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0024 Chotscho : vol.1
Chotscho : vol.1
Chotscho : vol.1 / Page 24 (Color Image)

Captions

[Figure] l Sketch of the two northern dome temple No. 3 and No. 4.Schema der zwei nördlichen Kuppel-Tempel Nr. 3 und Nr. 4.
[Figure] r Plan of the tempel No. 9, Bäzäklik. From the document of TH. BARTUS.Plan des Tempels Nr. 9, Bäzäklik. Nach Aufnahmen von TH. BARTUS.

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doi: 10.20676/00000194
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Das rechte Ufer des Murtug-Baches ist unweit seiner Mündung in den Siriğ-sü zugäng-
lich durch einen niederen, ziemlich seichten Paß, nach dessen Überschreitung man einen auf
den Uferklipppen die Windungen des Baches begleitenden Pfad verfolgt; nach einem Ritt von
etwa 5 km erblickt man einen großen und seltsamen Hügel, vor dessen Fuß sich eine ausge-
dehnte Ebene ausbreitet: die Ebene fällt in einer steilen Wand gegen den Fluß hinab und in
dieser steil abfallenden Wand sowie auf den vorliegerten Terrassen sind die zahlreichen Höhlen-
tempel des von den türkischen Bauern heute Bäzäklik (= Platz, wo es Malereien oder Ornamente
gibt) genannten Klosters angebracht.

Da Prof. Grünwedel mir besonders dringend aufgetragen hatte, die Ausräumung dieser
Siedlung ihm zu überlassen, hatte mir zunächst nicht die Absicht, dort zu graben; wir be-
schlossen aber, von der Sängimer Schlucht aus herüberzureiten und die Anlage, in der seit
dem Besuche der Expedition Grünwedel-Huth nach Aussage der Eingeborenen viel zerstört
worden sein sollte, einmal zu besichtigen.

Bei unserem Besuche stellte sich heraus, daß freilich neuerdings manches zerstört worden
war, besonders beklagte Herr Bartus, der die Anlage von früher her kannte, die durch ein
Erdbeben bewirkte gänzliche Zerstörung einer von ihm bei dem Besuch der ersten Expedition
untersuchten, als „Fremdvölkerhöhle" bezeichneten Tempelgrotte, die seinerBeschreibung nach
die merkwürdigsten Gemälde der ganzen Gegend, nämlich eine wahrscheinlich manichäische
Darstellung der „Flucht nach Ägypten", enthalten haben muß.

Indessen waren noch viele Tempel (Tafel 74a) mit alten, andere mit jüngerem Schmuck er-
füllt; sie versprachen eine reichliche Ausbeute an Manuskripten und an Wandgemälden, und da
ein übelbeleumdeter Schatzgräber, namens Rahn, einen der Tempel zum Teil ausgeleert hatte,
beschlossen wir, die Arbeit fortzusetzen, um zu verhindern, daß nach unserer Abreise die frei-
gelegten Bilder zerschlagen würden. Außerdem war es bei der Unsicherheit der Nachrichten
über Prof. Grünwedels Gesundheit und sein Kommen erforderlich, den Erfolg der Expedition
durch den Erwerb einer Anzahl von einzigartigen Museumsstücken zu sichern.

Der alte Zugang von oben her zu der Terrasse war eine Treppe, die von dem rechts auf
der Tafel 74, c erscheinenden kegelförmigen Gebäude zu der auf dem nördlichen Ende der
Terrasse in der Felswand oberhalb des inneren Gebäudes angebrachten Tür führte. Zwischen
diesem Gebäude und den Tempelbauten der Terrasse lag eine Schutthütte, die an die Wände
der zwei nördlichen Kuppeltempl der Terrasse anstieß. Der kleinere, nördlicher gelegene
dieser Tempel war mit der Tür nach Süden gerichtet und be-
stand nur aus einer Cella; neben ihm stand ein größerer Bau
N. mit rechteckiger Cella und einem diese umschließenden Kor-
ridor; die Tür der Cella war nach Osten gerichtet und mündete
wahrscheinlich in eine beiden Tempeln gemeinsame zerstörte
Vorhalle (cf. beiliegenden schematischen Plan).

Wir folgen der Numerierung, die Prof. Grünwedel
diesen Tempeln in seinem demnächst erscheinenden Werk
zugeteilt hat und nennen den nördlichen Bau Nr. 3, den größe-
ren benachbarten Tempel Nr. 4¹. Aus ersterem wurde nur ein
kleines Bild herausgenommen, das auf Tafel 38 wiedergegeben
worden ist; aus dem zweiten stammen die auf den Tafeln 35 b, 36 und 37 faksimilierten Ge-
mälde.

Südlich von dieser Gruppe lagen noch stark verschüttete Gebäude, deren Haupträume
Tonnengewölbe zu sein schienen, weiter südlich erschien dann der große Tempel dieser Ter-
rasse, dessen Vorhalle erheblich von deren Rande zurückragt; sie bildet mit den hervor-
springenden Seitenmauern der benachbarten Tempel einen Art Hof, in den sich durch dein ihrem
Oberteil zerstörten Tür eine breite Schutthalde ergießt (Tafel 74a). Diesen Tempel haben wir
ein wenig aufgegraben, und wie die übrigen, so hat auch er im Bildwerk reichen
Tempel der Anlage für das uns angedeutete Einreifen Prof. Grünwedels zurückgestellt.

(Aus Tempel Nr. 4 haben wir folgende Bildtafeln herausgeschnitten: 1) die Mönche aus
der rechten Wand des linken Korridors (Tafel 35 a); 2) die Deckendekoraton und den Fries aus
diesem Gang (Tafel 35 b); 3) eine Hauptscherungsszene (Tafel 35 a) entsprechend der ähnlichen
Darstellung aus Tempel 9 (Tafel 19); 4) den ein Räuchergefäß darbringenden Bodhisattva, ent-
sprechend dessen Figur der Tafel 25; 5) die „Persergruppe", entsprechend der Gruppe auf
der rechten Seite der Tafel 28; 6) die Gruppe von Adoranten, entsprechend der Gruppe in
der linken, unteren Ecke der Tafel 22; 7) den fremdländischen Kopf entsprechend dem Kopf
des Mönches mit Vajrakrone, linke Seite, Tafel 19; 8) den Brahmanen vor der Schillhöhle, ent-
sprechend der Figur in der rechten unteren Ecke, Tafel 17; 9) die Schirrträger, entsprechend
der Gruppe auf Tafel 18.)

TEMPEL NR. 9, BÄZÄKLIK.

Unmittelbar neben dieser mächtigen Tempelanlage erhob sich ein anderer Bau, dessen
Vorderwand bis etwa zu einem halben Meter an den Abhang der Terrasse heranragt; dieser
Tempel (Nr. 9 bei Grünwedel), war der Beleuchtung beraubt; er bestand aus einer Cella mit
Korridoren und einer quer vor sie gelegenen Vorhalle, von der aus eine Tür in einen schmalen
Seitenbau, ein von Ost nach West gelegtes Tonnengewölbe, hineinführte.

Die Korridore der Cella waren bis obenhin mit feinem grauen Bergsand angefüllt, der
ganz trocken war; die Cella und die Vorhalle dagegen waren nur etwa bis zur Hälfte ihrer
Höhe mit unregelmäßig abgelagerten Löß- und Sandmassen angefüllt.

Dieser Tempel ist für uns der wichtigste, denn aus ihm stammen die Mönchsgruppen
Tafel 16, die Prunkbil-Szenen Tafeln 17 — 20, die Bilder aus der Cella Tafeln 30 — 33 und
die Dikkei auf Tafel 34, sowie die Deckendekoration auf Tafel 35 a¹ und 4¹.

Ehe wir uns mit der Beschreibung des Tempels beschäftigen, erwähnen wir nur noch,
daß der heutige, von den türkischen Bauern benutzte Zugang zu der Terrasse auf Photographia
a, Tafel 74, links oberhalb Tempel Nr. 9 in der Terrassenwand sichtbar ist: es ist ein durch

Kunst oder Natur entstandener, schräger Spalt, der den Herabsteigenden auf die verschlüssten
Gebäudeteile des erwähnten größten Tempels der Terrasse (Nr. 6) führt. In den hier aufge-
blühten großen Schutmassen fanden wir Trümmer von Wandgemälden verschiedener Solarien
(cf. Tafel 30a, u. a. auch den Fuß der Buddha-Statuette (Tafel 34 a).

Der Tempel Nr. 4 war von Razu. geplündert worden und wir hatten uns entschlossen, die
darin enthaltenen Bilder herausszuschneiden und so der allmählichen Zerstörung durch die
Natur oder der plötzlichen durch die müßigen Hände türkischer Bauern zu entziehen; leider
waren aber nur die Bilder in den Gängen, und auch diese nur zum Teil, leidlich erhalten.
(Außerdem fehlten die Aufschriften auf den über jeder der Prunkbil-Szenen gemälten Tafeln.)
Die Bilder in der Cella waren so erloschen, daß man sie nur mit großer Mühe studieren konnte.

Es war daher erfreulich, daß wir bei der Prüfung des Tempels Nr. 9 fanden, daß dessen
Cella dieselben Bilder, wenn auch in einem etwas verschiedenem, köstlicherweise weniger voll-
endeten Stil enthielt, und als sich herausstellte, daß auch die Wandgemälde in den Gängen
nur in wenigen Details abwichen, sonst aber viel vollkommener und auch mit langen Brähmi-
Inschriften versehen waren, beschlossen wir uns darauf, nur eine Anzahl der am besten er-
haltenen Bilder des Tempels Nr. 4 zu retten und den Tempel Nr. 9 in allen seinen Bildern nach
Berlin zu senden.¹

Die Dächer der Vorhalle, der Cella und der Korridore des Tempels Nr. 9 waren auf rätsel-
hafte Weise verschwunden (nur das nebenstehende, 2 Räume enthaltende Tonnengewölbe war
intakt geblieben) und nirgends fand sich in den genannten Räumen irgend etwas, was einen
Schluß auf die Art der Bedachung zugelassen hätte; wir dürfen aber annehmen, daß die Cella
mit einer halbkugelförmigen Kuppel, die Vorhalle und die Korridore mit Tonnengewölben
gedeckt waren, wie sie bei Cella und Korridoren des Tempels Nr. 4 noch erhalten waren.
Jene Gewölbe waren in den Wänden innen und außen Tempel so schädigen, weder in den
Mauern noch auch in den Dächern angebracht und die Beleuchtung des Tempelinneren muß
daher zu allen Zeiten künstlich gewesen sein.

Nachdem der Tempel von den in ihm aufgehäuften Sand- und Lehmmassen gesäubert
worden war, zeigte sich, daß die Gemälde in den Gängen bis oben an den scharf abgeschnittenen
Mauerrand erhalten waren; in der Cella waren die Wandgemälde stark beschädigt; am besten
war das der Westwand erhalten; in der Vorhalle endlich deckte nur der kahle Verputz die
rohe Fläche der Mauern.

Der Fußboden war in den Gängen mit schönen, gut gearbeiteten, aber unverzierten Fliesen
aus feinkörnigem, grauem gebrannten Ton (0,32 qm) bedeckt; in der Cella wurden die Fliesen
durch einen schön geglätteten, mit echten al fresco-Malereien verzierten Fußboden ersetzt.

In den sich nach vorn etwas verengenden Eingängen der Korridore trug der Verputz auf
jeder der beiden Wände Malereien, die die Gemälden von je drei Mönchen wiedergaben (cf.
Tafel 16); die sechs Mönche des linken (südl.) Ganges waren in gelbe Gewänder gekleidet und
ihre Sanskriknamen waren mit Brähmi-Schrift auf den zu Häupten einer Person an-
gebrachten Namentafel verzeichnet. Von den sechs Mönchen des rechten (nördl.) Einganges
dagegen war die Gruppe in Gewänder vieler Gelehrter gekleidet und in chinesischer und uigurischer
Schrift angegeben. Namen lassen sie als Ostasiatten erkennen. Die zweite Gruppe dieses
Eingangs (Nordwand) war wieder gelb gekleidet und hatte Sanskriknamen; nur die Oberkörper
waren erhalten, der Rest des Gemäldes aber abgestoßen und verschwunden.

Wenn man, in den linken (südl.) Gang eintretend, an den Mönchsgruppen vorübergeht,

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