der Warte-
zeit meine Bekanntschaft mit einem Manne, der früher der un-
umschränkte Herrscher, Herr über Gut und Blut, seiner kriegeri-
schen Untertanen gewesen war.
Es war Mir Säfdär Ali, der „tham" oder Fürst von Hunza,
einem kleinen Raubstaat im Himalaja, dessen unter dem Namen
der Kandschuti berüchtigten Bewohner den Yarkänder Karawanen
auf ihrem Weg von oder nach Leh aufzulauern pflegten. Die Waren
und die Kaufleute wurden entführt, letztere als Sklaven durch ganz
Innerasien verkauft.
Mir Säfdär Ali forderte die Engländer heraus. Ein kleines Heer
unter Col. Durand mußte gegen ihn gesandt werden und nach einem
heftigen Widerstand der Hunzaleute wurden ihre unglaublich star-
ken Positionen forciert und das feste Schloß von Hunza besetzt¹.
Der „tham" floh nach Turkistan, wo die Russen ihm das fürstliche
Salär von 25 Rubel p. m. auszahlten, in der Erwartung, sich dieses
Kronprätendenten einmal gegen England bedienen zu können. Dies
war eine falsche Rechnung, denn wie ich später erfuhr, hatte dieser
Mann seine ganze Familie, und die seines Wäzirs — angeblich
56 Personen — mit eigener Hand getötet.
Er war bei seinen Untertanen gefürchtet und verhaßt.
Seine Erscheinung war die eines Europäers. Ein großer, herku-
lisch gebauter Mann mit hellen Augen und dunkelblondem Haupt-
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