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0035 Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1
Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1 / Page 35 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000232
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weise eine Erinnerung an den ausgezackten Kamm, der auf dem Rücken mancher Drachenbilder
erscheint.

Einen Sargdeckel mit einer Drachenfigur zu verzieren ist m. E. ein Gedanke, der sich nicht
Jedermann ohne weiteres als für die Gelegenheit passend darstellt. Wenn daher Särge in ver-
schiedenen Gegenden auf ihren Deckeln ebenfalls die ausgestreckten Körper solcher Fabeltiere
tragen, wird man einen Zusammenhang annehmen dürfen.

Fig. 228 c u. 229 bringen das Bild (nach Lindenschmit) eines germanischen Sargs aus den „Heiden-
gräbern" bei Oberflacht — auf dem Deckel sehen wir einen, hier doppelköpfigen, Drachen mit
gezacktem Rückenkamm ausgeschnitzt! Und der germanische Sarg aus späterer Zeit (aus Müller
und Mothes, Kunst d. german. Altertums) auf fig. 227 zeigt einen Drachen mit Rückenkamm und
erhobenem Kopf und Schwanz.

Das Wandgemälde aus Qyzil (fig. 230) dürfte etwas jünger als der Lindenschmit'sche, etwas
älter als der andere Sarg sein.

An die zur Zeit der Blüte Alexandrias sicherlich ungemein lebhaften Beziehungen zum helleni-
stischen Aegypten scheint die Art zu erinnern, in der die Leiche des Buddha verhüllt ist: der Körper
steckt nämlich in einem weißlichen Leichentuch, das man mit breiten farbigen Bändern kreuzweise
umwunden hat. Die Farbe der von Hals und Schulter nach der r. Körperseite verlaufenden Bänder
ist durchweg braunrot, die von der Schulter nach der l. Körperseite laufenden Bänder sind in regel-
mäßiger Folge blau, grün, weiß. Die Leiche so zu wickeln, dürfte auf ägyptische Vorbilder
(Mumienbinden) zurückgehen.

ARCHITEKTONISCHES.

DAS „CASSETTEN"- ODER „LATERNEN"-DACH. Recht lehrreich für die wahllose Art,
in der die chinesische Kunst fremde Elemente übernommen hat, ist die Geschichte der merk-
würdigen Dächer, die wir zuerst in Qyzil, dann in Kirisch-Simsim an Tempelhöhlen beobachtet
haben. Dieses Dach, im Querschnitt eine stumpfe Pyramide bildend, ist bei den Höhlentempeln
die in den Stein geschnittene Nachbildung einer Holzkonstruktion aus viereckig behauenen Balken
(vergl. fig. 238, 240—41).

Sehr gute Beispiele sind dargestellt in fig. 234 nach einer Abbildung der Expedition Pelliot und
in fig. 235 nach einer von mir aufgenommenen Photographie.¹ Diese Dächer finden sich häufig in
den westlichen Siedelungen (Qyzil u. Kirisch-Simsim). In den östlichen Siedelungen (Tuyoq,
Čiqqanköl) war man bequemer geworden und begnügte sich damit, solche Balkenkonstruktionen auf
die Gewölbedecken zu malen (fig. 242), wobei dem ausführenden Handwerker die Bedeutung
des Musters wohl noch gewärtig gewesen ist.

Die Holzkonstruktion, die den steinernen „Laternendecken" zum Vorbild gedient hat, ist auch
heute noch über ein ausgedehntes Gebiet verbreitet. Botta fand sie, in primitiver Form, in Armenien
(fig. 238); ich selbst sah ein ähnliches, vielleicht noch roheres Dach an einem Bauernhaus im Tale
des Sindh-Stromes in Kaschmir, Olufsen² beschreibt ein derartiges Dach im Hause des Qazi zu
Namatgut am Pandsch-Strom (fig. 241) und Sir A. Stein verdanken wir die prächtige Photographie
eines mit einem solchen Plafond versehenen aiwân aus einer Landschaft des Hindukusch (fig. 240,
man beachte übrigens auch die Träger, die ebenfalls weite Verbreitung haben).