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0084 Altertümer aus dem Tale des Talas in Turkestan : vol.1
Altertümer aus dem Tale des Talas in Turkestan : vol.1 / Page 84 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000228
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macrocephali" in seinen Decaden beschrieben und abgebildet. Mehrere ähnliche Schädel
aus derselben Gegend wurden in den J. 1832 und 1833 und auch später beschrieben. In
den Kaukasusländern wurde eine ganze Reihe solcher makrocephaler Schädel ausgegraben.
In Oesterreich-Ungarn fand man, wie oben erwähnt, auch einige.

Es deuten diese Funde darauf hin, dass in früherer Zeit die künstliche Umformung
der Köpfe durch Zurückdrückung der Stirn und Hervordrückung des Hinterhaupts in den
angegebenen Ländern recht verbreitet war.

In neuerer und sogar noch in unserer Zeit ist indessen die Sitte der künstlichen
Umformung des Kopfes in den kaukasischen und transkaukasischen Ländern noch sehr
gewöhnlich; die ausgedehnten und grossartigen Untersuchungen Ernest Chantre's u. A.
beweisen dies in auffallender Weise. Aus diesen Erfahrungen geht hervor, dass die Umfor-
mung der Kinderköpfe verschiedener Art ist, so dass bald nur eine Abflachung und Hervor-
schiebung des Hinterhauptes, bald auch eine Hinabdrückung der Stirn stattfindet.

Wie weit in Asien hinein, d. h. nach Osten hin, diese Sitte noch vorkommt,
scheint nicht sicher bekannt zu sein; auch kenne ich nicht, wie weit nach Osten hin
sie in vergangenen Zeiten geherrscht hat. Die Untersuchungen Heikels zeigen nun zu
voller Evidenz, dass in den fraglichen Gegenden von Turkestan die Umformung nach
der Art der Makrocephalen noch in einer Zeitperiode von etwa 500 J. n. Kr. stattfand.
Dieses wird durch die Schädel 5 und 6 deutlich dargethan.

Aber auch die Abflachung des Hinterhaupts allein, wie sie noch jetzt in Kaukasien
und Transkaukasien, und zwar durch die langwierige Application des Kinderkopfes in
der Wiege hervorgebracht, sehr allgemein ist, hat man wahrscheinlich in der genannten
Periode in Turkestan angewandt. Ein paar oben beschriebene Schädel zeigen, obschon
nicht in frappanter Weise, Spuren davon und geben Andeutungen in dieser Hinsicht.

Wenn man nun aber versucht, aus der vorliegenden Schädelreihe Schlüsse, hinsichtlich
der Rassenverhältnisse der in den fraglichen Gräbern angetroffenen Schädel, resp. der
damaligen Bevölkerung dieser Gebiete, zu ziehen, so tritt sogleich die Thatsache hervor,
dass dort, wie a priori zu vermuthen war, schon zu jener Zeit eine bedeutende Mischung
von Rassenelementen herrschte. Zwar sind die meisten dieser Schädel ausgesprochen
brachycephal, obwohl ihre Brachycephalie theilweise durch die Umformung erhöht worden
sein dürfte. Es ist aber auch eine schön ausgeprägte Dolichocephalie (eine niedrige
Mesocephalie) in dieser Reihe vertreten, indem die Schädel 9 und 10 eine Form darbieten,
welche derjenigen der germanischen Völker sehr ähnlich ist. Solche dolichocephale
Schädel sind schon früher in den alten Gräbern (Kurganen) im asiatischen und euro-
päischen Russland in recht grosser Zahl gefunden worden. Im anatomischen Museum
des Karolinischen Institutes findet sich auch eine schöne Reihe solcher Schädel, welche
Herr Amanuens Dr. F. Martin in Kurganen in Sibirien ausgegraben hat und die den
germanischen, resp. schwedischen Schädeln in auffallender Weise ähnlich sind, so dass
man gerne an eine arische Herkunft der fraglichen Kurganenschädel denkt.