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Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1 |
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sein, etwa aus solchen, von denen das gewirkte Bild Fg. 154 (Apollo u. Daphne) eine späte Replica
ist. Hier ist wenigstens die Haltung des erhobenen r. Armes verständlich.
PARALLELE ZUM CHRISTOPHORUS DER CHRISTLICHEN KUNST. In Gandhāra
kommt öfter die Darstellung eines bärtigen Mannes vor, der ein Kindlein auf der Schulter trägt.
Es ist der Schutzgott Pāñcika mit einem seiner Schützlinge, offenbar eine Abwandelung eines anti-
ken Vorwurfs. In Kutscha sehen wir eine Entwicklung dieser Darstellung, die lebhaft an Christo-
phorus-Bilder mahnt. Sie dürfte älter sein, als für das Auftreten der christlichen Parallele bisher
nachgewiesen worden ist.
DIE ERDGÖTTIN. Auf vielen Votivbildern hat es dem frommen Stifter nicht genügt, sich
in anbetender Stellung in einer Ecke des Gemäldes oder in ganz kleinen Ausmaßen zu Füßen des
Heiligen etc. abbilden zu lassen, sondern er hat sich malen lassen unter seiner Stiftung, die er
mit beiden Händen in die Höhe hebt (fig. 161). Die Hände sind, östlichem Ceremoniell ent-
sprechend, dabei stets verhüllt. Beispiele finden sich in Qumtura, besonders aber in Chotscho und
Bäzäklik. Auch Stifterfrauen werden häufig in dieser Stellung abgebildet. Sie geht m. E. zurück
auf spätantike Darstellungen der Gäa aus Gandhāra, (vergl. z. B. auf fig. 162). Auf anderen Bildern
finden sich statt der Erdgötter mehrere Dämonen (e.g. Ausritt des Bodhisattva, aus Sängim Aghyz,
Bericht, S. 95), die die Beine des Pferdes des Bodhisattva stützen.
BUDDHA ALS ASKET. Eine auffallende Schöpfung der Gandhāra-Kunst (fig. 165), ist die
Darstellung des Bodhisattva-Buddha als Asket. Gautama sitzt, durch Fasten und Nachtwachen voll-
kommen entfleischt, in Erwartung der Erleuchtung auf seinem Thron. Kein Hellene würde unter-
nommen haben, eine solche Skulptur zu bilden. Dem Inder ist es aber gelungen, den abstoßenden
Anblick so zu mildern, daß man dem Original gegenüber nur den Eindruck übermenschlicher
Würde und Hoheit empfindet.
Es ist bezeichnend für den eklektischen Charakter der Malkunst Mittelasiens, daß die Maler sich
nicht gescheut haben, eine Replika dieser Darstellung zu benutzen, um einen zu einer Höllenstrafe
verdammten Menschen abzubilden (fig. 166. Vergl. Grünwedel, Alt-Kutscha, Seefahrerhöhle II 29.)
AKROBATINNEN. Die auf den Händen allerhand Verrichtungen übende
Gauklerin ist ein ziemlich häufiger Vorwurf der antiken Kunst (fig. 164b). Ähnliches tritt in Qyzil
auf (Fig. 163).
FLIEGENDE NIKE-FIGUREN. Am Barberini-Diptychon (fig. 167) erscheinen zwei Engel-
figürchen, die das Brustbild Christi in einem Medaillon mit beiden Händen stützen. Parallel
mit dieser Verwendung spätantiker Nikë-Figürchen in der christlichen Antike läuft ihr Vorkommen
in der sassanidischen Kunst und zwar sowohl in der Skulptur, wie in der Malerei. An dem pracht-
vollen Bogen des Tāq-i-bōstān erblicken wir kranzhaltende Nikëfiguren (fig. 168), die auf der
wohl etwas späteren manichäischen Miniatur aus Chotscho (dem einzigen bekannten Uberrest
sassanidischer Miniaturmalerei!) (fig. 169) wiederkehren.
Die buddhistische Spätantike hat sich ebenfalls des Vorwurfs bemächtigt; die beiden geflügelten
Figuren der fig. 173 zeigen eine starke Ähnlichkeit mit denen der fig. 167: die Frage ist, liegt hier,
wie ich annehmen möchte, parallele Entwicklung oder aber unmittelbare Entlehnung vor? Ein
Blick auf fig. 170 (Kapitell aus Ahnäs) läßt auf letzteres schließen.
Erheblich stärker abgewandelt sind die Gandharvas der fig. 172 und ich hege keinen Zweifel,
daß die oft schönen Kompositionen dieser Art, die sich auf ostasiatischen Bildern und Skulpturen
finden, zu solchen Vorlagen in einem direkten Deszendenz-Verhältnis stehen. Auch die „islami-
sche" Kunst übernimmt zuweilen die Nikëfigürchen zu Häupten eines Fürsten (fig. 173).
Der Schmuck aus sich kreuzenden Ketten kommt schon in der Antike vor (vergl. Kekule
v. Stradonitz, Die griechische Skulptur, Handbücher d. Königl. Museen zu Berlin, 2. Aufl.,
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