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0272 Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1
Ancient Buddhist Temples in Chinese Turkistan : vol.1
Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan : vol.1 / Page 272 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000191
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Raum 15 und Annexe.

In der Höhe der Decke der hinteren Verlängerung von Halle 11 liegt ein Raum (Fig. 549) mit einem Kang
vor der Rückw. und einer schmalen Seitentür, welcher offenbar eine Wohnzelle war. Von seinen Mauern sind nur
Rampen erhalten, von denen aus die moderne Bevölkerung in die Ruine hinabsteigt, ein Weg, den auch wir
oft genug benutzten. Das alte Dach ist verloren, wahrscheinlich war es ein Gewölbe, welches den Raum mit
einem dahinterliegenden, der durch eine schiefe Mauer davon getrennt ist, verband. Zu diesem hinteren
Raum muß eine besondere Tür mit Stufen den Eintritt vom Berge, der hier fast in gleicher Höhe heran-
tritt, ermöglicht haben. Aus diesem hinteren Raume führt eine baufällige, gewölbte Treppe in den 1 m
tiefen Raum hinter Halle 13, welche unten vorliegt, in einer Reihe mit H. 11 u. 12. Hinter H. 12 war früher
eine mannshohe Tür mit sehr dicken Pfeilern. Dies war wohl die eigentliche Mündungspunkt der Treppe.
Den Weg nach dem Hinterraum von H. 13 scheinen die Türken durchgebrochen zu haben. Ob der Gang,
der an die Treppe sich anschloß, noch weiter führte, läßt sich heute, wo ein ungeheurer Schuttberg den natür-
lichen Berg vergrößert hat, nicht ausmachen, schon deshalb, weil jede Grabung neue Abrutschungen ver-
ursacht. Vielleicht war dieser Gang als Ausgang nach der Terrasse schon in der letzten Zeit nicht mehr im
Gebrauch, denn die hinteren Räume waren in H. 12, 13, 14 sicher zuletzt durch die Wand mit dem Kultbild
der vorderen Hälfte der Hallen abgesperrt. Diese dunklen Räume hinter den Kulträumen, an sich Reste anderer
Anlagen, waren offenbar zuletzt nur Remisen für allerlei Gerät usw. der Mönche, das am besten auf dieser
Hintertür nach dem Tempel gebracht wurde. Wenn das der Fall ist, dürfen wir wohl in der schiefen Mauer
des Raumes 15 ein Fensterchen annehmen und zugleich vermuten, daß hier ein Pförtner gehaust hat. Vielleicht
waren die unbemalten, hochliegenden Gewölbereste hinter 13—15 ebenfalls Mönchszellen. Seltsam ist, daß
auf der Treppe viel Manuskriptreste gefunden wurden, hier lag z. B. das Fragment einer Sanskritgrammatik,
welches Professor Sieg publiziert hat.

Vielleicht sind umfangreiche Remisen, welche früher an Stelle von 12—14 standen, später durch die
danebenliegende große Halle 16 mit ihren drei Räumen ersetzt worden, welche in den an der Ecke stark vor-
tretenden Berg gelegt sind.

Anlage 16.

Diese großen, zur Aufnahme von Pilgern usw., wenn wir nicht irren, eingerichteten Räume (vgl.
Plan S. 224) sind nie bemalt, nur getüncht gewesen. Außer uighurischen Kritzelein lassen sich keinerlei
Spuren von Dekoration irgendwelcher Art entdecken. Es sind drei, hintereinander folgende durch besondere
Türen verbundene Gewölbe ¹).

Von der L. Seitenw. der mittl. Halle geht eine schmale Tür in einen 6 m langen, dunklen, unregel-
mäßig ausgearbeiteten Raum mit rauhen Wänden, nie geglattetem Estrich und zwei tiefen Löchern in demselben.
Diese dienten wohl zum Aufbewahren von Lebensmitteln. Am Ende dieser Halle führt ein Loch, das neu
zu sein scheint, unmittelbar an den Sockel vor der Hinterwand der großen, reich ausgemalten Höhle 17.
Unmittelbar an dieser Sockelecke fanden sich viele Manuskriptreste, Brāhmīmanuskripte, welche vielleicht
aus der demolierten Kultfigur von H. 17 stammten.

Vor Anlage 16 lag eine, wie es scheint, doppelte (?) Treppe, deren einer Flügel nach der Hauptterrasse,
deren anderer nach der S-Terrasse führte.

Noch in die vortretenden Bergecke liegen zwei Höhlen mit reichem Bilderschmuck 17, 18, beide, schon
nach N orientiert, folgen der Richtung der großen S-Terrasse.

Höhle 17.

Diese sehr tiefe Höhle, Fig. 550 a, b, S. 265, welche jetzt vollständig mit Lehm verschmiert ist, muß in voller
Erhaltung prachtvoll gewesen sein. Ihre Gemälde sind nicht besonders interessant, zeichnen sich aber durch
ungewöhnlich schöne Zeichnung der zahlreichen Bodhisattvaköpfe, von denen jeder eine andere Krone trägt,
aus. Über die Farbenwirkung läßt sich nichts sagen, da alle Wände unter Zuhilfenahme eines Tamarisken-
besens mit verdünntem Lehm verschmiert waren. Es ist möglich, diesen mit einem Aufwand von ungewöhn-
licher Ausdauer aufgetragenen Schmutz wegzukratzen, aber die mit Deckweiß versetzten Farben gehen natür-
lich dabei verloren, wenn auch die Umrisse der Zeichnung wieder gewonnen werden.