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0029 Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1
中央アジアの芸術・文化史に関する図録 : vol.1
Bilderatlas zur Kunst und Kulturgeschichte Mittel-Asiens : vol.1 / 29 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000232
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OCR読み取り結果

GANYMEDES-MYTHUS. Der griechische Mythus von der Entführung des Ganymedes ist
bei den Buddhisten Indiens und Mittelasiens ungemein beliebt gewesen. Er ist verschieden umge-
deutet worden, vor allem hat sich die indische Vorstellung der Kämpfe zwischen den Schlangen und
den Garuḍas des Vorwurfs bemächtigt; wir finden die auf des Leochares berühmte Skulptur (147)
zurückgehende schöne Gruppe nicht nur in Gandhāra (fig. 148) sondern auch, in getriebener
und gravierter Arbeit, auf einer sassanidischen Goldvase (fig. 149) und, als Deckenmalerei, in
einer der merkwürdigen Laternen-Decken der Siedelung von Qyzil (fig. 150). In allen diesen
Darstellungen ist die etwas weibische Gestalt des schönen Knaben deutlich zu einer weiblichen
Figur umgewandelt; in Qyzil ist der Entführer als doppelköpfiger Vogel dargestellt. Welche
Auslegung der sassanidischen Auffassung der Gruppe zu geben ist, ist mir nicht bekannt; sie weicht
wohl von der buddhistischen ab.
Im Osten Chinesisch-Turkistans, in der Oase von Turfan, kommt in einer Anzahl von Tempeln
ein Wandbild öfter vor, das die Entführung eines Kindes durch Garuḍas zum Gegenstande hat.
Es findet sich in einer älteren Form in einem kleinen Tempel der Sängimer Schlucht (Chotscho,
Taf. 15), in einer jüngeren in mehreren Tempeln zu Bäzäklik¹) (Chotscho, Taf. 33, Kultst. S. 240,
249, 282, 310). In der älteren Darstellung aus Sängim (fig. 151), kommt nur ein Garuḍa vor. Er
entführt in seinen Fängen keinen Jüngling, sondern ein kleines Kind und wird von der Mutter
des Kindes mit der Wurfschlinge eingefangen, während der Vater den Bogen gegen den Räuber
spannt. Auf allen jüngeren Bildern (vergl. Fig. 152) sind es schon zwei Vogelmenschen, (weil ja der
Garuḍa im Deckengemälde von Kutscha zweiköpfig ist) von denen der eine lassoiert, der andere
mit Pfeilen beschossen und mit Jagdadlern gebeizт wird; das Kind ist ihnen bereits entrissen und
ein großer Troß von Begleitfiguren hat sich eingestellt; wir sehen in diesen Bildern, wie die Um-
deutung vor sich geht. Die Darstellung von Personen in der „Tänzerinnenstellung", die
auch der entführte Knabe angenommen hat, ist in der indischen Kunst höchst beliebt. Sie findet
sich in Bharhut (fig. 153) und in Gandhāra (fig. 155/6) von wo aus sie Ostturkistan und Tibet erreicht.
Diese Stellung kommt besonders in Kutscha häufig auf den Wandgemälden vor (fig. 157) und zwar
nicht nur für Frauen (Schatzhöhle, Rotkuppelraum, Spätantike IV, Taf. 3, Taf. 8) sondern auch,
mit und ohne Abwandelung, für Männer (Spätantike IV, Taf. 7; Kultst. fig. 48 u. 49, S. 24; fig.
115 S. 57; fig. 263/4, S. 121; fig. 288, S. 151; fig. 367, S. 161).
Die Gebärende Frau, Māyā, die Mutter Gautamas, wird bei der Geburt stets in dieser Stellung
dargestellt. Aber diese Darstellung ist rein konventionell; Frauen des indischen Kulturkreises gebären
in der Hockstellung, wobei sie von einer oder mehreren Freundinnen unter den Armen gestützt
werden (fig. 158).
Die Stellung scheint vielmehr aus mehreren antiken Darstellungen übernommen worden zu