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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

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0053 Die Chinesischen Handschriften- und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan : vol.1
スヴェン=ヘディン氏が楼蘭で発見した漢文文書およびその他の遺物 : vol.1
Die Chinesischen Handschriften- und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan : vol.1 / 53 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000227
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OCR読み取り結果

das glänzende Weltreich sinkt nun zu einem kläglichen Haufen von Staatentümmern
ein, über die sich alsbald das Barbarentum jauchzend ergießen wird, um es für
Jahrhunderte zu beherrschen. So versinnbildlicht der Fall von Lou-lan auch Chinas
Fall, und die dürftigen Trümmer einsam im Wüstensande sind das Denkmal einer
weltgeschichtlichen Katastrophe; denn mit der Losreißung des Tarimbeckens, der
Unterbindung der großen westöstlichen Handelsader, hat stets deren mächtigflutender
Kulturstrom, der weltenverbindende, weltenfördernde, weltenverschmelzende, beinahe
im eigentlichen Sinn des Wortes im Sande versickern müssen. Wahrlich ein düster-
gewaltiger Hintergrund, vor dem die Ruinen in Lou-lan stehen, ein grandioses
Trauerspiel, in dem die Verfasser aller dieser Briefe einst mitgehandelt, mitgelitten
haben! —

Und doch — mitten in diesem Verzweiflungskampfe der Kultur wider das
Nomadentum, unter dem blutigroten Schein der Notsignale von Turm zu Turm, die
immer öfter, immer dringender warnten und mahnten, im hilflos einsamen, sturm-
bedrohten Grenzkastell, das vielleicht morgen schon die Beute eines erbarmungs-
losen Feindes sein wird: — mitten in aller der Not und Gefahr tun diese Menschen
nicht etwa mit männlicher Fassung bloß, mit zusammengebissenen Zähnen und dem
schweigenden Ernst entschlossener Pflichterfüllung ihr mühsames Tagewerk oder
schauen dem Unabweislichen gar in starrem Grauen entgegen; sie ergehn sich auch
nicht mattherzig in weichlicher Klage — denn wenn der Freund mitunter die weite
und lange Trennung vom Freunde bedauert, so verdient das diese Bezeichnung
gewiß nicht und erscheint in der Formelhaftigkeit seines Ausdrucks überhaupt eher
als ein konventioneller Tribut an die Empfindsamkeit, die ja seit der Han-Zeit
alamodisch geworden ist — und ebensowenig geben sie die zynische Losung aus:
lebe, denn du mußt sterben! genieße den Tag!, obwohl sie der Zeit nicht fremd
und selbst im Liederbuche¹ schon schüchtern empfohlen ist: — nein, ruhig und ge-
lassen, ja in ehrbarer Fröhlichkeit (so wie es etwa jene andere Ode — 1, 10, 1 —
verlangt) und in behaglichem Genuß der Freuden, die Leben und Kultur zu bieten
haben, dabei unbeirrt und treulich erfüllend, was sie Staat und Familie schuldig
sind — mit einem Worte, ganz so als wären sie daheim und ringsum läge die Welt
im tiefsten Frieden: so schreiten sie die harte Straße ihres Berufs dahin. Gleich-
mütig sitzt man am Schreibtisch, während draußen vielleicht die Drommete ruft und
die Trommel wirbelt, und übt die willige Hand in der schwungvollen Linienführung
des berühmten Chung Yu (1, 31, 7) oder je nachdem auch in dem neuen Duktus, der
k'ai-shu, die kürzlich aufgekommen ist — denn schöne Handschrift, das Merkmal
der Bildung, ist nicht zuletzt auch für den strebsamen Beamten eine große Empfehlung;
gleichmütig, mit gewissenhafter Sorgfalt man seine Berichte ab und führt seine
Bücher; seelenruhig setzt man einen Kondolenzbrief wieder und wieder auf, bis die