国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0167 |
Auf Hellas Spuren in Ostturkistan : vol.1 |
| 中央アジア秘宝発掘記 : vol.1 |
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Der zweite Tempeltyp ist der persische Kuppelbau. Die Vor-
halle einer jeden dieser Kuppelbauten war, in allen Fällen, zerstört,
so daß wir nicht wissen, ob sie ein Pultdach besaß, oder mit einer
Kuppel bedeckt war. Die Verteilung der Bilder war gemeinhin die-
selbe wie in den erstbeschriebenen Tempeln. Aber das Kultbild be-
fand sich auf einem schön profilierten Sockel vor der Hinterwand,
jedoch mit soviel Abstand, daß man auch hier die Umwandlung
bequem vornehmen konnte.
Die Erfolge, die wir hier erzielten, ließen alle anderen, früheren,
weit hinter sich. Überall fanden wir neue, unberührte Tempel, voll
der interessantesten und künstlerisch vollkommensten Bilder, alle
aus früher Zeit, früher als jene der eben besuchten Siedlung von
Kumtura. In der Malweise ostasiatisch abgewandelte Gemälde feh-
len noch ganz. Alles ist, in Malerei wie in der Skulptur, indo-ira-
nisch auf spätantiker Grundlage. Nach unserer, relativen, Chrono-
logie hat diese Siedlung zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert
unserer Ära geblüht. Sie muß, gegen Mitte des 8. Jahrhunderts,
verlassen, oder vielleicht damals schon gewaltsam zerstört worden
sein. (Taf. 35.)
Gleich in den ersten Tagen glückte es mir, in einem der Tempel,
der nach seiner roten Kuppel den Namen „Rotkuppelraum" er-
hielt, eine alte Bibliothek aufzudecken. Hier fanden wir frühe, in-
dische Handschriften in großer Menge, auf Palmblatt, Birkenrinde
und Papier, sowie beschriebene Holztabletten. Alle Buchblätter
waren in der Form des indischen Buches, des Pothi, zugeschnitten.
Ein vollkommenes Buch dieser Art wurde hier gefunden, es ent-
hielt etwa 60 Blatt mit Texten in Sanskrit und tocharischer Sprache
in indischen Lettern.
Eine Wand dieses Tempels trug Malereien von Damen in euro-
päisch anmutender Tracht, sowie eine an mittelalterliche Toten-
tanz-Darstellungen erinnernde Szene (vgl. S. 114.)
Als wir uns wenige Tage dort aufgehalten hatten, lagen Bartus
und ich einmal früh um ¹⁄₂4 Uhr noch auf unseren Korkmatratzen und
rauchten unsere Morgenpfeife, als plötzlich aus dem Nebenzimmer
Grünwedel erschien und mit vielen Rollen Pausspapier, Pinseln und
seinem Malstuhl durch das Zimmer eilte und uns bat, ihm sein
Frühstück in den und den Tempel zu senden. Herr Bartus rief aus:
„Herr Doktor, Herr Doktor, das geht doch nicht, daß er früher
ist als wir, jetzt aber 'ran an die Arbeit!"
Dieser Tag war der Beginn der schönsten Zeit, die wir in Tur-
kistan zusammen erlebt haben. Erfolg folgte auf Erfolg und wenn
auch die Nahrung uns manchmal Sorgen machte, so waren die täg-
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