National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
|
|
Color Thumbnail -
Table of Contents -
Page Number -
Biliographic Information (Metadata) -
Caption -
Color Image -
Gray HighRes. Image -
Facing Pages -
Graphics -
| 0063 |
Die Chinesischen Handschriften- und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan : vol.1 |
Citation Information
OCR Text
die beiden Kondolenzbriefe (I, 8, Taf. I, VIII) mit ihren kühnen, freien Zügen als Probe-
stücke von kai-shu anzusprechen, und darf mich dabei, wie in dieser Schriftfrage
überhaupt, auf das Urteil eines Kenners wie Herrn Ts'ai berufen, der denn auch
die Hand resp. die Kopie einer Vorlage ihres Erfinders Wang Hi-chi (321—379) in
der Ts'ao-shu-Schreibübung (I, 33, Taf. 27 u. 28) zu erkennen glaubt. Das würde also
eine kleine Anzahl der Fragmente in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts verweisen,
und ich kann mich der Vermutung nicht entschlagen, daß die auffällige Menge von
Schreibübungen, deren wohl nur eine (I, 22, 15; 16, Taf. I, XXV) aus dem Schulheft
eines Kindes stammt, nicht sowohl mit dem Bestreben zusammenhängt, sich an den
ja schon seit mehr als hundert Jahren üblichen Pinsel zu gewöhnen, als eben mit
dem Übergang zu diesem neuen Duktus, der sich damals vollzogen hat. Und in
der Tat ist ja die Schrift auch aller älteren Stücke, so einheitlichen Charakter sie
als ein Ganzes genommen trägt, eine Übergangsschrift: von der reinen li-shu
des Chan-kuoh-ts'eh-Kapitels, die immer noch die Kette des Gewebes bildet und in
einer Reihe altertümlicher Formen (wie bei 孔, 齊, 仕 u. a. m.) immer wieder einmal
charakteristisch aufleuchtet, beginnt sie doch schon so kräftig zu der Anmut der
kai-shu emporzustreben, daß man sie wohl als eine mehr als halbwegs schon zur
kai-shu gewordene li-shu bezeichnen darf. Und wenn das im wahrsten Sinne des
Wortes hölzerne Aussehen der letzteren eben darauf beruht, daß sie die Traditionen
des einstigen Bambusgriffels noch nicht zu überwinden vermocht hat, so ist der Fort-
schritt dieser Übergangsschrift unzweifelhaft die Folge der größeren Gewandtheit in
der Pinselführung, die man sich inzwischen erworben hatte. Es gibt den Fragmenten
von Lou-lan einen weiteren Reiz, daß sie uns zumal mit jenen Schreibversuchen so
mitten in die auch hier nach Ausdruck und Festigung ringenden Kräfte einer gären-
den, einer Übergangszeit hineinversetzen, uns gleichsam zu unmittelbaren Zuschauern
dieses Prozesses machen, während sie zugleich vielleicht auch erweisen, wie stark
die chinesische Macht auch diese entlegensten Teile noch umklammert hielt und wie
wenig sie an Emanzipationsgelüste dachten. Denn die Dezentralisierung solcher
Grenzlande und ihr Abfall von der chinesischen Hoheit hat oft genug und von alters-
her mit einer Verselbständigung der Schrift, dieser großen Einigerin Chinas, begonnen,
und so ist hier denn eine Veränderung des Duktus immer eine bedeutsame Neuerung,
das Symptom einer inneren oder äußeren Umwälzung gewesen. Im vorliegenden
Falle ist es der sich vollendende Übergang aus dem alten Feudalstaat in das neue
zentralisierte und demokratisierte Kaiserreich, der Ausklang der Antike in das Mittel-
alter, den sie kennzeichnet.
Das alles muß aber auch von der Schrift der Holzstäbe gelten. Denn sie
gehört nicht bloß derselben Gattung, der entwickelten li-shu, und ebenfalls in ver-
schiedenen Stadien der Güte und der Entwicklung (wenn auch nicht ganz bis zur
kai-shu) an, sondern sie weist auch deren oben angeführte Einzelzüge, zumal die
rückspringenden Ecken und, was hier besonders gewichtig ist, auch jene Ausfaserung
1
.
.
.
.
|
.
.
.
.
11
.
.
.
.
|
.
.
.
.
21
.
.
.
.
|
.
.
.
.
31
.
.
.
.
|
.
.
.
.
41
.
.
.
.
|
.
.
.
.
51
.
.
.
.
|
.
.
.
.
61
62
63
64
65
|
.
.
.
.
71
.
.
.
.
|
.
.
.
.
81
.
.
.
.
|
.
.
.
.
91
.
.
.
.
|
.
.
.
.
101
.
.
.
.
|
.
.
.
.
111
.
.
.
.
|
.
.
.
.
121
.
.
.
.
|
.
.
.
.
131
.
.
.
.
|
.
.
.
.
141
.
.
.
.
|
.
.
.
.
151
.
.
.
.
|
.
.
.
.
161
.
.
.
.
|
.
.
.
.
171
.
.
.
.
|
.
.
.
.
181
.
.
.
.
|
.
.
.
.
191
.
.
.
.
|
.
.
.
.
201
.
.
.
.
|
.
.
.
.
211
.
.
.
.
|
.
.
.
.
223
.
.
.
.
|
.
.
.
.
243
.
.
.
.
|
.
.
.
.
263
.
.
.
.
|
.
.
.
.
283
.
.
.
.
|
.
.
.
.
300
.
.
.
.
|
.
.
.
.
329
.
.
.
.
|
.
.
.
.
344
.
346
Copyright (C) 2003-2026
National Institute of Informatics
and
The Toyo Bunko. All Rights Reserved.