National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0062 |
Die Chinesischen Handschriften- und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan : vol.1 |
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ansehnlichen, tuschegetränkten Überrest seiner Haarspitze bewahrend (Taf. 2, VI) —: son-
dern es zeigt vor allem auch der Duktus selber schon viel von der charakteristischen
Wirkung dieses elastischen Geräts, wie namentlich das allmähliche Anschwellen der Linie
vom Haar- zum Grundstrich und deren Unterscheidung, das scharf umbiegende oder
zurückspringende Ende der Striche und nicht zuletzt das Eckigwerden der Züge
überhaupt. Ein indirekter Beweis für seine Verwendung wird vielleicht auch durch
die schon oben (S. 7, 29) angezogene Schreibübung (I, 31, 7, Taf. 1, XXXIV) geliefert,
die den berühmten Kalligraphen Chung Yu zu erwähnen scheint und also wohl eine
seiner Vorlagen kopiert; denn dieser benutzte nach dem Kuang-Poh-wuh-chî einen
Pinsel aus Mäusebarthaar¹ und wird darum schwerlich mit einem Stylus nachzuahmen
gewesen sein. Auch hätten sich die hing-shu, die ts'ao-shu und vollends deren fast
stenographische Nebenform, die „verrückte" (kuang) ts'ao-shu, wie sie der Chinese
nennt, mit einem solchen wohl wenigstens nicht so schwungvoll schreiben lassen,
wie es hier geschehen ist — wenn sie nicht, gleich der li-shu selber, überhaupt
erst dem Pinsel ihre Entstehung danken.² Bliebe jedoch noch ein Zweifel übrig, so
wird er endgültig durch die (zumeist schon dem unbewaffneten Auge bemerkliche)
besenförmige Spaltung und Ausfaserung der Strichenden zu einer Anzahl haar-
feiner Spitzen beseitigt, die sich bereits auf jenem vermutlich ältesten Fragment wie
auf vielen (oder allen) anderen findet und natürlich bloß in der Pinselschrift mög-
lich ist.³
Ebendiese Erscheinung macht zugleich auch von vornherein selbst eine Ein-
schränkung zugunsten des Stylus unmöglich, die man etwa aus dem nicht zu ver-
kennenden Unterschied könnte ableiten wollen, daß ein kleinerer Prozentsatz der Stücke
entschieden leichter und zierlicher als der Durchschnitt geschrieben ist, und daß sich
auch bei diesem wieder hier und da wohl noch eine plumpere, steifere Hand heraus-
finden läßt; denn da solche unzweideutige Pinselspuren auf Mustern auch der letz-
teren Gattung nicht fehlen, so scheint damit selbst ein Nebeneinander von Pinsel und
Stylus ausgeschlossen. Der Unterschied mag also teilweise auf individueller Ver-
schiedenheit, auf die größere oder geringere Kunst des Schreibers zurückzuführen
sein, und um so eher vielleicht, als eine ähnliche Beobachtung ja auch vom Stil der
Dokumente gelten darf, die neben klassisch angehauchtem zuweilen auch ein ziemlich
mangelhaftes Chinesisch aufzuweisen scheinen: Schriftstücke Eingeborener vielleicht.
Bei einigen aber, und gerade bei jenen eleganteren, liegt doch wohl ein wirklicher
Fortschritt, eine zeitliche Entwicklung vor. Denn ich stehe nicht an, zum mindesten
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