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Altertümer aus dem Tale des Talas in Turkestan : vol.1 |
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OCR Text
Was nun die *brachycephalen* Schädel aus den fraglichen Gräbern in Turkestan
betrifft, so lassen sich unter ihnen gewissermassen *zwei* verschiedene Typen unterscheiden,
nämlich ein Typus von grösseren und einer von kleineren Dimensionen. Der erstere, welcher
von den Schädeln 1 und 7 repräsentirt wird, zeigt eine bedeutende Capacität der Hirn-
chale (1620 und 1670 Kcm.), ist im Ganzen viereckig rektangulär und erinnert, wie oben
angedeutet wurde, etwas an den finnisch-lavastländischen Typus, obwohl dadurch nicht
gesagt sein soll, dass er mit ihm nahe verwandt ist — für die Lösung solcher Ver-
wandtschaftsfragen ist natürlicherweise ein viel umfassenderes Material und die Berück-
sichtigung mancher anderer anthropologischer und auch linguistischer Verhältnisse erfor-
derlich. An diese beiden Schädel (1 und 7) reiht sich gewissermassen auch der Schädel
3, welche ungefähr dieselbe Form, obschon in kleinerem Massstabe zeigt und vielleicht
als ein weibliches Exemplar des fraglichen Typus anzusehen sein dürfte.
Der zweite brachycephale Typus, welcher von den Schädeln 2, 4 und 8 repräsentirt
wird, ist als kleiner, v. A. kürzer und mehr rundlich zu bezeichnen; die Hinterhaupts-
region ist im Ganzen kurz und oben abgeflacht, was jedoch zum Theil durch eine künst-
liche Depression erhöht zu sein scheint. Diese Schädelform erinnert sehr an eine bei der
kaukasischen und der angrenzenden östlichen Bevölkerung noch sehr gewöhnliche Form.
Wahrscheinlich gehören zu derselben auch die zwei Schädel (5 und 6), welche in so
starkem Grade artificiell umgestaltet sind.
Die *Dolichocephalie* ist, wie erwähnt, durch die Schädel 9 und 10 vertreten. Wie oben
bei der Beschreibung derselben angegeben wurde, erinnert die Gestalt derselben in einem
so auffallenden Grade an die bei den echt germanischen Völkern (Schweden, Norwegern,
Engländern u. s. w.) typische Schädelform, dass man sich kaum davor wehren kann, an
Verwandtschaftsbeziehungen zu denken. Da aber die beiden Schädel als weiblich zu be-
trachten sind und man noch nicht den entsprechenden männlichen Typus dieses in Turkestan
früher befindlichen Rassenelementes kennt, so lassen sich natürlicherweise keine sicheren
Schlüsse ziehen. Zu bemerken ist indessen, dass, wie oben erwähnt wurde, auch aus anderen
sibirischen Kurganen Schädel derselben Form ausgegraben worden sind. Es wäre eine um-
fassendere Untersuchung und v. A. Anschaffung eines grossen Materiales von solchen Schä-
deln für die Lösung des Problems der Herkunft und der früheren Verbreitung der Arier von
grösstem Interesse. Mit dem jetzt zugänglichen Material lassen sich nur Vermuthungen
aufstellen; in Fragen von solcher Tragweite ist es aber nothwendig, mit grosser Vorsicht
zu Werke zu gehen. Die vom Herrn Magister Heikel gemachten Untersuchungen werden
aber sicherlich zu neuen erweiterten Forschungen auf diesem Gebiete Anlass geben.
Ich muss indessen noch einmal betonen, dass mir die russische Literatur hinsichtlich
der Anthropologie der fraglichen Gegenden nur theilweise zugänglich ist, so dass es
möglich ist, dass mehr Material vorliegt, als mir bekannt ist. In Folge dessen werde
ich mich auf die Besprechung der grossen schwebenden Fragen nicht weiter einlassen,
sondern mich darauf beschränken, in dieser Darstellung nur eine anthropologische Be-
schreibung der mir von Herrn Heikel zugeschickten zehn Gräberschädel zu liefern.
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