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0211 Die Chinesischen Handschriften- und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan : vol.1
Die Chinesischen Handschriften- und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan : vol.1 / Page 211 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000227
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sprünglich nur der graphische Vertreter des ehemals ja völlig gleichlautenden 厚 wäre?
Damit würde dieser Forderung genügt und die Diskrepanz der Beiwörter beseitigt
werden.

Und dafür spricht in der Tat noch anderes, wie mir scheint. Zunächst die
Analogie von 家土 (Shu V, 1 (1), 10; Shi III, 1, III, 7), das zwar nach der land-
läufigen Ansicht die Gottheit des Bodens bezeichnen soll (welche jedoch schon
wegen des in der Shu-king-Stelle vorliegenden Gegensatzes zu 上帝 meines Er-
achtens nicht so streng von der Erdgottheit zu trennen ist, wie man anzunehmen
pflegt), die aber jedenfalls ein ebenso grob materielles und überdies sinnverwandtes
adjektivisches Beiwort aufweist; dann und vor allem aber eine (durch Luh-shu-lung
und Tze-tien) gut beglaubigte Ku-wen-Form von 厚, nämlich 厎. Denn da die pho-
netischen Elemente nach meinen Ermittelungen fast immer zugleich ideographisch
sind, so beweist dies anagrammatisch zusammengeschobene 后土, daß man zur Zeit
seines Entstehens eine enge Beziehung zwischen 后 als dem Epitheton der Erde und
厚 empfunden resp. beide gleichgesetzt hat — ganz wie noch in viel späterer Zeit
das Cheng-yün (zit. Tze-tien s. 后) bemerkt: 后土赤取厚載之義. Auch möchte ich
fast glauben, daß 后 in der merkwürdigen Stelle des Tso-chuan (Ch. Cl. V, 165;
cf. Chavannes, Le T'ai Chan, S. 521 f.): 君履后土云云 zum mindesten doppelsinnig,
im Wortspiel mit jenem Homophon, gebraucht sei, und zwar umso eher, als sie doch
leise an die obigen Shi-king-Verse anzuklingen scheint. Allerdings kommt 厚 nur
mit 地 gepaart vor, aber das braucht wohl kaum zu stören, da 土 und 地 auch
wechseln können: so findet man z. B. 皇帝帝天, 皇皇后地 als die Namen des
Himmels- resp. Erdaltars im Tsin-shu (PWYZ s. 后地), und das 藏天履地 des
Hou-Han-shu (ibid. s. 履地) scheint auf das Tso-chuan anzuspielen.

Nach alledem möchte ich die Annahme einer alten Schriftzeichenentlehnung
— welche durch die übrigens auch wohl zu beachtende Ähnlichkeit der alten Formen
囧 — 厚 und 𠂉 — 后 sehr erleichtert werden mußte — doch immerhin für diskutabel
halten; jedenfalls liegt aber m. E. ein Wortspiel vor.

Im Übrigen darf ich bei dieser Gelegenheit vielleicht noch darauf aufmerksam
machen, daß der Titel 后 schon in recht alter Zeit auch Femininum (mit der Be-
deutung „Königin") ist, was man gerade bei der vorliegenden Frage bisher wohl
übersehen hat. Das älteste sicher datierbare Zeugnis dafür gibt m. W. das Ch'un-
ts'iu, Huan-kung 8 (— 703 v. Chr.): 送迎王后于紀 „darauf ging er zur Einholung
der Königin nach Ki" (mit unwesentlicher Variante zit. Peh-ku-lung 4, 15a als Be-
leg zu der Bemerkung: 天子妃謂之后 „die (Haupt-)Gemahlin des Himmelssohnes
nennt man hou"; aber vermutlich noch höher hinauf reichen die zahlreichen Chou-li-
Stellen, wo das Wort mit oder ohne das Attribut 王 so gebraucht wird (z. B. Kl. A.
1, 27b [— Biot I, 74]: 1及世子 „die Königin und der Kronprinz"; 1, 128b; 2, 5b;
2, 23b; 2, 24b [— Biot I, 145]: 佐立市 „er hilft der Königin den Markt errichten"
— der mit 陰 嬪 eingeweiht wird; 2, 34b; 5, 15b usw. usw.), sowie Chou-shu 8 (60),