国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0046 |
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 |
| 中央アジア秘宝発掘記 : vol.1 |
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OCR読み取り結果
Ebenso ist die Kunst, Filze mit in verschiedenen Farben ein-
gelegten, höchst merkwürdigen, fast an mykenische Vorbilder er-
innernde Muster herzustellen, fast vollständig verloren gegangen.
Auch die Seidenfabrikate und die oftmals sehr geschmackvollen
Stickarbeiten verschlechtern sich. Die berühmten Gefäße aus Kup-
fer und verzinntem Messing, die früher mit großer Meisterschaft
besonders in Yarkänd und Chotän hergestellt wurden, sind nicht
mehr zu finden. Die Brettchenweberei, einst fähig, wirklich schöne,
gemusterte Gürtelbänder u. dgl. herzustellen, beschränkt sich heute
auf die Herstellung von einfachen weißen Baumwollbändern für
Zügel und anderes Pferdegeschirr.
Die Architektur der Privathäuser folgt iranischen Vorbildern;
die Moscheen gleichen denen Ostpersiens.
Die geistige Bildung ist gering und beschränkt sich meist auf
eine gewisse Kenntnis der Schrift. Rechnen können die Leute aber
fast alle, wobei sie sich der Kupfermünzen als Hilfsmittel bedienen.
Im ganzen Lande gibt es heute keine einzige Druckerei mehr.
Dafür sind die meisten Osttürken geborene Kaufleute und flei-
ßige und geschickte Ackerbauer. Wenn gute Schulen vorhanden
wären, würden die Leute ganz bestimmt schnell in die Höhe kom-
men, denn die geistigen Anlagen sind außergewöhnlich gut.
Der Hauptfehler des Volkes ist eine sehr ausgesprochene Sinn-
lichkeit, die allen Klassen anhaftet, und, neben Habsucht, eine ge-
wisse Verlogenheit, wie man sie oft bei unterworfenen Völkern antrifft.
Und — so milde dies Völkchen (es zählt kaum mehr als eine
Million Köpfe) meistens ist — wenn erregt, sind diese Menschen
doch gräßlicher Grausamkeit fähig.
So wurde mir berichtet, daß ein Wirt in einem der Wüsten-
Rasthäuser zwischen Komul und Gu-čeng, auf dem Wege nach
Urumtschi, Reisende gewohnheitsmäßig ermordet und beraubt
habe. Der Verdacht verdichtete sich, und eine Anzahl Leute ver-
einte sich, um den Fall zu untersuchen. Der Wirt wurde überfallen
und gefesselt. Im Lößboden des Hofes fand man in Löchern eine
Menge mumifizierter Leichen Ermordeter!
Die Rache war furchtbar. Der Mörder wurde entkleidet und
mit Holznägeln auf dem getretenen Lößboden des Hofs gekreuzigt.
Dann nahm man einen Topf und eine lebende Ratte und band den
Topf, die Ratte darunter, auf den Bauch des Mörders fest. So lag
er in der unbarmherzigen Sonne. Die Ratte fraß sich ihren Weg
durch sein Fleisch, und Blutverlust und Sonne töteten langsam den
Delinquenten. Freilich kann dies auch ein Stück chinesischer Ju-
stiz gewesen sein.
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