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0011 Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1
Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1 / Page 11 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000232
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Antike bekannt, welche ihnen ihre religiöse Kunst schuf und die vervollkommnete Technik der
Westländer überbrachte.
Diese Kunst übermittelten sie mit der Religion des Buddha den Chinesen, und dem merk-
würdigen und begabten Volke gelang es, auf dieser Grundlage die buddhistische Kunst Ostasiens
zu entwickeln. Obwohl die Kunst Ostasiens also ohne den iranisch und indisch abgewandelten helle-
nistischen Einschlag nicht hätte entstehen können, haben die Chinesen das empfangene Gut so
umgestaltet, daß der westliche Ursprung der Typen nicht ohne weiteres zu erkennen ist. Die
Schöpfungen der buddhistischen Kunst Chinas tragen, trotz ihres fremden Ursprungs, den Stempel
des Landes, in dem sie hergestellt worden sind. Der geschichtlichen Entwicklung gemäß, hat diese An-
eignung der westlichen Formen durch China, nach ihrem Beginn unter der Herrschaft der Wei-
Tataren ihre Vollkommenheit erst erreicht unter der Dynastie der T'ang (rund 600—900 n. Chr.);
vor dieser Zeit kann China kaum Kunstübungen besessen haben, die es vermocht hätten, einen
Eindruck auf die zur Antike aufblickenden Völker Ostturkistans zu machen. Unter den Han-
Kaisern war China zwar die Vormacht in Ostturkistan, aber in der Skulptur, der Malerei und der
Architektur der Unterworfenen fehlt, bis zum Auftreten der T'ang, denen Ostturkistan ebenfalls
gehorchte, jegliche Spur chinesischer Elemente. Diese stellen sich erst ein, wenigstens in Skulptur
und Malerei, unter den T'ang, als China allmählich an Stelle des immer mehr brahmanisch gewor-
denen Indien zur Vormacht der buddhistischen Welt aufgestiegen war und die über Iran und Indien
empfangene buddhistische Spätantike sich vollkommen zu eigen gemacht hatte. Bis dahin war der
Strom der buddhistischen Propaganda und Lehre von Westen nach Osten gegangen und mit der
Lehre die von ihr getragene Kunst.
Es ist beachtenswert, daß die materielle Kultur Chinas auf die nicht barbarischen Nachbarvölker
im Westen und Südwesten nur außerordentlich wenig, seine geistige Kultur aber fast keinen Ein-
fluß ausgeübt hat.
Dagegen wurde China der Lehrer und Zivilisator der nach Osten gelegenen, damals noch weniger
kultivierten Völker Koreas und Japans, wo seine Lehrtätigkeit heute noch in liebevoller Erinnerung
steht, und der barbarischen Völker Hinterindiens, soweit diese nicht unter indischen Einfluß gelangt
oder Kultureinflüssen feindlich waren.
In der Hauptsache war im äußersten Osten demnach die Richtung der Wanderung der Kultur-
entwicklung die von Westen nach Osten. Denn es erscheint zweifelhaft, ob China wesentlichen
Einfluß auf die nördlichen und westlichen Nomaden gewonnen hat: bei diesen Völkern dürften
iranische Dinge immer vorbildlich gewirkt haben.
Ein Wechsel trat ein beim Auftreten der uigurischen Türken. Dieses kräftige und begabte
Volk muß schon im 8. Jhdt. den Osten Chinesisch-Turkistans erobert haben; jedenfalls fanden wir
in ihrer Hauptstadt Chotscho¹ bei Turfan datierte Texte und Wandaufschriften dieses Jahrhunderts.
Im 10. Jhdt. ist ihnen das ganze Land unterworfen. Die Könige und die Vornehmen des Uiguren-
reiches von Chotscho bekannten sich zu der westlichen Religion des Mani, zum Manichäismus; ihre
Untertanen waren Buddhisten und, damals noch in geringer Zahl, nestorianische Christen; die
Schrift war die manichäische oder eine von den Soghdiern übernommene semitische Schrift, und
obwohl ihre Mönche das Chinesische zum Studium chinesischer buddhistischer Schriften erlernt