National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0061 |
Chotscho : vol.1 |
| Chotscho : vol.1 |
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An der Südwand der nach Norden gelegenen Cella der Tempelruine „Russisch
Z" bei Chotscho¹ befand sich ein ca. 91 cm hoher und ca. 3,02 m langer Sockel.
Die auf dem Sockel ruhende große Buddha-Statue war durch Hacken-
hiebe und durch den Einsturz der Dachvölbung sehr stark beschädigt worden; Kopf
und Schultern fehlten. Der erstere fand sich im Schutt vor, war aber so verstümmelt,
daß eine Photographie nicht aufgenommen werden konnte. Die Gewandung der Statue
bestand aus einem roten Oberkleid, dessen Saum, nebst dem des blauen Unterkleides,
solchermaßen über den Sockel herabfiel, daß in jeder der beiden Ecken ein schmaler
Zipfel bis zur Hälfte der Höhe des Sockels herabhing und diesem als seitlicher Ab-
schluß diente: zwischen diesen Zipfeln fiel die Masse des Kleiderraumes in einer
schönen Bogenlinie herab. Das Gemälde auf der Vorderansicht des Sockels wurde
durch die in der Mitte am tiefsten herabhangende Draperie in eine rechte und eine
linke Hälfte geteilt.
Auf der rechten Sockelhälfte befanden sich die Porträtfiguren von vier vornehmen
uigurischen Frauen, von denen die rechts an der zweiten Stelle stehende Dame in-
folge der durch die in Relief ausgeführte Draperie bedingten Raumverhältnisse
die größte, ihre am weitesten nach rechts stehende Nachbarin die kleinste war. Links
von der großen Frauenfigur schlossen sich, die Gestalten zweier anderer, von Diene-
rinnen (?) begleiteten Damen an.
Da eine Wiedergabe des ganzen Sockels unmöglich war, versuchen wir die Frauen-
gruppe zu beschreiben.
Ganz rechts stand, unterhalb des dort herunterhangenden Kleiderzipfels und
durch ihn etwas gedrückt, die ca. 40 cm hohe Gestalt einer Anbeterin. Sie trug ein glatt
über das Haupt gezogenes, weißes Kopftuch, das sich der Rundung des Kopfes genau
anschloß; am den Rand war, turbanartig, eine einzelne Windung des Tuchs herum-
gelegt. Der Rest des Tuches war an den Schläfen zusammengerafft und fiel in hübschem
Faltenwurf an den Seiten des Hauptes und in den Nacken herab. Das vorn mit breiten
gelben Borten verbrämt, in der Mittellinie geschlossene Kleid lag fest am Oberkörper
an und zeigte den schlanken Wuchs; es war ursprünglich von roter Farbe mit einge-
webten (gestickten etc.) gelben Rosetten.
Die Farben waren aber fast ganz erloschen; auch war der Unterkörper fast ganz
zerstört. Die Hände waren über dem Busen gefaltet und hielten eine mächtige sich
nach links neigende Lotusblume. In Kopfhöhe rechts waren die Reste einer Namens-
tafel mit dem Worte „b" noch zu erkennen, aber auch links und zwar etwa zwischen
der Höhe des Busens und des Knies, war eine ähnliche kleinere Tafel mit unleserlicher
uigurischer Aufschrift angebracht. Eine dritte, größere, leere Namentafel erschien etwas
weiter nach links, in Kopfhöhe der zweiten, nunmehr zu beschreibenden Dame. Sie
war erheblich größer als die erste und trug als Kopfputz die merkwürdige hohe Kappe,
die wir schon aus Tempel T² in Chotscho kennen². Der Unterkörper war stark zerstört,
der Oberkörper besser erhalten und mit einem schwarz konturierten grauweiβen Ge-
wande bekleidet. Auch hier scheinen die Farben erloschen zu sein. Wie die erste Dame,
scheint auch sie eine große Lotusranke in den Händen zu tragen. Links von ihr war
eine weitere Namen- oder Schrifttafel mit unleserlicher uigurischer Aufschrift aufgemalt,
und daneben nach links kniete eine kleinere Dienerfigur ungewissen Geschlechtes
in schwarzgrüner Kleidung. Oberhalb des Kopfes der Dienerfigur waren als Raum-
füller schöne Lotusblumen und Ranken in Rot, Blau, Carmin und Grün eingestreut.
Die dritte Dame erschien wieder etwas weiter nach links. Wie ihre Gefährtinnen
stand sie nach links gewendet anbetend da. Sie trug die geschweifte Kopfbedeckung,
die wir von Tafel 30b kennen und schien über einem dunkelfarbigen, reichgestickten,
enganliegenden Untergewande ein helles Oberkleid mit gesticktem Kragen (ähnlich
dem der Gewandung der Göttin auf Tafel 40) zu tragen. Die links von ihr, in der Höhe
des Unterkörpers aufgemalte Schrifttafel war gänzlich zerstört; sie stieß mit ihrer
linken oberen Eckkante beinahe an die unsere rechte Eckkante einer anderen Schrift-
tafel, die augenscheinlich zu dem letzten Damenbild gehörte. Auf der Tafel konnte
man die uigurischen Worte . . . ning körki . . . = ihr Bild (ist es) mit einiger Mühe
erkennen.
Auch dieses Porträtbild schien den zuletzt erwähnten Kopfputz zu tragen; auch
hier war die Kleidung ein dunkelfarbiges Gewand desselben Schnittes, wie wir bei
der dritten Damenfigur erwähnt.
Vor ihr kniete ebenfalls eine Dienerfigur; beide Gestalten waren voneinander
getrennt durch eine kleine Schrifttafel mit erloschenen Text.
Auf dem sich hier nach links anschließenden schmalen Teil des Sockelgemäldes,
der sehr stark zerstört war, waren augenscheinlich noch zwei Schrifttafeln ohne Text
eingemalt, dann aber begann, mit einer äußerst gefälligen Darstellung bunter Lotus-
blumen, die linke, eine Männergruppe enthaltende Bildhälfte.
Die erste Gestalt dieser nach rechts gewendeten Gruppe war am schlechtesten
erhalten; sie stand in anbetender Stellung da und trug eine reichblühende Lotusranke.
Das Gewand war rötlich mit gelben Rosetten. Die links neben der Gestalt angebrachte
Schrifttafel war mit uigurischen Lettern in unleserlicher Weise bekritzelt; sie begann
mit den Worten: /fongjuz yïl hïzïn/ al (?) ygrminc kün . . . baga . . . "; es ist
uns aber nicht gelungen, die übrigen 2½ Zeilen zu entziffern; wir behalten uns vor,
an anderer Stelle auf diese und andere Aufschriften zurückzukommen.
An diese Schrift-Tafel schließt sich nunmehr nach links der hier wiedergegebene
Teil des Sockelbildes an; wir fahren fort, die Darstellung von rechts nach links zu
beschreiben.
Der obere Rand des Bildes folgt den unregelmäßig verlaufenden Linien der im
Relief ausgeführten Draperie; die auf der rechten Seite der Reproduktion erscheinende
Gestalt steht unter dem Ansatz der großen Kurve, in der die Gewandsamm des Buddhas
über das Sockelbild herabfällt.
Die Person, zweifellos ein uigurischer Fürst, steht in anbetender Stellung nach
rechts gewendet. Da sein Haupt ist bis auf eine kleine Locke an der Stirnmitte kahl
geschoren und mit einem Bandtiadem umgeben, von dem ein oder zwei Zipfel seit-
lich über das Ohr herabzufallen und am unteren Ende eine schwarze Bandschleife zu
tragen scheinen. Diese Art des Kopfschmucks ähnelt einigermaßen dem der Fürsten auf
Tafel 38b und Tafel 54t; sie unterscheidet sich aber, falls wir die Abbildung trauen
dürfen, dadurch von diesen Stifterbildern, daß bei den letzteren (Tafel 38b) der Kopf
deutlich mit einer kleinen anliegenden Kappe bedeckt ist. Allerdings könnte eine
solche Kappe auch über den auf unserem Bilde entdeckten Teil des Kopfes aufgestülpt
werden, ohne daß man das Diadem zu entfernen brauchte.
Auch die Kleidung gleicht am meisten der der Stifterbilder auf Tafel 38b; es besteht
aus hohen Stiefeln, einem dunkelfarbigen Rock mit breiter, gelber Borte und aus einem
eigentümlichen schürzenartigen Gewand aus hellem, mit eingewebten Rosetten ver-
zierten Stoff; dieses Gewand wird über den dunkeln Leibrock getragen.
Eine braune und eine schwärzliche Tasche, sowie ein längliches Futteral, (Dolch,
Feder, Zahnstoiz etc.?), die am Gürtel getragen werden, vervollständigen das Kostüm.
Die Namentafel links von dieser Gestalt ist unbeschrieben; die links sich an-
schließende Männergestalt trägt ein ähnliches Kostüm, unterscheidet sich aber durch
das Fehlen des schürzenartigen Kleidungsstücks, welches indessen bei der letzten der
auf der Wiedergabe erscheinenden Stifterbilder wieder auftritt. Ähnliche Abweichungen
in der Gewandung scheinen auch bei den Stifterbildern aus Bäzäklik vorzukommen.
Die einzelnen Figuren werden durch Lotusblumen und durch unbeschriebene
Tafeln voneinander getrennt.
Wir vermuten, daß diese auf dem Sockel abgebildeten Personen die Stifter der
Buddhastatue mit ihren Frauen darstellen.
Natürliche Größe: 67 cm × 88 cm.
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